Das Wunderkind aus Detroit - Stevie Wonder wird 60
Schon mit neun Jahren beherrschte der Junge mit dem bürgerlichen Namen Steveland Hardaway Judkins Morris mehrere Instrumente, der Mundharmonika entlockte er als Jugendlicher herzzerreißende Töne wie ein alter Bluesmusiker, Bob Dylans Hymne «Blowin’ in the Wind» interpretierte er kurzerhand neu.
Der Stimmbruch konnte diese rasante frühe Karriere nicht beenden. Die Musik war Wonders Weg, die Welt zu sehen und zu beschreiben. Kurz nach der Geburt war er erblindet. Als Frühgeburt in Saginaw/Michigan zur Welt gekommen, musste der kleine Stevie in einem Inkubator künstlich beatmet werden. Seine Erblindung rührt vermutlich von einer fehlerhaften Dosierung des Sauerstoffs.
An der Michigan School for the Blind studierte Stevie Wonder klassisches Klavier und nahm zunehmend mehr Einfluss auf die Arrangements und Kompositionen seiner Musik. 1971 trennte er sich von Motown. Mit «Talking Book» folgte ein Album, das zum Meilenstein wurde und die Hit-Singles «You Are The Sunshine Of My Life» und «Superstition» hervorbrachte.
Wonders Werke wurden etwas poppiger, was 1982 in der Single «Ebony and Ivory» gipfelte, die er mit Ex-Beatle Paul McCartney aufnahm. Zwei Jahre später erhielt er für «I Just Called To Say I Love You» einen Oscar für den besten Filmsong aus «Die Frau in Rot».
Der politisch und sozial engagierte Künstler, der für die Rechte der Afroamerikaner in der Bürgerrechtsbewegung eintrat, widmete den Oscar der Anti-Apartheitbewegung Nelson Mandelas. Zuletzt unterstützte Wonder den Wahlkampf des späteren US-Präsidenten Barack Obama, im vergangenen Jahr wurde der Musiker zum Friedensbotschafter der Vereinten Nationen berufen.
Wonders Einflüsse auf den modernen Soul und Künstler wie Babyface, Erykah Badu und India Arie sind gegenwärtig, darüber hinaus zeigte sich Wonder offen für neue Entwicklungen und nahm Songs etwa mit Snoop Dogg auf. Unzählige seiner Titel dienten im Rap als Sample-Quellen.
Seinen musikalischen Output reduzierte Wonder seit den 90er Jahren allerdings stetig. Nach mehr als 30 Top-Ten-Hits, rund 70 Millionen verkauften Alben und 19 Grammy-Awards entschied sich der siebenfache Vater für mehr Zeit mit seiner Familie. Die Abstände zwischen den Veröffentlichungen wurden länger: Für sein 2005 erschienenes Album «A Time to Love» ließ er sich zehn Jahre Zeit.
Als legendär gelten die Konzerte des Ausnahmekünstlers. In diesem Sommer gastiert er erstmals seit 1987 wieder in Deutschland. Am 13. Juli gastiert er in Berlin in der Zitadelle Spandau, tags darauf im Hamburger Stadtpark.
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