Bühnenverein legt Kompetenzprofil für die Ausbildung von Orchestermusikern vor

29.03.11 -
Die im Deutschen Bühnenverein organisierten Opern- und Konzertorchester beklagen, dass Orchestermusiker in ihrer Ausbildung unzureichend auf die Ausübung ihres Berufes vorbereitet werden. Orchestermusiker brauchen nicht nur künstlerische Kompetenzen sondern auch soziale und persönlichkeitsbezogene Fähigkeiten. Ein Kompetenzprofil für die Ausbildung von Orchestermusikern, das der Orchesterausschuss des Bühnenvereins in der vergangenen Woche verabschiedet hat, soll dazu beitragen, die Ausbildung an den Hochschulen künftig stärker an den Anforderungen eines Orchesters auszurichten.
29.03.2011 - Von PM - Deutscher Bühnenverein, KIZ

 „Musiker werden nach wie vor als Solisten ausgebildet. Dies schürt unrealistische Karriereerwartungen und geht am Orchesteralltag vorbei", betonte der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, heute in Köln. „Die Berufsanforderungen erfordern zudem eine lebenslange Weiterbildung". Bolwin sieht hier die Hochschulen in der Pflicht, aber auch die Arbeitgeber und den einzelnen Musiker.

Bei den künstlerischen Kompetenzen reicht es beispielsweise nicht mehr, dass ein Musiker sein Instrument gut spielt. Angesichts der zunehmend von den Orchestermusikern geforderten musikpädagogischen und vermittelnden Tätigkeiten sind musikwissenschaftliche Kenntnisse dringend erforderlich. Auch auf das Probespielen bei Bewerbungen müssen junge Musiker besser vorbereitet werden. Zur Verbesserung der internen Kommunikation zwischen den Musikern, aber auch für die musikpädagogische Arbeit bedarf es sozialer Kompetenzen. Konflikte innerhalb eines Orchesters, insbesondere innerhalb einer Instrumentengruppe, können durch Kommunikationstechniken gelöst werden. Besondere Anforderungen sind an die Stimmführer zu stellen, die in ihrer Instrumentengruppe Führungsaufgaben übernehmen müssen, und dafür auch zusätzlich bezahlt werden.

Ebenso wichtig sind persönlichkeitsbezogene Kompetenzen. Der Beruf eines Orchestermusikers droht leicht in Routine zu erstarren. Dagegen muss ein Musiker gewappnet sein. Es bedarf einer verstärkten Offenheit und Sensibilität für Neuentwicklungen in der Musik und der Aufführungstechnik. Ebenso muss sich der Musiker damit auseinandersetzen, über mehr als 30 Jahre die Höchstleistungen zu erbringen, die von ihm erwartet werden, und wie er berufliche Krisen bewältigt. Hier ist auch der Arbeitgeber gefordert, den Musikern die notwendige Hilfe und Unterstützung zu bieten.

Die dringenden Veränderungen, die das Kompetenzprofil hinsichtlich der Ausbildung durch die Musikhochschulen fordert, beziehen sich auch auf das dort tätige Lehrpersonal. Der Bühnenverein erhofft sich durch einen Dialog mit den Hochschulen eine konkrete Verbesserung der Ausbildung. Das Kompetenzprofil ist als Download auf der Seite des Bühnenvereins zu finden.

Musiker auf dem Weg zum Arbeitsamt

Die Initiative des Bühnenvereins ist zwar ehrbar, zielt aber am größten Problem der Orchestermusik Studierenden vollkommen vorbei:

Es gibt einfach immer weniger feste Planstellen für die immensen “Massen”, die die 23 Musikhochschulen jedes Jahr verlassen. Die Zahl der bei der Musiker “im freien Fall” die notgedrungen bei Künstlersozialkasse versicherten ist von 3.000 auf 45.000 angestiegen, gemeldetes Monatseinkommen 1.000 Euro Brutto.
Davon kann niemand leben. So werden mit einem der teuersten Studiengänge überhaupt die Transferleistungs-Abhängigen der Zukunft ausgildet.

Die Lage auf dem Musiker-Arbeitsmarkt wird sich noch weiter verschärfen, da die Schuldenbrems die Kommunen zu rigerosen Einsparungen zwingt. Eine solziale Absicherung in einem Kulturorchester wird so mehr und mehr die absolute Ausnahme für das Gros der Absolventen.

Ich kenne jedefalls in meinem Bekanntenkreis einige sehr gut ausgebildeten Musikern, die quasi von der Hand in den Mund leben und selbst die Bundestagsabgeordnete Agnes Krumwiede spricht ja schon vom “Musiker-Prekariat”.

Mit 38 noch in der Einzimmer Wohnung, keine Aussicht auf ein feste Stelle, 50 Euro für ein Mugge beim Kantor um die Ecke - das ist oft genug die bittere Realität.

Auch an vielen öffentlichen Musikschulen hat sich die totale Ausbeutungsmentalität breit gemacht. Man ist quasi Scheinselbständiger, der für eine Handgeld jedes Risiko selbst trägt.


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