Unbekanntes Terrain
Benjamin Britten(1913-1976): Complete Songs Volume I
Ein Artikel von Julia Blank.
„Peter Grimes“, „Billy Budd“, vielleicht noch das „War Requiem“, dann hört es meist schon auf, wenn man außerhalb Großbritanniens nach Werken von Benjamin Britten fragt. Leider sind auch seine Lieder entsprechend unbekannt.
„Aldebourgh Music“, sozusagen Brittens Hausmarke und eine der inzwischen international renommiertesten Institutionen für musikalische Talentförderung sowie Veranstalter des traditionsreichen „Aldebourgh Festivals“, hat nun in Zusammenarbeit mit „Onyx Classics“ eine Doppel-CD mit Klavierliedern auf den Markt gebracht. Es handelt sich um ein CD-Projekt, das in zwei Schritten sämtliche Lieder Brittens für diese Besetzung herausbringen wird. Die Veröffentlichung von Volume II wird im Laufe des Jahres folgen.
Entstanden sind die Studioaufnahmen 2009, in Folge eines Liederabends des 62. Aldebourgh Festivals. Die acht jungen Sängerinnen und Sänger werden von Malcom Martineau am Klavier begleitet, einer der derzeit gefragtesten Liedinterpreten. Er ist es auch, der als Konstante die Aufnahmen zusammenhält und das durchweg auf hohem künstlerischem Niveau. Die Sänger/innen stehen Martineau dabei qualitativ in nichts nach. Ihre durchweg kraftvollen Stimmen beleben die Lieder ohne Ausnahme durch jugendliche Frische und innigem Bedürfnis nach vollendetem Ausdruck.
Liederzyklen in deutscher (Hölderlin-Fragmente) und russischer Sprache („The Poet’s Echo“) sowie die in seiner Muttersprache („Winter Words“, „The Holy Sonetts of John Donne“, „Cabaret Songs“) zeugen von Brittens großer Vorliebe für Texte unterschiedlicher Sprachen und differenzierte Themengebiete. Neben den morbiden „Holy Sonetts“ betritt man mit den heiter-parodistischen „Cabaret Songs“ eine völlig konträre Welt.
Daneben kann man sich von Brittens reifem Frühwerk überzeugen. Neben „Beware!“ und „Tit for Tat“ finden sich auf den CDs fünf bisher noch nicht eingespielte, kurze Lieder, die er bereits mit 13 Jahren komponierte. Sie sind bemerkenswerterweise allesamt von hoher technischer und emotionaler Qualität. Sein „A Dirge“ ist äußerst schwermütig, geradezu düster, während die mitreißende, kindlich naive Melodik in „Lucy“ ein völlig gegenteiliges Stimmungsbild evoziert. Es sind Schritte auf noch unbekanntes Terrain, die sich lohnen.
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