Was Geiger gerne futtern

Vom Bratwurst-Czardas und anderen violinistischen Neuausgaben


(nmz) -
Ein Artikel von Katharina Apostolidis.

Ausgabe: 
7/09 - 58. Jahrgang

Vittorio Monti: Czardas für Violine und Klavier, herausgegeb. von Wolf Bülow, Edition Peters, 2008 Nr. 11208

Kennt jeder, erfreut sich unerschütterlicher Beliebtheit wie eine Bratwurst. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass das Stück unabhängig vom Spielniveau allen Violinisten etwas zu bieten hat und die safttropfenden Effekte durchaus auch von weniger fortgeschrittenen Instrumentalisten zu bewältigen sind. Deshalb ist diese Ausgabe auf gute Genießbarkeit eingerichtet: Zum Beispiel sind Striche und Lagenwechsel wie Senf stilistisch eingesetzt, etwa zur geschmacklichen Hervorhebung von Halbtönen. Wirkungsvolle, schwerer ausführbare Alternativen wurden in Klammern gesetzt. Damit ist Montis Czardas eines der wenigen Werke der Violinliteratur, das ein Geiger zeitlebens gerne mal futtert.

C. René Hirschfeld: Tangos & Milongas f. Violine und Klavier Heft 1, F. Hofmeister 2009, FH 3330

Diese Tangos und Milongas sind in erster Linie als konzertante Stücke konzipiert, in orchestrierter Fassung jedoch auch sehr gut tanzbar. Nach der Aufführung passt dazu natürlich nicht Bratwurst, sondern ein feuriger Schoppen. Musikalisch verschmelzen Stilelemente des Tango argentino und des Tango nuevo mit solchen aus dem europäischen Tango und Kompositionsprinzipien der klassischen abendländischen Musik. Als Preisträger mehrerer internationaler Kompositionswettbewerbe schrieb Hirschfeld Musiktheater, Ballette, Sinfonik, Kammermusik, Solowerke, Liederzyklen sowie Chor- und Schauspielmusik. Dank für die sinnlich genussvolle Komposition.

Katerina Ruzicková: Trisonance II für Violine, Klarinette und Klavier, F. Hofmeister 2009, FH 3328

Katerina Ruzicková studierte Komposition, Musikwissenschaft und Ästhetik. Trisonance II entstand als Teil eines freien Zyklus’ für drei Musikinstrumente. Das Werk erhielt den dritten Preis im tschechischen nationalen Kompositionswettbewerb „Generation“. Das „Pierrot Lunaire Ensemble Wien“ nahm das Werk 2006 ins Repertoire und führt es seitdem regelmäßig in seinen Konzerten auf. Technisch nicht allzu schwer stellt es aber Anforderungen an das Rhythmusgefühl. Nach der Aufführung dann vorm Essen erstmal ein Sprung ins kühle Nass, um die vertrackten drei gegen vier abzuwaschen.
 

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese von Menschen zu lösende Aufgabe ist zur Vermeidung von Spam-Inhalten leider notwendig.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Ähnliche Artikel

Cellofreuden mit alten und jungen Meistern - Sieben Neuheiten für Cellisten zwischen Klassik, Jazz und Neuer Musik
07.11.2008 Ausgabe 11/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Fritz Zumkley
Brückenbauten für Violine - Zollfreies, Schwankendes und gut Geschliffenes
10.11.2009 Ausgabe 11/09 - 58. Jahrgang - Rezensionen - Katharina Apostolidis
Böhmische Tänze, spanische Impressionen, Orientalisches - Neuausgaben mit Klavierwerken von Bedrich Smetana, Isaac Albéniz und Fazil Say
06.02.2010 Ausgabe 2/10 - 59. Jahrgang - Rezensionen - Anke Kies
Dem Doppelrohrblatt entlockt - Neuerscheinungen für Oboe, Englischhorn und Ensemble von Geminiani bis Jarrett
16.06.2010 Ausgabe 6/10 - 59. Jahrgang - Rezensionen - Dietrich Schmidt
Kleine Erinnerung an die Sterblichkeit: für Klavier - Klaviermusik zu vier Händen oder an zwei Klavieren
07.10.2011 Ausgabe 10/11 - 60. Jahrgang - Rezensionen - Klaus Börner
Motivationssprit für Violinensembles - Neuerscheinungen für Violine ohne Tabus
07.11.2008 Ausgabe 11/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Katharina Apostolidis
Weihnachtliches für Streicher - Neuerscheinungen bei Schott, Eres Edition und Edition Walhall
13.11.2008 Ausgabe 11/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Katrin Rohlfs