Ein ungewöhnlicher Ort und Jazz auf höchstem Niveau

Der erste BMW Welt Jazz Award 2009 wurde an Michael Wollny und sein Trio [em] vergeben


(nmz) -
Kultur hat es schwer. Sie wird gerne das Opfer der Controller, da sie kein unmittelbar messbares Resultat präsentiert, auch wenn im Ganzen betrachtet in Deutschland mehr Menschen in der Kulturbranche tätig sind als beispielsweise in der Automobilindustrie. Sie ist eine rechnerisch scheinbar vernachlässigbare Größe, dafür aber schafft sie Werte, Perspektiven, Identitäten, und da lassen sich dann doch gemeinsame Interessen mit hart kalkulierenden Unternehmen finden. Beim Gespräch im Anschluss an das Zeremoniell von Wettkampf-Finale, Festreden und Preisverleihung meint Thomas Girst, Presseprecher für kulturelle Fragen der BMW Group, ob man denn nicht betonen könne, dass seine Firma schon seit drei Jahrzehnten einen Trend gesetzt habe. Weil damals anno 1979 habe man sich entschlossen, mit „Spielmotor e.V.“ eine der ersten Private-Public-Partnerships zwischen Industrie, der Stadt München und der ansässigen Kulturszene einzugehen, lange bevor das aktuelle Zauberwort des Sponsorings überhaupt erfunden worden sei.
Ein Artikel von Ralf Dombrowski.

Ausgabe: 
5/09 - 58. Jahrgang

Das wiederum macht klar, worum es bei dem in diesem Jahr erstmals aus der Taufe gehobenen „BMW Welt Jazz Award“ im Kern geht. Da ist zum einen natürlich die Kunst als Eigenwert an sich, die zu präsentieren zur Geschichte des Mäzenatentums gehört. Mindestens ebenso wichtig aber sind die Wechselwirkungen des Imagetransfers.

Dem Jazz schadet es nicht, im Zusammenhang mit einem international erfolgreich agierenden Autobauer genannt zu werden, und umgekehrt hat ein Unternehmen in Zeiten wachsender Konkurrenz ein Interesse daran, sich über das unmittelbare Warenangebot hinaus ein Profil zu geben. Die ganze architektonische Extravaganz der BMW Welt steht für dieses Bestreben, und auch der Jazz Award ist ein Teil marktübergreifend denkenden Marketings. BMW-Vorstandsmitglied Frank-Peter Arndt meinte daher auf der Bühne des Auditoriums, Jazz sei für ihn keine Nische und stellte daraufhin Verbindungen vom innovativen Musiker zum kreativen Autofahrer her, den er sich am Steuer wünsche.

Unabhängig von solchen Visionen aber war das Auditorium zum Finale voll und knüpfte damit an eine Entwicklung an, die schon bei den sechs Matineen zuvor zu beobachten war. Sie hatten als Vorentscheidungen seit Januar im Doppelkegel der BMW Welt stattgefunden und mobilisierten derart viel Publikum, dass bei einigen Konzerten der Saal kaum reichte, um dem Ansturm der Jazzbegeisterten Herr zu werden.

Ein ungewöhnlicher Ort lockte neues Publikum an. Auch das hatte etwas mit Innovation zu tun und strahlte auf BMW, die übrigen Partner im Sponsorenboot wie Bayern4Klassik oder Schloss Elmau und die Stadt München zurück, die als weiteres wichtiges Standbein der Private-Public-Partnerships nun ihren ersten Jazz Award unabhängig vom kommunalen Engagement hat. Mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen meinte der Kulturreferent Hans-Georg Küppers daher ebenfalls auf dem Podium: „Köln war gestern, Berlin war eine Zeit lang, München ist heute die Hauptstadt des Jazz.“ Darüber ließ sich streiten, über die künstlerische Qualität der Finalisten nicht. Denn sowohl das Trio Minsarah um den Pianisten Florian Weber wie auch [em] mit Michael Wollny am Klavier präsentierten Musik auf dem obersten Niveau der Gestaltungskraft.

Letztlich entschied sich unabhängig voneinander sowohl das Publikum als auch die Jury für den Wahlberliner Wollny und seine Mitstreiter Eva Kruse und Eric Schaefer. Es war ein anspruchsvoller Abschluss und zugleich bisheriger Höhepunkt einer wunderbaren Partnerschaft, die im kommenden Jahr mit dem Schwerpunkt „Stimmen“ fortgesetzt wird.

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