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Wahnsinn – Aribert Reimanns „Lear“ nach 35 Jahren wieder

24.05.16 (Frieder Reininghaus) -
Frieder Reininghaus hat in Paris eine fein ausgesponnene Inszenierung von Reimanns „Lear“ gesehen. Calixto Bieitos inszenatorisches Handwerk sei feinfühliger geworden und mache das genaue Zuschauen doppelt lohnend, meint unser Rezensent.

Wer lernt schon aus der Geschichte? – Verdis „Attila“ im Theater Lübeck

24.05.16 (Arndt Voß) -
Vor nur knapp drei Jahren berichtete Jörn Florian Fuchs in der nmz von einem „zünftigen“ Theaterskandal im Theater an der Wien. Dort hatte ein Teil des Publikums lautstark und empört auf Peter Konwitschnys Interpretation von Verdis „Attila“ reagiert. Jetzt brachte eine Koproduktion mit dem Theater Lübeck die Inszenierung noch einmal auf die Bühne, nun aber mit spektakulären Erfolg.

Nach Berlin verlegt – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Berlin

23.05.16 (Peter P. Pachl) -
Die Uraufführungsproduktion von HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ bei den Bregenzer Festspielen 2014 war als Koproduktion mit Wien und Berlin der und dem angekündigt. Im Theater an der Wien war diese Produktion der dreiaktigen Oper auf ein Libretto von Michael Sturminger nach dem gleichnamigen Stück von Ödön von Horvath inzwischen zu sehen. Doch die Komische Oper Berlin hatte sich – wohl aufgrund der wenig überzeugenden Uraufführungs-Inszenierung entschlossen, eine eigene Neuinszenierung zu präsentieren – leider nur ein partieller Gewinn.

Brandraketen – Massenets Erfolgsoper „Werther“ am Theater Bremen

23.05.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wenn das Publikum langsam den Zuschauerraum füllt, steht er schon da: Werther, Kultfigur des späten 18. Jahrhunderts im autobiographisch gefärbten Skandalroman von Johann Wolfgang von Goethe, Maßstab und Vorbild aller unsterblich Liebenden. Aber wie im Theater Bremen der Tenor Luis Olivares Sandoval das in der Regie von Felix Rothenhäusler macht, zeigt bereits, aus welchem verkorksten Psychoholz er geschnitzt ist:

Und der Himmel ist zerschossen – Der Freischütz von Carl Maria von Weber kommt in Altenburg als purer Alptraum

23.05.16 (Joachim Lange) -
Leicht hat man es an einem Thüringer Theater mit dem „Freischütz“ nicht. In Altenburg etwa wurde das Haus 1871 damit einst ebenso eröffnet, wie nach der Sanierung 1995. Und dann prunkt natürlich die Inszenierung in den Annalen, mit der Peter Konwitschny von hier aus 1983 seine Weltkarriere begann. Diese später für Hamburg wiederbelebte Produktion steht dort übrigens immer noch auf dem Spielplan.

Turbulentes Wirrstück – Arthur Honeggers „Die Abenteuer des Königs Pausole“ in Lübeck

22.05.16 (Arndt Voß) -
Die dritte Kooperation von Theater und Musikhochschule brachte in Lübeck ein Werk auf die Bühne, das 1930 einmal schockierend gewesen sein mochte, Arthur Honeggers Operette „Die Abenteuer des Königs Pausole“. Michael Wallners Inszenierung (in der eingedeutschten Fassung von Hans Zimmermann) machte eine Farce daraus, ein turbulentes Wirrstück.

Das Verborgene entdeckbar machen: Das 45. Moers-Festival lief trotz aller Widerstände bemerkenswert rund

22.05.16 (Stefan Pieper) -
Ein Ereignis wie das Moers-Festival zeigt, wie hungrig kreative Musiker danach sind, sich selbst auszudrücken. Sorgfältig programmierte Festivals machen so etwas entdeckbar. Der künstlerische Leiter Reiner Michalke sieht unter den aktuellen Bedingungen aber keine Basis mehr für nachhaltige Planungen. Überraschend bot Michalke bei der Abschluss-Pressekonferenz seinen Rücktritt an. Begründung: Es gebe aktuell zu wenig „Rückhalt seitens der Moerser Stadtgesellschaft“ für eine sorgfältige künstlerische Arbeit.

Wiesbadener Maifestspiele. Nachdenkliches zu Pfingsten. „Vom Ende der Zeit“ mit dem Merlin-Ensemble Wien, und Helmut Oehrings „Agota?“

19.05.16 (Andreas Hauff) -
Unfreundlich, von der kalten Seite, zeigte sich „Pfingsten, das liebliche Fest,“ in diesem Jahr. Zu den Wiesbadener Maifestspielen brachte das Merlin Ensemble Wien auch gleich ein Programm mit, das in die dunkelste Zeit des Jahres gepasst hätte. Das Gastspiel „Vom Ende der Zeit“ im Foyer des Staatstheaters hinterließ einen markanten Eindruck. Auch Helmut Oehrings Musiktheater „Agota?“ verstand zu fesseln.

