Zwangsbeschallert
Ein Artikel von Martin Hufner.
Prima: Musik hat ihren gesellschaftlichen Standort endlich erhalten, nämlich den der Sozialhygiene und Gewaltprävention. Nix mit Rolling, nix mit Stones. Musikmachen ist wie Kiffen, nur besser, weil in der Regel straffrei. Musikhören dagegen nicht. Das durfte ein lautstark HipHop emissierender Autofahrer in Miami am eigenen Leibe erfahren, den sein Richter zum Abhören einer Puccini-Oper verurteilte – alternativ 500 US-Dollar Bußgeld. Was dieser eigentlich ganz pfiffige Richter in Deutschland machen würde? Stadtverwaltungen verklagen wegen der von ihnen zugelassenen Zwangsbeschallung von Bahnhöfen und anderen öffentlichen Gebäuden, oder weiter noch der – wegen verminderter Auswahlmöglichkeiten – öffentlich-rechtlichen und privaten Musikduschen in Radio und TV? Ach was, das alles dient der Gewaltabwehr und Befriedung. Jugendliche, die Viva glotzen, sichern den inneren Frieden. Es ist ein Faktum: Terroristen gibt’s ja in Deutschland seit den Musikextremisten Helmut Lachenmann und Modern Talking praktisch auch nicht mehr. Eigentlich sind wir ein glückliches Volk. Eigentlich. Peace!
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