Kräftige Blinklichter im Nordosten
Reichhaltiges Programm beim fünften „Brücken“-Festival in Rostock
Ein Artikel von Ekkehard Ochs.
Neu und sehr ausbaufähig schien die erstmalige Teilnahme von 25 Studierenden aus dem vor 14 Jahren von der HMT initiierten Hochschulverbund ABAM (Association of Baltic Academies of Music), was mit entsprechenden kompositorischen (elf Teilnehmer) und künstlerischen „Visitenkarten“ aus Kopenhagen, Helsinki, Warschau, Danzig, Riga, Tallin, Vilnius, Krakau, Hamburg, Lübeck und Rostock eine so vielfarbige wie attraktive Belebung des Programms bedeutete. Ein dritter Bereich bezog sich auf Komponisten aus Mecklenburg-Vorpommern selbst. Dabei bestätigte sich das Bild vergangener Jahre: eine dünne, regional breit gestreute und im Land nur punktuell wirksame Personaldecke, schwierige Rahmenbedingungen und geringe Resonanz in der Öffentlichkeit; Rostocks HMT fungiert da zumindest hinsichtlich der mit einer Hochschule gegebenen Ressourcen zweier Professoren für Komposition und Musiktheorie und der „von Amts wegen“ entfalteten Aktivitäten als einsamer Leuchtturm, dem allenfalls aus Greifswald (Jochen A. Modeß) und Stralsund (Mathias Husmann), also aus Vorpommern, immer mal ein kräftigeres Blinklicht entgegenleuchtet. Gleichwohl wird insgesamt so fleißig wie stilistisch konträr komponiert, was in allein drei Konzerten verdeutlicht werden konnte. Da gab es das nur leicht modern gewürzte Traditionsbewusstsein (Malte Hübner, Michael Baumgartl, Thomas Ehricht), die Orientierung auf rein intervallisches Komponieren (Peter Tenhaef), Grenzbereiche zu Pop, Jazz und Performance (Lutz Gerlach), in der Mehrzahl aber den auch da wieder sehr unterschiedlich ausfallenden Umgang mit neuesten Techniken – und das intellektuell, strukturell und klanglich teils ziemlich rigoros (Sven Daigger, Birger Petersen, Benjamin Lang, Maik Rechter, Peter Manfred Wolf).
Hinsichtlich kompromisslosen Komponierens hatte Adriana Hölszky ohnehin eindrucksvolle Vorbilder geliefert. Entsprechend groß war die Freude über ihre Bereitschaft, aus dem eigenen Nähkästchen zu plaudern, seriös versteht sich, und immer dort von liebenswerter Verweigerung, wo es ums Eingemachte gehen sollte … Und ein Letztes: Wenn die Veranstalter Peter Manfred Wolf (Musiktheorie/Tonsatz und Komposition) und Birger Petersen (Musiktheorie) ein durchweg positives Fazit des Festivals ziehen konnten, dann vor allem auch im Hinblick auf die nicht selbstverständlichen vorzüglichen Qualitäten der Aufführungen. Das betraf die oben genannten Ensembles, das erstaunlich kompetente zeitweilige ABAM-Ensemble unter Professor Edith Salmen, den Glücksfall des „ensemble recherche“ aus Freiburg (mit Kursbeteiligung), Monika Hölszky-Wiedemann (Violine), sowie Christiane und Birger Petersen (Orgel) – nicht zu vergessen jene Referenten, die sich mit speziellen Fragen der Musik Adriana Hölszkys befassten (Peter Manfred Wolf, Birger Petersen, Hartmut Möller, Jan Philipp Sprick und Johannes Kreidler). Da kann die Devise nur lauten: Durchhalten!
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