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Empörung und Solidarität bei der Publikumsdiskussion im Freiburger Konzerthaus. Foto: Julia Blank
Empörung und Solidarität bei der Publikumsdiskussion im Freiburger Konzerthaus. Foto: Julia Blank
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Ungebrochener Wille zum Protest: das SWR SO Baden-Baden/Freiburg mit Bartók, Sibelius und einer Fusionsdiskussion

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Die Brisanz der umstrittenen Fusionspläne des SWR durchdrang das gestrige Abo-Plus-Konzert des Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Ob durch die klangliche Botschaft des Pianisten Boris Berezovsky oder zuletzt in der offenen Diskussionsrunde zwischen Publikum und den Orchestermusikern im Foyer des Freiburger Konzerthauses – der Chor der Meinungen war einstimmig: Unverständnis über die getroffene Entscheidung und ungebrochener Wille zum Protest.

Auf dem Konzertprogramm, das bewusst relativ kurz gestaltet war, standen Béla Bartóks Klavierkonzert Nr. 2 und Jean Sibelius' 5. Symphonie. Wie Feuer und Eis stünden sich die beiden Werke gegenüber, so die treffenden Worte François-Xavier Roths, die Lydia Jeschke in ihrer Einführung zitierte. Einerseits das hitzige Werk Bartóks – eines der schwersten Stücke der Klavierliteratur – andererseits die kühle Weite bei Sibelius, ein „Strömen ohne Druck“, wie Wolfgang Rihm dessen Sinfonien im Ganzen einmal charakterisierte.

Beeindruckend mühelos bezwang der russische Klaviervirtuose Boris Berezovsky die satanischen Rhythmen Bartóks, vor allem im letzten Satz – allein die nasse Stirn verriet etwas von der offensichtlich abnormen Anstrengung. Besonders eindrucksvoll gelang der zweite Satz, dessen sphärische Pianissimo-Streicherklänge zu Beginn von eindrucksvoll hypnotischer Strahlkraft waren. Umso mehr verlor man sich darin, da die Streicher im ersten Satz schweigen, während vor allem der sonore Klang der Bläser und das heftige Dröhnen der Pauken die raschen Passagen des Klaviers flankieren. Der stets beeindruckend durchsichtige Klang des Orchesters kam auch bei Sibelius 5. Symphonie zur vollen Entfaltung. Gerade der letzte Satz mit seiner Steigerungsanlage – stets glaubt man, bereits den Gipfel erklommen zu haben – gelang in seiner majestätischen Erhabenheit vortrefflich. Das Aufstampfen Roths verlieh dem letzten Schlussakkorden Nachdruck.

Ebenso mit Nachdruck richtete der Franzose seine Worte im Anschluss an die versammelten Konzertbesucher im Foyer. Die Situation sei schwer für das Orchester, verriet er. „Wir hatten von vornherein keine Chance. Das war alles geplant“. Bereits der Pianist Berezovsky überraschte im Konzerts mit seiner kleinen Zugabe, da er nur die linke Hand von Mozarts „Rondo alla Turca“ spielte – als Anspielung darauf, dass auch die beiden Klangkörper nach der Fusion nicht mehr komplett sein werden.

Empörung und Solidarität gab es auch von Seiten der Konzertgäste. Zahlreiche meldeten sich zu Wort, machten ihrem Ärger Luft. Besonders ausführlich sprach der Freiburger Verwaltungsrechtler Friedrich Schoch, der sich in der Vergangenheit schon in einem Beitrag für epd Medien und in einem Interview in der Badischen Zeitung zur Fusion geäußert hatte. Sein kurzes Impulsreferat, in dem er ein mögliches Finanzierungsmodell in Anlehnung an das der Berliner und Bamberger Symphoniker vorstellte, erntete kräftigen Applaus. „Es gibt Alternativen, aber wo kein Wille ist, ist auch kein Weg“, resümierte Schoch und wandte sich damit auch an die kommunale Ebene, deren „Leidenschaftslosigkeit“ er in dieser Sache anprangerte.

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