Täglich 1,7 neue Werke


(nmz) -

Während der vergangenen beiden Jahre brachten in Deutschland 168 Ensembles mit circa 1.500 Musikern insgesamt 1.224 neue Stücke zur Uraufführung. Das sind täglich 1,7. Die Zahlen gehen auf eine Umfrage des Instituts für kulturelle Innovationsforschung Hamburg zurück und wurden jetzt im „Magazin des Deutschen Musikrates“ veröffentlicht.

Ein Artikel von Rainer Nonnenmann.

Ausgabe: 
7/06 - 55. Jahrgang

Tatsächlich dürften es mehr Uraufführungen sein. Allein in dieser Kolumne werden zehnmal im Jahr durchschnittlich zwischen dreißig und sechzig neue Werke angekündigt, und das ist nur eine Auswahl aus oft deutlich zahlreicheren Terminen, die dem Kolumnisten bekannt werden.

Eine weit höhere „Dunkelziffer“ ist daher anzunehmen. Die meisten Uraufführungen ereignen sich im Rahmen der vielen kleinen und großen Festivals, Musiktage und Festspiele landauf und -ab. Die Mehrzahl davon erklingt in Deutschland, diesmal 52, sowie in Österreich und der Schweiz, diesmal zusammen 29.

Allein die diesjährigen „Weltmusiktage“ der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik in Stuttgart vom 14. bis 29. Juli bieten dreißig Uraufführungen von Komponisten aus fast ebenso vielen Nationen. Am 5. Juli 2006 bringen im Kunstverein Heidelberg die Schola Heidelberg und das ensemble aisthesis erstmals neue Werke, die Caspar Johannes Walter und Jan Kopp für sie komponierten. Die Gustav Mahler Musikwoche im österreichischen Toblach präsentiert am 16. Juli erstmals Hubert Stuppners Doppelstreichquartett „Mahlers Erde“. Im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr spielt Thomas Lachner am 19. Juli in Schacht XII der Zeche Zollverein in Essen ein eigenes neues Klavierkonzert. Und die Salzburger Festspiele bieten am 23. Juli und 15. August neue Konzerte für Violoncello und Orchester von Wolfgang Rihm und Johannes Maria Staud. Darüber hinaus stehen Uraufführungen auf dem Programm von Georges Aperghis, Chaya Czernowin, Hans Werner Henze, Adriana Hölszky, Olga Neuwirth, Manfred Trojahn, Fabio Vacchi und Herbert Willi.

Die Sommerlichen Musiktage Hitzacker bieten vom 29. Juli bis 6. August fünf neue Werke, darunter neue „Wassermusiken“ von Jörn Arnecke und Mike Svoboda. Während der Darmstädter Ferienkurse vom 5. bis zum 20. August erklingt neben ungezählten Stücken von Kursteilnehmern erstmals ein Auftragswerk, das an die Nummer 1 auf der Teilnehmerliste der Ferienkurse des Jahres 1949 vergeben wurde, an Hans Ulrich Engelmann, der seine Rückkehr an den Ausgangspunkt seiner gegenwärtigen Arbeit als „passatopresenza“ beschreibt. Das Lucerne Festival bringt zwischen dem 10. August und 17. September sechzehn Uraufführungen, unter anderem von Klaus Huber, Hanspeter Kyburz, Michel Roth, HK Gruber und jeweils gleich zwei von Heinz Holliger und Matthias Pintscher.
Und bei der AlpenKLASSIK in Bad Reichenhall sind im Rahmen der Liederwerkstatt 2006 am 23. und 24. August passend zum Heine-Jahr neue Vertonungen seiner Texte von Wilhelm Killmayer und Aribert Reimann zu erleben.

Weitere Uraufführungen:

07.07.: Rebecca Saunders, neues Ensemblewerk, musikFabrik im WDR Köln
07.07.: Klaus Lang, sais für Flöte, Klavier, Schlagzeug, 7hours Haus 19 Berlin
20.07.: Iván Eröd, Cellokonzert, Styriarte Graz
23.07. und 20.08.: Diana Cemeryte, Viera Janárceková, Reinhard Karger, Matthias Kaul, Gordon Kampe, neue Kammermusikwerke, Alte Brüderkirche Kassel
31.07.: Wu Cheng, Monkey Journey to the West, Deutsche Staatsoper Berlin
01. und 06.08.: Friedrich Cerha, Musik für Posaune und Streichquartett, Christian Ofenbauer, EisMusik für 17 Instrumente, Bregenzer Festspiele
20.08.: Johannes Fritsch, Oxana Omeltschuk, neue Ensemblewerke, Kunststation Sankt Peter Köln

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