Plastizität, Energie, technische Perfektion
Verlässt das Arditti Quartet: Cello-Autorität Rohan de Saram
Ein Artikel von Gerhard Rohde.
Noch im leisesten Piano vernahm man im instrumentalen Vierergespräch seinen intensiven Ton. Sein Musiziergestus zeichnet eine fast unglaubliche Plastizität aus, technische Perfektion ist selbstverständlich. Wichtig ist auch die Energie, die von jedem gespielten Ton in das Klangbild eines Werkes abstrahlt. György Kurtág, der sehr genau zwischen Energie und Kraftentfaltung unterscheidet, führte einmal ei-ne fast filmreife Nummer mit Rohan de Saram auf: Bei den Proben zu einem Zweieinhalb-Minuten-Stück für Streichquartett, geschrieben von Kurtág für den Verleger Alfred Schlee zu dessen neunzigstem Geburtstag, beschäftigten sich Komponist und Cellist fast ein halbe Stunde lang mit einem einzigen Pizzicato-Ton, bis dieser hinreichend „Energie“ besaß. Dieses Eingehen auf den Sinn eines Werkes, eines jeden einzelnen Tons, war stets das Kennzeichen für die Qualität des Arditti Quartets, damit auch für Rohan de Saram gewesen.
Er wird sich jetzt aber nicht zur Ruhe setzen. Rohan de Saram will mit anderen Künstlern, Freunden und Komponisten Musik aus allen Epochen und vielen Teilen der Welt zusammenbringen: zeitgenössische, kom-ponierte, improvisierte Musik. Schon immer hat er sich neben dem Quartettspiel für Grenzerweiterungen engagiert. Das Neuland ist also kein gar so neues mehr – aber spannend dürfte es werden.
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