Auf Beat hoffen? – Bassist Dieter Ilg stellte sein Projekt „Mein Beethoven“ beim BMW Welt Jazz Award vor


(nmz) -
Wenn kein Instrument im Mittelpunkt steht oder aber eine spezifische Kombination verschiedener Klangerzeuger, richtet der BMW Welt Jazz Award den Fokus auf ein konkretes Thema. Die nun schon achte Ausgabe des hochdotierten Wettbewerbs, den der Münchner Autobauer ausrichtet, hat das Motto „Inspired By Legends“ ausgerufen.
26.01.2016 - Von Ssirus W. Pakzad

Selbst die, die wir heute als Säulenheilige des Jazz verehren, haben ihre Eingebungen nicht einfach immer nur aus der Luft, aus der Sphäre gepflückt. Sie hatten Vorbilder, denen sie nacheiferten, von denen sie geformt wurden. Wenn Jazzmusiker ihre prägenden Einflüsse preisgeben, ist das oft problematisch: Entweder sie kleben zu nahe am Original oder sie sind so sehr um Eigenleistung in Form von Dekonstruktion oder Rekomposition bemüht, dass das Ergebnis schnell überambitioniert tönen kann.

Sechs Formationen dürfen im Doppelkegel der BMW Welt zeigen, wie sie kreativ mit bekanntem Material, mit Heldenverehrung umgehen, wie sie ihre Inspirationsquellen nutzen – in einem Wettbewerb, der „Inspired By Legends“ überschrieben ist – ein Thema, das sehr weit ausgelegt wurde, wie ein Blick aufs vollständige Programm zeigt. Es wird Matinee-Konzerte geben, in denen Jimi Hendrix als Spiritus Rector dient, andere Auftritte, die sich auf Geschichten aus 1001 Nacht beziehen, Musik, die von Regisseuren wie Pier Paolo Pasolini angestoßen wurde.

Und zum Auftakt konnte der Freiburger Bassist Dieter Ilg zeigen, was Beethoven mit ihm anstellt. Ilg hat Erfahrung mit der Zusammenführung von Klassik und Jazz. Nach seiner Auseinandersetzung mit Wagner und Verdi war also nun der Bonner/Wiener Klangschöpfer der Lieferant für das Ausgangsmaterial, mit dem sich der auf singende tiefe Töne spezialisierte Jazzmusiker beschäftigte.

Mit dem grandiosen Pianisten Rainer Böhm und dem französischen Schlagzeuger Patrice Hèral pflegt Dieter Ilg am Sonntagmorgen eine Mischung aus angemessenem feierlichen Ernst und einer fast unbeschwerten Leichtigkeit. Abgesehen von einer kräftig-deftigen Gospeleinlage wird sein Beethoven nur sanft durchzogen – bei der Pastorale, mit der die Matinee begann, etwa durch ein paar südafrikanische Spitzen, später im Programm mal durch die Andeutung einer Samba, eines Reggae-Rhythmus` oder eine impressionistische Akkordfolge am Flügel. Man darf bei Beethoven nicht auf unerbittlichen Beat hoffen. Dem oft sentimentalen, ernsten Charakter vieler Stücke wird das Trio gerecht. Dass die Musik dabei nie zu betulich wirkt, liegt unter anderem an Rainer Böhm, der fast ansatzlos einen enormen Zug entwickelt, die Stücke zu öffnen versteht und seinen vollendet intonierenden Chef sowie den um keine Schlag- oder Zischel-Variante verlegenen Schlagzeuger Patrice Hèral mitreißt.

Das war schon mal ein gelungener Einstieg in den BMW Welt Jazz Award. Am kommenden Sonntag will der israelische Saxofonist Oded Tzur mit Geschichten der Scheherazade beim Publikum und der Fachjury punkten.      

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