Bühnenverein zur Pisa-Studie: Musische Bildung nicht vernachlässigen

01.02.02 -
Als Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler in der Pisa-Studie fordert der Deutsche Bühnenverein, sich sowohl in Schulen als auch in den Familien wieder verstärkt der musischen Bildung zuzuwenden.
01.02.2002 - Von nmz-red/leipzig, KIZ

Als Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler in der Pisa-Studie fordert der Deutsche Bühnenverein, sich sowohl in Schulen als auch in den Familien wieder verstärkt der musischen Bildung zuzuwenden. Es hat aus Sicht des Bühnenvereins keinen Sinn, auf die Pisa Studie nur mit strukturellen Maßnahmen, wie etwa ein frühzeitigeres Einschulen oder eine Verstärkung des Nachmittagsunter-richtes in Schulen zu reagieren. Vielmehr müsse sich die Bildungspolitik mit der Frage befassen, in welcher Weise kulturelle Inhalte den Schülern vermittelt werden können. Erst kürzlich hat auch die Geigerin Anne-Sophie Mutter den Musikunterricht an deutschen Grundschulen scharf kriti-siert. “Musik, Literatur, Theater, bildende Kunst müssen wieder mehr in den Mittelpunkt des Schulunterrichtes rücken”, forderte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Jürgen Flimm. Auch die Eltern sollten ihre Kinder motivieren, ins Theater, ins Konzert oder in die Museen und Bibliotheken zu gehen. Es reiche als Bildungsziel nicht aus, dass junge Leute einen Computer beherrschten. Vor allem Musik fördere bekanntlich die Intelligenz. “Mehr Phantasie wagen” sei - so Flimm - das Gebot der Stunde.

Besorgt zeigte sich Jürgen Flimm über die neuesten Zahlen hinsichtlich der Fernseh-Gewohnheiten von Jugendlichen. Beispielsweise säßen Kinder zwischen drei und dreizehn Jahren durchschnittlich 98 Minuten am Tag vor dem Fernseher. Der Anteil der privaten Fernsehprogramme an diesem Fernsehkonsum liege für die genannte Altersgruppe bei 64,4 %. “Solche Zahlen sind besorgniserregend. Darauf muss die Politik reagieren, und zwar nicht mit der Schließung von Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen”, forderte Jürgen Flimm. So habe etwa die holländische Regierung bereits die Probleme erkannt und ein weitreichendes Förderprogramm zum Thema “Kultur und Schule” vorgelegt. Zu dem Programm gehörten insbesondere kostenlose Gutscheine, die Schüler gegen Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen einlösen könnten, sowie gezielte Fördermaßnahmen für die ästhetische Bildung in den Schulen. Überhaupt müsse man nach neuen Wegen in der Kooperation zwischen Theatern und Orchestern einerseits und den Schulen andererseits suchen.

Deutscher Bühnenverein





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