Die Arche als Symbol – Das Projekt „NOAH“ der Bayerischen Staatsoper integriert Jugendliche

15.05.16 (Wolf-Dieter Peter) -
„Du erzählst vom Schlauchboot mit Loch auf hoher See… und ich vom Urlaub mit den Eltern an der Spree“ – derartige Lebenszuschnitte prallen gesungen im „NOAH“-Projekt der Bayerischen Staatsoper aufeinander. Zwar nimmt das Münchner Haus an der bundesweiten Initiative „Oper ohne Grenzen“ der Deutschen Opernkonferenz bislang nicht teil, doch ihr gezielt an Jugendliche gerichtetes „Campus“- und „Attacca“-Programm präsentiert nun nach monatelanger Vorbereitung im „Rennert“-Saal ein eigenes Opus.

Aufgehoben in der Freiheit aller Musik – Zum Tod von „Hannes“ Bauer

13.05.16 (Michael Ernst) -
Improvisation ist eine Lebenskunst. Für Johannes Bauer ist sie auch eine tief empfundene Haltung gewesen, die ihn zeitlebens nicht los ließ.

Oper Magdeburg: „Die lustigen Weiber von Windsor“ in der Hippiezeit

11.05.16 (Joachim Lange) -
Am Ende, wenn es unterm Hanfbaum im mitternächtlichem Grün rundgeht und ein Sommernachtstraum auf Droge tobt, wird klar, was in dieser komisch-fantastischen Oper eigentlich an abgründigem Potenzial steckt. Unverwüstlich ist Otto Nicolais Version der Shakespeare-Komödie über den dicken Ritter, der an permanenter Selbstüberschätzung seines Sexappeals leidet, ohnehin. Selbst dann, wenn sie, wie jetzt in Magdeburg, mit zeitgeistiger Fremdmusik und kalauernden Stammtischwitzchen aufgepeppt wird.

Ein reanimierter Gluck: „Orpheus und Eurydike“ in Kiel

09.05.16 (Arndt Voß) -
Der Mythos von Orpheus und Eurydike lebt, ergreift auch heute noch, unter anderem in Christoph Willibald Glucks nun schon 250 Jahre alten Version mit ihrem Happy End. Die Kieler Oper hat ihr in einer intelligenten Inszenierung neues Leben eingehaucht, ließ sie überraschend tragisch ausgehen, ein Ende, das der alte Ritter Gluck vermieden hatte und das doch grandios in unsere Zeit passt.

Zusammen geatmet – Sängerin Indra Rios-Moore und ihre Band gewinnen den BMW-Welt Jazz Award

09.05.16 (Ssirus W. Pakzad) -
Das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten: nämlich, dass diesmal zwei Sängerinnen im Finale des BMW Welt Jazz Awards gegeneinander angetreten waren, der da „Inspired By Legends“ überschrieben war. Unterschiedlicher hätten die beiden Damen nun wirklich nicht sein können: die eine erfrischend derb, laut, unerschrocken, unterhaltsam, etwas freakig und als Sängerin, nun ja … die andere zurückhaltend, fein, leise, beseelt und stimmgewaltig. Die Jury votierte für die introvertiertere Künstlerin. Die in Dänemark lebende New Yorkerin Indra Rios-Moore konnte den internationalen Wettbewerb im ausverkauften Auditorium der BMW Welt verdient für sich entscheiden und erhielt von BMW Vorstand Ian Robertson einen Pokal sowie einen stattlichen Scheck.

Cesar Bresgens Oper „Der Igel als Bräutigam“ in Berlin von Kindern aufgeführt

09.05.16 (Peter P. Pachl) -
Korrekt den musikalischen Bewertungskriterien politischer Gutmenschen vorauseilend, vermeldet das Mittelblatt des 12-seitigen Programmhefts der Oper „Der Igel als Bräutigam“, dass Cesar Bresgen „viele seiner Werke […] für nationalsozialistische Zwecke geschrieben“ hat, obgleich er „mangels Ariernachweis“ nicht in die NSDAP eintreten durfte.

Musikalische Grundfarben und die Rückkehr der Gespenster

08.05.16 (Andreas Hauff) -
Die Wiesbadener Maifestspiele eröffnen mit Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“. Andreas Hauff findet Zimmermanns Oper als „tatsächlich in die Jahre gekommen“, aber er ist keineswegs enttäuscht.

Im Wechsel der Inszenierungsästhetik: Händel im Kerzenschein

08.05.16 (Joachim Lange) -
Bei den Internationalen Händel Festspielen Göttingen lassen Festspielchef Laurence Cummings und Regisseurin Sigrid T’Hooft zu „Imeneo“ die Kerzen flackern. Joachim Lange war vor Ort und berichtet.

Viele Kirchen, 14 Uraufführungen, 1000 Chorsänger: Acht-Brücken-Festival Köln

06.05.16 (Stefan Pieper) -
Wenig Gnade kennt die Klangwelt der russischen Komponistin Galina Ustwolskaja. Karg sind die Tonfolgen. Spröde Harmonien lösen sich in Clustern auf. Rhythmische und dynamische Impulse suggerieren Härte. Ustwolskajas musikalische Spiritualität hat etwas Getriebenes. Am Ende eines langen Eröffnungstages beim Kölner Acht-Brücken-Festival hatte man die Physiognomie dieser Musik tief verinnerlicht. Festivals tun gut daran, Schwerpunkte zu setzen und damit Orientierung auf dem komplexen Terrain der musikalischen Gegenwart zu geben.

