Wissenswertes aus Erlangen (Ferchows Fenstersturz 2011/03)
Ein Artikel von Sven Ferchow.
Eine gewisse Unkreativität und Uninspiriertheit ist da stammbaumtechnisch wie kulturell nicht zu verleugnen. Hat der Sohnemann halt ein paar Phrasen im Elternhaus aufgeschnappt und rausposaunt. Interessanter wäre die Frage, woher der Bubi die Software hat. Schon mal Detektiv gewesen, Herr Herrmann? Nicht, dass „Jackpot“ da runterlädt, wo der Vater samt Regierung mit dem Urheberrechts-Schwert hineinkeilt. Entschuldigung. Aber so furzlangweilig, wie der Grottenbeat auf dem Video staubte, kann das nur Software von Erkans Festplatte sein, der natürlich steif und fest behaupten wird: „Eh, hab isch gezogen bei Ogur. Auf Laderampe bei Zughaltestelle.“ Geschenkt, Erkan. Minister Herrmanns Internettruppen haben das Video aus dem Weg geräumt. Unauffindbar jetzt. Wie die Unterlagen zur Hypo Alpe Adria. Weg. Verschwunden zwischen „Bahngleis neundreiviertel“ und „Hogwarts“. Verschwunden auch: Jakob Herrmann. Nichts mehr zu hören.
Wahrscheinlich großes Theater. Vater im Ohrensessel, brüllend mit Schaum vorm Mund und CSU-Leitkultur in der Hand. Mutter weinend in der Küche, Kuchen backend, zwischendurch an der Weißweinschorle schlürfend, den Rotz an Handrücken und Schürze abwischend. Sohn desinteressiert bis uneinsichtig („Fresse, Alder!“), nebenbei Facebook- Einträge am Handy checkend. Zwischendurch Gang aufs Klo und die „Wodka-Red-Bull-Emergency-Pipeline“ anzapfend. Mittendrin der Wahlkampfmanager mit hochrotem Kopf und Hochrechnungen fuchtelnd. Kostet Sohnemanns Poesie Papis Job? Lange Rede, einzige Strafe: drei Jahre Gorch Fuck. Rappen an der Reling. Waschkabinen auf allen Vieren schrubben. Seife suchen. Auf die Zähne beißen, wenn die Admiralität einen im Tee hat (Alkohol gibt’s da nämlich nicht) und lauthals grölt: „2013, wir ham’ ihn alle gef***. Ham’ ihn und seinen Flow über’n Masten geknickt“. Okay. Ziemlich harte Bestrafung. Doch das Schrecklichste kommt danach. „Jackpot“ muss zur Resozialisierung die knapp tausend Fußnoten von Daddys Kumpel „Kay-T.“ zu Guttenberg durchackern. Auf was, wird sich rausstellen. Schiff ahoi!
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