Protest gegen Kulturkürzungen: Axel Köhler, Chef der Oper Halle, hört auf

09.04.14 -
Halle - Aus Protest gegen die Kürzung der Kulturförderung gibt der Intendant der Oper Halle, Axel Köhler, seine Stelle auf. Dies teilte er am Mittwoch in einem Schreiben an Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) mit. Er könne die geplanten Strukturanpassungen mit erheblichen Stellenstreichungen nicht mittragen, so Köhler.
09.04.2014 - Von dpa, KIZ

 
 
Nach 30-jähriger künstlerischer Tätigkeit in Halle und an der Oper stehe er für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung. Die Landesförderung für die Theater ist in diesem Jahr auf rund 30 Millionen Euro gesenkt worden. Halle bekommt damit künftig rund neun Millionen Euro statt bislang knapp zwölf Millionen. 
 
Der offene Brief des Intendanten Axel Köhler:
 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Wiegand,

in Ihrer Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle bitte ich Sie, im Vorfeld der Sitzung des Aufsichtsrates am 24.04.2014, in welcher über die eventuelle Verlängerung der Verträge der Künstlerischen Leiter befunden werden soll, die nachstehenden Zeilen zur Kenntnis zu nehmen:

Vor knapp einem Jahr wurden die Absichten der Landesregierung Sachsen Anhalts öffentlich, einige Theater in unserem Bundesland mit finanziellen Kürzungen zu konfrontieren, die bei tatsächlichem Eintritt tiefgreifende Verluste für das kulturelle Angebot der in den betroffenen Städten lebenden Menschen vorausschaubar wer- den ließen und die für zahlreiche Mitarbeiter dieser Theater das berufliche Ende markieren würden.

Seither wurden viele Protestaktionen durchgeführt, monatelang wurden an die Landesregierung mahnende, fordernde, bittende und vor allem aufklärende Worte gerichtet in Form von Demonstrationen und einer Volks- initiative mit dem Ziel, diese willkürlich verhängten finanziellen Kürzungen zu verhindern und einen vernünfti- gen Konsens zu finden, der auf einer inhaltlich geführten Debatte gründet.

Dies wurde leider nicht erreicht, da seitens des Landes Sachsen Anhalt an einem solchen Dialog wohl keinerlei Interesse besteht.

Inzwischen ist es beschlossene Sache, dass die TOOH in den kommenden Jahren einen Weg der „Struktur- anpassung“ vor sich hat, der mit einem erheblichen Personallabbau einhergehen wird.

Am 13.06.2013 habe ich in einem Interview der MZ gegenüber geäußert, dass ich nicht zum Totengräber des Ensembles der Oper Halle werden würde, und mit dem Wort Ensemble meine ich nicht nur die Kollegen, die unmittelbar auf der Bühne und im Orchestergraben zu erleben sind.
Dieser Satz gilt nach wie vor.

In diesem Sinne protestiere ich persönlich auf die mir einzig mögliche Weise gegen eben diesen Weg, den die Kulturpolitik des Landes Sachsen Anhalt den Theatern Eisleben, Dessau und Halle aufzwingt.

Ich bin nicht bereit, Strukturanpassungsmaßnahmen dieser Art mit zu tragen und stehe deshalb nach 30-jähri- ger künstlerischer Tätigkeit in dieser Stadt und an diesem Haus für eine Verlängerung meines Vertrages als Intendant und Künstlerischer Leiter der Oper Halle nicht zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Axel Köhler

Halle, den 09.04.2014

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