„Macbeth“ in der Felsenreitschule: Peter Stein inszeniert Verdis Oper bei den Salzburger Festspielen
Die Schlacht versinnlichen nun nicht nur allein die von Riccardo Muti geleiteten Wiener Philharmoniker, sondern auch optisch erleben die Zuschauer dreißig fechtende Choristen. Der Gang vor dem Orchestergraben ist Topos für den Chor, etwa als Straße für die Flüchtlinge aus Schottland, in den Bühnenraum integriert.
Die Aufführung basiert auf Verdis zweiter Fassung aus dem Jahre 1865. Aber sie enthält – außer dem beinahe schon traditionellen Einschub der Todesarie des Macbeth aus der ersten Fassung – eine weitere Besonderheit: das Ballett aus Verdis Pariser Fassung wurde an den Anfang des dritten Aktes vorgezogen, für eine erweiterte Hexenszene, welche traditionell mit Chor und Ballabile schließt, wodurch nun in der Salzburger Fassung eine gerundeter Block entsteht.
Stein folgt der Etymologie des Wortes Hexe als „Hagse“, als einer im Hag, im Wald lebenden Frau: der Chor der Hexen tritt als Wald und Gebüsch in Erscheinung und schlägt somit bereits den Bogen zur finalen Prophezeiung des wandelnden Waldes von Birnam.
Acht künftige Könige, die Macbeth bei seiner zweiten Begegnung mit den Hexen, den Schicksalsfrauen, bereits als sein künftiges Schicksal erlebt hat und was ihn ohnmächtig niedergeworfen hat, folgt der reale Nachvollzug in der Todesstunde: Macbeth (der serbische Bassbariton Željko Lučić) verliert die Königskrone, die sich Malcolm (Antonio Poli), dem Rad der Geschichte folgend, aufsetzt.
Am Premierenabend wurde Steins Regiearbeit in der Felsenreitschule rückhaltlos gefeiert. Viel Jubel gab auch für Stardirigent Riccardo Muti, der den Wiener Philharmonikern trotz betont breiter Tempi transparente, vielschichtige Klänge entlockte, sowie für den serbischen Bassbariton Zeljko Lucic und die russische Sopranistin Tatjana Serjan als Macbeth und seine Lady.
Weitere Aufführungen: 6., 9., 12., 16., 19., 22., 24. August 2011.
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