Stur-Köpfe – Gerhard Rohde über Neue Musik im Rundfunk
Ein Artikel von Gerhard Rohde.
Wer Udo Zimmermann heraushebt, darf andere Persönlichkeiten in den deutschen Rundfunkanstalten, die sich unentwegt für die Musik der Gegenwart, für ihre Komponisten und deren Interpreten einsetzen, nicht unterschlagen. Da ist der unermüdliche Harry Vogt beim Westdeutschen Rundfunk, der gerade „seine“ Wittener Tage der neuen Kammermusik einmal mehr zum Erfolg geführt hat und demnächst mit einem großen und sehr, sehr komplizierten Orchesterwerk von Thomas Kessler in Köln mit der nächsten Aufregung aufwartet. Da ist der ebenso engagierte Armin Köhler beim Südwestrundfunk, dem nicht nur für Donaueschingen ständig etwas Interessantes einfällt. Da ist Hans-Peter Jahn beim SWR in Stuttgart, der mit seinem Éclat-Festival vor allem dem neuen Musiktheater wichtige Impulse hinzuführt.
Die Aufzählung ist noch nicht beendet. In Frankfurt beim Hessischen Rundfunk sorgt Stefan Fricke für frischen Wind – im November dieses Jahres wird es in Frankfurt in Zusammenarbeit mit Hochschule und Ensemble Modern endlich ein spannendes neues Festival für Neue Musik geben. Beim Deutschlandfunk in Köln setzt sich Frank Kämpfer kompetent für die Belange der Neuen Musik ein. Im Saarländischen Rundfunk gestaltet Wolfgang Korb immer wieder interessante Programme, in Hamburg wacht Richard Armbruster sorgsam über das „Neue Werk“. Und, last not least, begegnet man bei jedem Avantgarde-Treffen Rainer Pöllmann, neugierig und kundig der „Konkurrenz“ zuhörend, damit ihm für sein Berliner „Ultraschall“-Festival ja keine sich anbahnende Tendenz entgeht.
Sie alle sind dabei keine „Konkurrenten“, sondern eher eine verschworene Gemeinschaft von produktiven Stur-Köpfen, die sich oft bis zu Verzweiflung und stiller Resignation wehren müssen – gegen Anstaltszwänge, Quotenhysterie, schwindende Etats und die Kollegen im eigenen Haus, die für Sport und Entertainment immer noch mehr Geld verlangen.
Der Titel von Udo Zimmermanns neuem Werk, das demnächst bei der Musica viva uraufgeführt wird, heißt: „Wie kannst du ohne Hoffnung sein?“ Profanisiert möchte man es als Motto allen bisher Genannten aufmunternd zurufen. Dass sie es mit der Avantgarde-Musik in ihren Sendern meistens schwer haben, spricht nicht gegen die Musik. Schon Beethoven beklagte einmal mit Blick auf eine seiner ungewöhnlichen Kompositionen, dass es den Leuten leider an Geist fehle, um dieses Werk zu begreifen. Es ändert sich eben nichts auf dieser Welt.
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