Verwöhnt
Ein Artikel von Reinhard Schulz.
„Der radikale Umbau unserer Kulturgesellschaft verlangt auch von Musikern den Abschied von einer weltfremden Verwöhnlandschaft. Privilegien und geldwerte Vorteile müssen abgebaut werden, soll die Orchesterlandschaft eine Zukunft haben. Dies wird derzeit bewusst ignoriert.“
Man wäre blauäugig, wenn man nicht zugeben würde, dass es zu bedenkende Formen von fraglicher Privilegienausnutzung unter Musikern durchaus gibt. Frau Weiss aber schüttet das Kind mit dem Bade aus. (Genauso könnte sie Schülern androhen, dass bei fortgesetzter latenter oder offener Faulheit die Schulen geschlossen werden.) Ihr ist ein Fauxpas unterlaufen, der freilich gut in die Gegenwart passt. Es wird populistisch beifallsheischend gedroht gerade da, wo Ermutigung zu verantwortungsvollem Tun notwendig wäre. Viele Musiker üben ihr Tun auf höchstem Niveau oft unter schweren persönlichen Einschränkungen aus. Es sind genau die, die von solchen Äußerungen am allerersten betroffen sind. Nachdenken über Kultur, das ist ja wohl die Aufgabe von Ministerin Weiss, muss anders und differenzierter aussehen. Zum einfachen Draufschlagen gibt es ohnehin fähigere Leute. Vielleicht fällt dann auch Frau Weiss einmal durch das radikale Umbauloch zur Unkulturgesellschaft.
Tags in diesem Artikel
Ähnliche Artikel
01.02.2003 Ausgabe 2/03 - 52. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
01.03.2003 Ausgabe 3/03 - 52. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
01.03.2003 Ausgabe 3/03 - 52. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Jürgen Stark
01.04.2003 Ausgabe 4/03 - 52. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
01.04.2003 Ausgabe 4/03 - 52. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
01.04.2003 Ausgabe 4/03 - 52. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Reinhard Schulz
01.05.2003 Ausgabe 5/03 - 52. Jahrgang - Kommentar/Glosse - thg


Kommentar hinzufügen