Foxy Lady: Erika Stuckys Huldigung an Jimi Hendrix beim BMW Welt Jazz Award


(nmz) -
Only the best die young. 1970 ist Jimi Hendrix mit nur 27 gestorben, erstickt an seinem Erbrochenen. In den wenigen Jahren, in denen er einer weltweiten Öffentlichkeit seine Visionen noch livehaftig näher bringen konnte, hat er ein gewaltiges musikalisches Erbe angehäuft. Er wurde bereits in Lebzeiten zur Legende und setzte Maßstäbe, die noch heute gelten. Beim „Inspired By Legends“ übertitelten BMW Welt Jazz Award machte sich das schweizerisch-amerikanische Quartett Stucky/Doran/Tacuma/Studer über das Vermächtnis des Übergitarristen her.
23.02.2016 - Von Ssirus W. Pakzad

Hey Jimi, was hast Du da nur angestellt, als Du uns „Hey Joe“, „Foxy Lady“, „Manic Depression“, „Voodoo Chile“ oder „The Wind Cries Mary“ hinterlassen hast? Hättest Du Dir gedacht, dass Dir Heerscharen von Epigonen nahezukommen glaubten, in dem sie diese Klassiker nachbeteten, ihre Stratocaster links herum oder hinter dem Rücken spielten, Kopftücher, knallbunte Hemden, Schlaghosen und Afro trugen, in die Saiten bissen, ihre Gitarre brennen ließen oder wahlweise an Verstärkertürmen zertrümmerten? Hättest Du Dir nicht gewünscht, dass man Deine Botschaft besser versteht, nämlich die, dass man als Künstler immer versuchen muss, nicht unreflektiert nachzuäffen, stets neue Ansätze zu zeigen, Grenzen zu verschieben, Regeln zu brechen und sich dabei trotzdem einen Sinn für Traditionen zu bewahren?

In etlichen Rock-Revuen spürt man wenig vom aufrührerischen rebellischen Geist des Jimi Hendrix. Er scheint hauptsächlich peinliche Nachahmer auf den Plan gerufen zu haben. Wie schön, dass man auch anders mit seinem Erbe umgehen kann – das jedenfalls zeigten die Schweizer Performerin Erika Stucky, ihre Landsleute Christy Doran (Gitarre) und Fredy Studer (Schlagzeug) sowie Free Funk-Ikone Jamaaladeen Tacuma (Bass) bei einem umjubelten Konzert im Doppelkegel der BMW Welt.

Eine dolle Sängerin ist die Stucky nicht. Aber eine mit allen Wassern gewaschene Rampensau, die weiß, wie man ein Publikum rumkriegt, es „entkalkt“ (Zitat). Was der Stimme an Ausdruckskraft, Charisma und Crisp fehlt, macht die 53jährige als Gesamterscheinung locker wett: durch Ausstrahlung, Witz, Unbekümmertheit, Chuzpe, ein schön-scheußliches Outfit, ein unerschöpfliches Gestenrepertoire, viele Anspielungen, ein kleines Zeitraffermedley, das uns in die späten 60er Jahre führt und mit durchgeknallten Ideen, wie der, mit einer Schneeschaufel höchst musikalisch über den Boden zu kratzen. So entertaining.

Trotzdem des hohen Unterhaltungswerts, den die in den USA aufgewachsene Eidgenossin beim Matineekonzert des BMW Welt Jazz Awards besaß, muss man sagen, dass ihre unaufdringlich kreative Band der eigentliche Bringer war und Hendrix letztendlich gerechter wurde. Vor allem der stilistisch sehr bewanderte Christy Doran zeigte, was er vom Jimi gelernt, dann aber weiterentwickelt hat. Dazu groovte Jamaaladeen Tacuma unwiderstehlich und Fredy Studer, sonst ein Filigrankünstler, drosch diesmal beherzt und sehr effektvoll auf Felle und Becken. Stucky, Doran, Tacuma und Studer entwickelten trotz nur eineinhalbstündiger Nachtruhe eine mitreißende Energie, von der das Publikum sicher noch den Rest des Tages zehren konnte.

Nächsten Sonntag, also am 28.2. gastieren Latham-Carniaux-Egan beim BMW Welt Jazz Award. Sie befassen sich mit dem Repertoire der isländischen Elfe Björk.

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