Im Zahlengewitter – Wie sich Ex-Philharmonie-Intendant Michael Kaufmann zur Wehr setzt


(nmz) -
Essen, im November. – „Ich bin überzeugt, dass ich zu Unrecht entlassen worden bin.“ Mit fester Stimme, immer gern verstanden als Zeichen von Aufrichtigkeit, von Glaubwürdigkeit, meldet sich Michael Kaufmann erstmals nach seiner fristlosen Kündigung im September diesen Jahres zu Wort.
12.11.2008 - Von Georg Beck

Zwar befinde er sich gegenwärtig in einem laufenden Arbeitsgerichtsverfahren, das ihm auferlege, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen (wofür ihm sein mitgeführter Anwalt als eilfertiger Sekundant dient) – andererseits seien die Anwürfe der Gegenseite doch zu vehement, zu ehrenrührig als dass er jetzt noch länger schweigen könne. Richtig. Nur, weshalb dann lediglich ein Pressegespräch vor handverlesenem Publikum und keine Pressekonferenz? Eine kommunikative Panne, die wohl mit den Wunden zusammenhängt, die dieses unsägliche Gewürge auch beim sympathischen Kaufmann geschlagen hat.

Noch die Wahl des Schauplatzes ist eine Botschaft, befindet sich doch gleich neben dem Essener Sheraton-Hotel Kaufmanns ehemaliger Arbeits- und Wirkungsort. Ein Ausdruck von Verbundenheit, keine Frage. Dass die, auch von seinen Gegnern nicht bestrittene künstlerisch glanzvolle Philharmonie-Ära Kaufmann so enden soll, ist tatsächlich schwer zu verstehen. Fast ein Stück tragischer Fallhöhe, die da mitschwingt. Warum? Darüber rätselt – gibt Kaufmann zu verstehen – auch er. Denn was ihm vorgeworfen wird (Etatüberschreitung von 1,7 Millionen Euro in zwei Spielzeiten, festgestellt jüngst von den Düsseldorfer Wirtschaftsprüfern Warth und Klein), ziele ins Leere, sei womöglich vorgeschoben. Aufgrund der Trennung von Geschäftsführung und Intendanz wie es die „Theater und Philharmonie Essen GmbH“ (TUP) vorsieht, könne er gar nicht allein im Kreuzfeuer stehen, von sogenannten „Quersubventionierungen“ ganz abgesehen.

Womit wir wieder mitten im Gewitter der Zahlen stehen und deren interessengeleiteter Interpretation, so dass auch dieser Termin einmal mehr bestätigt, dass ohne unabhängige Prüfer, die beide Parteien akzeptieren, ohne wechselseitige Einigkeit über den Prüfauftrag, kein Fortkommen scheint. Ansonsten: Ring frei zur nächsten Runde.

Fortsetzung folgt, je nach Nachrichtenlage, in der Dezember-Ausgabe der nmz.

Dossier: 
Philharmonie Essen

Kohle und Kunst - inkompatibel

Was ist das für ein Land? Sollen wir die Theaterspielpläne, die Erfindungen menschlichen Geistes, die Buchprogramme der Verlage, die Kataloge der Labels den Rechnern überlassen? Die Sendungen den zahlengesteuerten Sendern? Auf dass sie mit 25 % Umsatzrendite versehen die Kohle ersetzen, das Öl, das Gas? All das ist längst ein Teil unserer Realität, die durch Kapital zu definieren sich herzlich entleibt hat. Wir brauchen eine Billion für Bildung, keine Sicherheiten für unheilschwangere Banker. Die Billion ist unser Volks-Vermögen.

Theo Geißler
www.nmz.de


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