Plädoyer für den Professor Klauspeter Seibel
Leserbrief zu „Den Pultlöwen gab er in der Garderobe ab“, nmz 2/11, Seite 36
Ein Artikel von Heike Trimpert.
Ich selber studierte während dieser Zeit in Hamburg Violine, und es ist mir unverständlich, dass Seibels Tätigkeit als Professor in besagtem Nachruf nicht einmal erwähnt wird. Immerhin studierten zu meiner Zeit unter anderem die Herren Michael Boder und Toshyuki Kamioka in seiner Klasse, um nur die inzwischen bekanntesten der damaligen Studenten zu nennen.
Allerdings prägte Seibel in dieser Zeit sicher nicht nur die Studenten seiner eigenen Klasse, er leitete auch das Hochschulorchester der HfMT. Ich persönlich habe seine Proben als Studentin sehr genossen, habe viel über das Orchesterspiel und die Musik, die wir spielten, gelernt. Insbesondere dann, wenn seine Studenten am Pult standen und Seibel seinen Unterricht vor dem ganzen Orchester abhielt. Er verfügte über ein äußerst präzises Gehör, es entging ihm selten etwas. Stets ging es um die authentische Wiedergabe der Musik, die Präzision im Zusammenspiel – also um die „Basics“, die zumindest damals selten genug an den Hochschulen gelehrt wurden. Überflüssige Showeffekte blieben dabei außen vor. Das Orchester wurde von ihm als Partner in der Arbeit respektiert.
Selbst wenn das Niveau sicher nicht immer optimal zu nennen war, hat er uns spüren lassen, dass ihm diese Tätigkeit, die Ausbildung junger Musiker, genauso wichtig war wie seine Arbeit mit professionellen Orchestern.
In meinem späteren Berufsleben habe ich stets erlebt, wie in den Profiorchestern geklagt wurde über mangelnde Orchestererfahrung der Studenten und über unzulängliche Ausbildung im Orchesterspiel an den Hochschulen. Auf Probespielen traf ich auf Mitbewerber, die in ihrer Studienzeit nur selten oder gar nicht im Orchester gespielt hatten. Ich selber habe mich jedoch niemals unzureichend auf den Beruf des Orchestermusikers vorbereitet gefühlt, dank dieser Orchesterarbeit mit Professor Klauspeter Seibel.
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