Höhepunkt: Francesco Cavallis „Veremonda, l’amazzone di Aragona“ in Schwetzingen

05.05.16 (Joachim Lange) -
Im Jahreskalender der Barockfestivals hat das Rokokotheater in Schwetzigen längst seinen festen Platz. Kein Wunder bei so viel höfischer Pracht. Nur der Zusatz SWR-Festspiele klingt da etwas nüchtern und bürokratisch. Im umfangreichen Programm gibt es immer einen barocken Leckerbissen für die Fangemeinde.

Ballettmärchen „Peter Pan“ – Uraufführung am Münchner Gärtnerplatztheater

04.05.16 (Wolf-Dieter Peter) -
Kinder als Theaterbesucher haben Recht. Sie sind auch knallhart, ja gnadenlos im Urteil. Wenn also im Münchner Cuvilliéstheater der große Anteil von kindlichen Besuchern ruhig, ohne Störungen, interessiert bis gebannt diese neue Erzählung von Peter Pan und seinen Abenteuern verfolgte – dann heißt das: ein Erfolg.

Untergang mit Panoramablick – Oper Leipzig schließt Wagners Ring mit der „Götterdämmerung“

03.05.16 (Joachim Lange) -
Es ist geschafft! Die Oper von Wagners Geburtsstadt Leipzig hat nach über 40 Jahren endlich ihren neuen Nibelungen-Ring. Der Vorgänger von Joachim Herz aus den 70er Jahren hat längst seinen Platz im Olymp der Wagner-Großtaten. Und zwar ganz in der Nähe des Bayreuther Jahrhundertrings von Patrice Chereau …

Musik in Farbe und Oper in Bildern: Hindemiths „Mathis der Maler“ in Dresden

02.05.16 (Michael Ernst) -
Eine musikalische Wiedergutmachung? Dresdens Semperoper hat nun endlich – als lokale Erstaufführung – „Mathis der Maler“ von Paul Hindemith herausgebracht. Ein Werk, das in den Anfangsjahren des Nazi-Regimes entstand, in Hitler-Deutschland nicht aufgeführt werden durfte, 1938 in Zürich herauskam und erst 1946 in Stuttgart gezeigt wurde. Ein sperriges, ein spannendes Stück; ein Werk mit Geschichte.

Bunte Collage – Uraufführung von „Chemo Brother“ an der Deutschen Oper Berlin

02.05.16 (Peter P. Pachl) -
Berlins Mitte des 20. Jahrhundert erbautes Opernhaus mausert sich unter seinem Intendanten Dietmar Schwarz zu einem Tempel zeitgenössischen Musiktheaters. In Tagesabstand folgte der Deutschen Erstaufführung der gemeinsam mit Covent Garden produzierten Oper von Georg Friedrich Haas in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin die Uraufführung von „Chemo Brother“.

Schwebende Farbwerte im grauen Spektrum – Georg Friedrich Haas’ „Morgen und Abend“ an der Deutschen Oper Berlin

01.05.16 (Peter P. Pachl) -
Die im November vergangenen Jahres am Royal Opera House Covent Garden in London uraufgeführte Oper des österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas erlebte jetzt an der Deutschen Oper Berlin eine faszinierende deutsche Erstaufführung.

Die Verflüchtigung der Unmöglichkeit – Das Solistenensemble Kaleidoskop in der Sammlung Hoffmann

30.04.16 (Martin Hufner) -
Wir sind in Berlin Mitte, der Abend ist noch nicht angebrochen. In der Spandauer Vorstadt geht man von der Neuen Synagoge kommend an Galerien entlang. Davor Trauben von Menschen, im Gespräch, beim Getränk. Die Sonne bahnt sich einen Weg durch flockigdräuende Wolkengebilde. Dazwischen dann kleine Restaurationen. Tische vor der Tür. Der Puls der Stadt erhöht sich von Moment zu Moment. Es vibriert aber nichts – man existiert, weil man da ist. Schöner Schein. Schöner Sonnenschein.

Vollversammlung der Musikhochschule München zum Thema Diskriminierung jeglicher Art, Mobbing, Stalking und körperliche Gewalt

28.04.16 (Wolf Loeckle) -
„Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter“ sagt der Herzog am Beginn der Komödie „Was ihr wollt“ von William Shakespeare. Dass Musik zumal in ihren Ausbildungsinstituten zuweilen mit körperlicher Nähe zu tun hat, mit erotischer Anziehung, aus der Liebeshändel und dramatische Konstellationen entstehen mögen, liegt in der Natur dessen, was uns seit dem Urknall mit auf den Weg durch unser aller Leben und alle seine Wandlungen gegeben ist, mit denen wir fertig werden müssen. Die traditionsreiche Hochschule für Musik und Theater München erlebt diesertage grade mal keine Komödie.
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