Präsidiale Gemeinheit: Jetzt klaut der Köhler Horst unserer Bundes-Lena die Medien-Show


(nmz) -
Gerade hatten wir alle uns so gefreut: Lang schon vor dem zu erwartenden Druckluft-Sommermärchen in Südafrika bescherten uns Stefan Raab und die putzi-futzi supersüss-natürliche Abiturientin Lena ein nationales, kollektives Glücksgefühl samt identitätsstiftendem Adrenalinrausch, da spielt ausgerechnet unser Ex-Bundespräsident den üblen Spielverderber. So aber schießt er sich selbst als „Satellite“ ins All, leider funktionslos. Nennt man sowas Weltraum-Schrott?
31.05.2010 - Von thg.

Nicht dass Horst Köhler in seinem Amt viel bewirkt hätte – den Kulturschaffenden präsentierte er sich eher als Event-Abgraser denn als Programmatiker oder Sinn-Stifter. Unverständlich, dass er zu seiner realistischen Erkenntnis, die Bundeswehr stütze zumindest im weiteren Sinne auch blanke Wirtschaftsinteressen, nicht stehen kann. Ist natürlich grundgesetzwidrig, das aber sind die ungleichen Bildungs-Chancen in diesem unserem Land doch auch. Vom Zerbröseln der Pressefreiheit ganz zu schweigen.

Insofern hätte er – augenscheinlich hypersensibel, wie er ist – gar nicht nochmal antreten dürfen. Aber dass er uns jetzt auch noch den nationalen Song- Contest-Riesenspass verdirbt, wird ihm die deutsche Entertainment-Industrie nicht so schnell vergessen. Oder hat er vielleicht doch rücksichtsvoll mit dem Rücktritt gewartet, bis die erste Lena-Feier in Hannover vorbei war? Ganz im Sinne eines perfekten National-Marketings? Es bleiben Fragen offen…

Bundespräsident

Lieber Theo,

ich freue mich immer über Deine Kommentare, weil sie so erfrischend frech sind und eine große Lust am Umgang mit der Sprache verraten.

Deinen jetzigen Kommentar über den Bundespräsidenten finde ich aber nicht so gut. Es geht mir dabei nicht um die Bewertung seiner Äußerungen zu Auslandeinsätzen etc., über die man geteilter Meinung sein kann, sondern - ich sage jetzt mal was ganz Altmodisches - darum, dass es sich beim höchsten Amt in einem Staat um eine Einrichtung handelt, der man Respekt entgegenbringen sollte, unbesehen der parteipolitischen und weltanschaulichen Ausrichtung des Amtsinhabers. Wer über diesen herzieht, zieht über das ganze Volk her, dessen legaler und legitimer Repräsentant er ist.

Ich weiß, heute gehört dieses Miesmachen führender Personen in Staat und Wirtschaft zum guten Ton, und auflagestarke Organe wie die SZ, das Sprachrohr des links-zynischen Zeitgeists, machen es gewinnbringend vor. Ich finde das aber einfach nur grauenhaft steril. Dagegen ist Deine kleine Satire ja noch wohltuend harmlos.

In solchen Fällen wie jetzt, da einem zurückgetretenen Bundespräsidenten noch munter hinterher getreten wird, stelle ich mir Fragen: Warum hat man eigentlich keinen Respekt mehr vor den selbstgeschaffenen demokratischen Institutionen? Ist das ein typisch deutsches Demokratie-Defizit? (Wohl nicht nur deutsch.) Ist das spätrömische Dekadenz oder was? Oder: Sind die Institutionen so beschissen oder sind es diejenigen, die die Leute dorthin gewählt haben?

Klar, dass man heute als kritisch denkender Mensch manchmal einfach die Nase voll hat vom ganzen Betrieb, und man ist froh, wenn man wenigstens verbal seinen Frust ein wenig ablassen kann. (Andere verprügeln ihre Kinder.) Auch ich habe oft solche Empfindungen. Aber wenn man sich nur noch auf dieser Beschissenen-Ebene bewegt, hat man schon verloren.

Es gibt genügend Beispiele, wie es auch anders laufen kann. Diese sollte man unterstützen und nicht die eigene Energie auch noch in die allgemeinen destruktiven Abflusskanäle leiten. Bei den Menschen - Zeitungsleser inbegriffen - gibt es ein großes Bedürfnis nach solchen anderen Themen, und man sollte sie nicht allein lassen. (Warum hat denn die Lena mit einem einfachen Lied gewonnen?)

Da könnten wir doch mit der NMZ ein gutes Beispiel geben, meint der alte Meckerer

Max Nyffeler alias Beckmesser


Lieber Max, mir gehts wie Dir

…er war rein libidinös schnell und sicher nicht durchreflektiert, -Risiko - lieber Max…
Danke für Deine Meinung

Theo Geißler
www.nmz.de


Max Köhler

Nein, Max. So simpel ist die Sache einfach nicht mehr. Auf der einen Seite haben wir den ehemaligen Präsidenten, auf der anderen das Grundgesetz und auf der dritten die Kritik (und anderes mehr). Sämtliche Institutionen gehören da zusammen. Konflikte kommen da und gehen.

