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Alle Artikel kategorisiert unter »Peter P. Pachl«
Zwei Morde zum Kugelsegen: Calixto Bieitos Inszenierung des „Freischütz“ an der Komischen Oper Berlin
30.01.12 (Peter P. Pachl) -
Zu den Schrecknissen der im Jahre 1821 im Königlichen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführten Romantischen Oper Carl Maria von Webers zählte in der Wolfsschlucht ein im Gebüsch raschelnder Eber. Die Begegnung mit einem Wildschwein hat zwar bis heute nichts an Gefährlichkeit eingebüßt, aber wenn dieses bereits zur Ouvertüre im Gegenlicht des vernebelten, Eichenwald-Jungholzes domestiziert äst und rhythmisch mit dem Bürzel wedelt, gehören ihm alle Sympathien. Was dann allerdings in Calixto Bieitos Inszenierung beim Kugelsegen passiert, ist – entgegen dem provozierend ironischen Lachen eines Besuchers bei Pausenbeginn – durchaus verstörend.
Ohne Szene, aber mit Schauspieler: Carl Heinrich Grauns „Montezuma“, starbesetzt an der Staatsoper Berlin
27.01.12 (Peter P. Pachl) -
Preußen und Deutschland feiern den 300. Geburtstag Friedrich des Großen. In Berlin erklingen auch diverse eigene Kompositionen des großen Fritz, Orchesterwerke nicht nur mit Flöte, sondern im Konzerthaus auch eine Symphonie, in welcher der Monarch mit seinem Hofkomponisten Carl Heinrich Graun um Originalität wetteiferte. Der vermutlich 1703 geborene Graun komponierte für Friedrich II., König von Preußen, jenen Stoff, rund um das Ende der Aztekenherrschaft, der von Antonio Vivaldi (1733) bis Wolfgang Rihm (1992) immer wieder auf der Opernbühne erfolgreich war: „Montezuma“.
Raubtierkäfig auf Marmorpodest: Premiere von Gioacchino Rossinis „Tancredi“ an der Deutschen Oper Berlin
23.01.12 (Peter P. Pachl) -
Berlin ist eine der wenigen Metropolen, die kein Theatermuseum besitzt, obgleich doch in Berlin, wie in kaum einer anderen deutschen Stadt, Theatergeschichte geschrieben und auch die Bühnentechnik revolutioniert wurde. Die rührige Initiative TheaterMuseum Berlin e. V. bemüht sich seit einigen Jahren intensiv darum, Räume und Möglichkeiten für eine Finanzierung und zum Aufbau eines Theatermuseums zu finden. Ein derartiges Theatermuseum, wie es die jüngste Produktion der Deutschen Oper Berlin vorführt und damit gleichzeitig die Stagionewelle von der Staatsoper – derzeit in der Bismarckstraße schräg gegenüber – auf die eigene Bühne schwappen lässt, sollte damit aber nicht gemeint sein.
Animalische Fährten: Schrekers „Der ferne Klang“ überzeugt in Bonn als Totaltheater
22.01.12 (Peter P. Pachl) -
Dirigent Will Humburg kehrt mit dem bestens disponierten Beethoven Orchester Bonn alles Unkonventionelle an der 1912 in Frankfurt uraufgeführten Oper hervor, arbeitet die schreienden Einzelmomente in Schrekers Mischklang solistisch heraus, stellt permanent die Modernität dieser Partitur unter Beweis und rückt sie doch stets in einen traditionell spätromantischen Zusammenhang und zeigt so die künstlerische Herkunft und musikdramatische Verwandtschaft des von Paul Bekker als „einzigen Nachfolger Richard Wagners“ deklarierten Komponisten auf – auch mit der äußeren Gewichtigkeit zweier großer Pausen.
