Wie ein Lebensgefühl Alltag wird
Zwei Insider erzählen die Geschichte der Popmusik
Ein Artikel von Jochen Hähnel.
Gebhardt und Stark fangen bei Wolfgang Amadeus Mozart, dem ihrer Ansicht nach ersten internationalen Popstar der Musik, an und erzählen ebenso unterhaltsam wie kurzweilig von vergangenen Jahrzehnten „erlebter Popkultur“, von lustigen Zeiten, tollen Tagen und wilden Nächten, von der eigenen „musikalischen Sozialisation“ in der Rock’n’Roll- und der darauf folgenden Hippie-Ära …
Doch bei allem Schwadronieren über Erlebnisse und Begegnungen mit Künstlern, Bands und ihrer Musik, schwelgen sie nicht nur in zum Teil sehr persönlichen „privat-popgeschichtlichen“ Erinnerungen, sondern – quasi als Nebenprodukt – zeichnen sich beinahe im Hintergrund ihrer Darstellungen viele Kleinigkeiten ab, die auf den ersten Blick mitunter belanglos erscheinen, rückblickend jedoch strukturelle Zusammenhänge ergeben.
Bei alledem haben die Autoren auch Begleitschwingungen im Blick – vom gesellschaftlichen Stellenwert sinnvoller Musikerziehung bis hin zum Wandel des Musikmarkts mit seinen Folgen für eine Popkultur. Man denke nur an die unaufhaltsame Digitalisierung der Medien, den zunehmenden Trend, Musik aus dem Internet „downzuloaden“ und wie schwer sich die Musikindustrie mit der veränderten Situation tat und noch immer tut …
Unvergessen in diesem Zusammenhang die arrogant-hilflose Aussage eines der Chefs der Major Companies angesichts einbrechender Umsatzzahlen: „Der Konsument hat versagt.“ Gert Gebhard wird sich an diesen Satz seines Kollegen vor versammelter Mannschaft beim Phono-Verband bestimmt noch mit einem Kopfschütteln und Schmunzeln erinnern. Doch wie immer in der Geschichte liefern die Bruchstellen die interessantesten Aspekte für die Zukunft. Und unterm Stich dürfte einem nach der Lektüre des Buches klar werden, wie ein Lebensgefühl, das nicht zuletzt über die Pop- und Rockmusik transportiert wurde und in der damaligen Zeit revolutionär war, heute zum Großteil (kultur-)politisch und gesellschaftlich Fuß gefasst hat und alltäglich geworden ist – allerdings mit einer großen Einschränkung: Die damit einhergehenden Ideale sind bis heute nicht wirklich real.
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