Ich will nur mal zeigen, wie blöde sich dann die anstellen, die etwas Gutes meinen, aber das Gegenteil sagen: Jürgen Koppelin mosert, Trittins Vergleich Köhlers mit Lübke sei bösartig. Wer lässt denn da den Respekt vermissen. Was ist denn gegen Lübke einzuwenden, dem man doch den gleichen Respekt Schulden sollte. Trittins Kommentar war eine raffiniert ausgelegte Falle, in die diejenigen reintappten, die am besten mit Doppelmoral können.

Das am Rande. Das ist alles weder typisch deutsch noch typisch undeutsch. Das ist einfach ziemlich dumm gelaufen. Dass jetzt so viel Wind entsteht und die demokratischen Institutionen erodieren hat viel Gründe, zumal andere.

Das Amt des Buprä selbst ist ja auch so ein Fall für sich. Muss man aber nicht eigens diskutieren jetzt.

Und: Vielleicht sollte man sich auch mal fragen, welchen Respekt der Rücktritt mirnichtsdirnichts bezeugt.


nochmals: Bundespräsident

Lieber Martin,

Mich stört einfach nur diese allgemeine Häme und diese Sündenbocktheorie, die nun alle im Chor mitblöken.

Bei dieser ganzen Angelegenheit gilt wohl “Nichts Genaues weiß man nicht”. Nach meiner Vermutung ist Köhler noch wegen anderer Dinge zurückgetreten, die er aber nicht nennen darf. Wie wär’s zum Beispiel mit Nötigung zur Unterschrift unter den irrwitzigen, blitzschnell vollzogenen Ausverkauf des deutschen Volksvermögens zur Rettung der französischen und - in geringerem Maß - der deutschen Gläubigerbanken? Aber wie alles ist auch das jetzt nur Spekulation.

Nebenbei: Gerettet wird mit Anteilen aus Deinen Steuern und Deiner künftigen Rente auch eine griechischen Bank - sie gehört dem Barroso-Intimus Spiros Latsis, der seine Pleite-Bank mit rund 60 Mia $ Schulden im letzten Moment noch von Genf nach Luxemburg transferiert hat, um dort unter den EU-Schutzschirm zu schlüpfen, der von, äh, Barroso, Sarkozy & Co. aufgespannt wurde. (Deshalb sind auch die Forderungen der “Schweizer Banken” beim griechischen Staat, die Spiegel Online am 27. April noch mit 64 Mia. $ bezifferte, über Nacht auf 4 Mia. gesunken…)

Also, zurück zu Köhler: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Wirtschaftsmann wie Köhler, der bedeutende nationale und internationale Posten innegehabt hat, einfach wegen ein paar Schmähungen eines Herrn Ernst oder Herrn Prantl das Handtuch schmeißt. Und inzwischen kann man ja auch da und dort lesen: Was er über die “Handelswege” etc. sagte, entspricht genau dem Bundestagsmandat für die Bundeswehr, ist also nicht gegen das GG, wie das die Demagogen behaupten. Den Bezug auf Aghanistan hat man böswillig hineininterpretiert.

Doch jetzt wird Köhler als weinerlicher Trottel hingestellt, der nicht weiß, was er redet und aus einer Laune heraus zurücktritt. Nach meiner Beobachtung hat er auch nicht geweint, wie Spiegel Online behauptet hat.

Irgendetwas stinkt da zum Himmel, das ist meine feste Überzeugung. Ein undurchsichtiger politischer Vorgang wird auf billigste Weise psychologisiert, und zwar genau von denjenigen Medien und politischen Kräften, die ihn - faktisch oder auch nur vermeintlich - abgeschossen haben, und die gemachte Öffentlichkeit grinst dazu, inkl. der oberschlaue Herr Trittin. Ich meine, das von diesen Leuten als dumm bezeichnete Volk hat da das bessere Gespür. Was man jetzt beobachten kann, ist ein absolut unwürdiger Vorgang für die Politik und verdächtig bis zum Gehtnichtmehr. Etwas soll vertuscht werden mit dieser läppischen Hatz, die zudem eindeutig auf Kosten des Ansehens der öffentlichen Institutionen geht.

Im Gegensatz zum manchmal etwas ungeschickten, aber aufrichtigen Köhler sind die meisten der jetzt tonangebenden Politiker und ihre publizistischen Wasserträger verludert und unehrliche Sätzeaufsager. In zehn Jahren, wenn diese Auf- und Versagerriege verschwunden ist (hoffentlich ohne vorher noch alles zugrunde zu richten), werden wir wahrscheinlich mehr wissen. Das wird wohl noch ein Krimi werden! Ich freu’ mich drauf, falls ich es noch erlebe.

Max


NMZ-Leser Gauweiler

Ende Mai/Anfang Juni führten wir hier einen etwas abseitigen, eines Musikmagazins gänzlich unwürdigen Gedankenausausch über die Gründe, weshalb Köhler (nein nicht Armin) so plötzlich von seinem Amt zurückgetreten sein könnte. Eine Vermutung von mir war: “Nötigung zur Unterschrift unter den irrwitzigen, blitzschnell vollzogenen Ausverkauf des deutschen Volksvermögens”.
Heute in Spiegel Online lese ich unter dem Titel “Peter Gauweiler stellt die 148-Milliarden-Euro-Frage”, dass dieses alte Schitzohr genau denselben Verdacht äußert. Da hat er wohl aus der NMZ abgeschrieben.
Hier der Spiegel-Artikel:
http://www.spiegel.de/politik/deuts…
Theo, wir sind wieder mal Avantgarde!
 Max


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