Karneval und Katholizismus: Händels Oratorium „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ szenisch an der Berliner Staatsoper im Schillertheater
16.01.12 (Peter P. Pachl) -
Nun hat die Stagionewelle Berlins Staatsoper unter den Linden im Schillertheater vollends erfasst. In weniger als einem halben Monat wird eine Inszenierung abgespult, die vor neun Jahren, im Januar 2003, am Opernhaus Zürich Premiere hatte und danach auch in Madrid auf dem Spielplan stand. Neuestes Ergebnis einer recht beliebigen Premieren-Abfolge der beiden Berliner Opernhäuser an der Bismarckstraße, wo in dieser Saison berühmte Opern gerne konzertant, Oratorien hingegen szenisch produziert werden und eine Spielplan-Rarität gleich doppelt auf dem Programm steht, ist im Schillertheater Georg Friedrich Händels erstes Oratorium in einer inzwischen legendär triumphalen Inszenierung des Hausherr Jürgen Flimm aus dem Jahre 2003, getreu dem Kölner Erfolgsrezept Karneval – Katholizismus – Klüngel.
Rote Karte für den falschen Freier – und fürs Programmheft: César Cuis „Der gestiefelte Kater“ in der Werkstatt der Berliner Staatsoper
08.01.12 (Peter P. Pachl) -
Nachdem die Werke des 1918 in Petrograd verstorbenen Komponisten César Cui viele Jahre kaum auf den Opernbühnen und im Konzertsaal zu erleben waren, erfreut sich die 1913 in Petersburg uraufgeführte Oper „Der gestiefelte Kater“ in Berlin, Dresden und Straßburg neuer Beliebtheit.
In der nahen Fremde – Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ an der Staatsoper in Schillertheater
03.01.12 (Peter P. Pachl) -
Als ein drastisch reduzierter Gegenentwurf zu Calixto Bieitos überaus erfolgreicher, sexistischer Inszenierung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“, im Jahre 2004 an der Komischen Oper Berlin, folgte fünf Jahre später an der Staatsoper Unter den Linden die Inszenierung des Schauspielregisseurs Michael Thalheimer mit stark veränderten Dialogen. Die Aufregung über die polyglotte Neufassung der Dialoge hat sich bei der Wiederaufnahme, zweieinhalb Jahre später, nunmehr im Schillertheater, gelegt: das Publikum nimmt die intensive, über Strecken hin fast konzertante Aufführung als ein Stimmenfest.
Luft-Akrobatik, ferngesteuerte Riesenschlange und Wagner-Rarität – Berliner Orchester überboten sich mit ungewöhnlichen Silvester- und Neujahrsprogrammen
02.01.12 (Peter P. Pachl) -
Circus und Musiktheater standen sich Ende des 19. und im frühen 20. Jahrhundert sehr viel näher als heute. Damals fühlte sich etwa noch der Zirkus Busch mit einem „großen hippologischen Ballett“ zur Popularisierung von Wagners Walkürenritt berufen.
Unmoralisches lieto fine: Bizets „Perlenfischer“ an der Deutschen Oper Berlin, konzertant in Starbesetzung
20.12.11 (Peter P. Pachl) -
Wäre diese Premiere noch unter der Intendanz von Kirsten Harms erfolgt, so hätte auch bei einer als konzertante Oper angekündigten Produktion eine halbszenische Realisierung stattgefunden, wie etwa bei Waltershausens „Oberst Chabert“, bei dem sogar noch die jüngst erschienene CD (cpo 777 619-2) von jener im Vorjahr aufgebotenen szenischen Intensität kündet. Gleichwohl wurde – wie unlängst die Vorbild-Oper„Norma“ in der Staatsoper – auch Bizets 1863 in Paris uraufgeführte Oper „Les Pêcheurs de perles“ an der Deutschen Oper Berlin vom Opernpublikum heftig gefeiert.
Wenig komisch: Uraufführung von Christoph Israels Offenbach-Nachvollzug „Orpheus in der Unterwelt“ an der Berliner Staatsoper
17.12.11 (Peter P. Pachl) -
Offenbachs Operetten werden gerne, und auch in Berlin, von Schauspiel-Ensembles realisiert. Nun schließt sich mit ihrer Offenbach-Neuproduktion auch die Staatsoper diesem Trend an und besetzt alle männlichen Rollen und die der Juno mit prominenten Schauspielern. Der von Christoph Israel erstellte musikalische Remix im Song-Stil von Kurt Weill erklingt von einer 12-köpfigen Combo in der Bühnentiefe, während das bemüht kabarettistische Spiel sich alle politischen Anspielungen verkneift.
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