JugendJazzOrchester NRW im Senegal
Auf Einladung des Goethe-Instituts beim Jazzfestival Saint-Louis und in Dakar
Ein Artikel von Thomas Haberkamp.
Beim Verlassen des Flughafengebäudes in Dakar taucht das Orchester in eine andere Welt. Es gilt, Klima und fremde Eindrücke zu verarbeiten, der Begriff Kulturschock ist durchaus angebracht. In keiner anderen Metropole Westafrikas prallen die Gegensätze afrikanischer Tradition und europäischer Moderne so extrem aufeinander wie in Dakar. Am folgenden Tag reist die Band mit Kleinbus, Goethe-Transporter und einem Privat-Pkw in das 265 km entfernte St. Louis.
Uwe Rieken, Goethe-Institut-Leiter, und Norbert Hausen von der Kulturprogrammabteilung begleiten den Tross. Die ehemalige Hauptstadt von Französisch-Westafrika strahlt im Gegensatz zu Dakar eine geradezu beschauliche Ruhe aus. Die Häuser, teils noch aus dem 19. Jahrhundert, verbreiten kolonialen Charme. In St. Louis findet parallel zum Jazzfestival alljährlich eine große traditionelle Wallfahrt der Muslimbrüderschaften statt. Hunderte von Pilgern bevölkern die Stadt und schaffen mit ihren lauten Gesängen und der Verbindung von Elementen des Islam und der Voodoo-Kultur eine einzigartige Atmosphäre, die sich auch auf den Jazz überträgt.
Bekannte Jazzgrößen wie Pharoah Sanders, das Wolfgang Puschnig Quartett sowie das Sylvain Beuf Quartet gehören zu den Gästen des Festivals. Verständlicherweise fiebert das JJO NRW seinem Auftritt entgegen. Nach ausgiebigem Soundcheck liefert die Band ein begeisterndes Konzert vor ausverkauftem Haus. Die eigens arrangierten afrikanischen Titel, vor allem aber gute Soli begeistern das Publikum. Am Ende Standing Ovations. Das Fernsehen zeichnet das Konzert auf. Sowohl in Interviews als auch in Gesprächen mit Publikumsteilnehmern wird deutlich, dass man ein solch hohes künstlerisches Niveau von Jugendlichen nicht erwartet hätte. Eine vergleichbare Fördereinrichtung wie die des JJO NRW finde man weder in Frankreich noch im Senegal.
Der Montag in Dakar beginnt mit einer Hiobsbotschaft. Die halbe Band leidet an Durchfall, z.T. auch an Erbrechen. Das Orchester eröffnet den Workshop im Goethe-Institut mit einer quasi öffentlichen Probe und beantwortet anschließend die Fragen der Senegalesen nach musikalischen Inhalten und dem Aufbau einer Big Band.
Anschließend beginnt eine „Jam Session“. Die Band stimmt einen Titel über ein afrikanisches Thema an, nach und nach steigen die afrikanischen Musiker ein und improvisieren gemeinsam. Dies funktioniert so überzeugend, dass das Orchester einen der Musiker, den Sänger Ali Diallo, spontan einlädt, seine Improvisation beim Abschlusskonzert zu wiederholen.
Der Dienstag beginnt mit einem Interview bei „RSI“ (Radio Senegal International). Ein zweites Interview, dieses Mal bei „RTS“ (Radiodiffusion Télévision Sénégalaise), ist für den Nachmittag vorgesehen. Der bekannte Jazzredakteur Michael Soumah möchte ein Live-Interview führen. Die Sendung muss wegen Stromsperre ausfallen. Während des Konzerts im Theater Sorano müssen zwei Saxophonisten aussetzen, der Durchfall ist noch nicht ausgestanden. Gabriel Perez und Stefan Pfeifer-Galilea springen spontan ein. Auch hier begeistert die Band.
Die Tournee wurde vom Goethe-Institut und dem Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
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