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Charme allein reicht nicht: Cécile Verny beim BMW Jazz Welt Award

08.02.10 -
Mehrere Hundert Hörwillige waren beim dritten Matinee-Konzert des zweiten, „Voices In Jazz“ überschriebenen BMW Welt Jazz Awards gezwungen, sich den Auftritt via „public viewing“ im Hauptgebäude anzuschauen. Der Doppelkegel war hoffnungslos überfüllt – ein schöner, ein überwältigender Erfolg für die Kulturabteilung des Autobauers. Nach zwei Männern (Theo Bleckmann, Michael Schiefel) griff Cécile Verny als erste von vier Frauen, die bis in den März hinein um einen Pokal und ein stattliches Preisgeld singen, an diesem grauen Februarmorgen ins Wettbewerb-Geschehen ein.

Aufarbeitung einer traumatischen Beziehung: Kreneks „Orpheus und Eurydike“ im Konzerthaus Berlin

08.02.10 -
Schönbergs „Erwartung“, Bergs „Lyrische Suite“, Zemlinskys „Zwerg“ – diese Werke sind autobiographische Dokumente ihrer Schöpfer. Ernst Kreneks Oper „Orpheus und Eurydike“ ist ebenfalls ein Schlüsselwerk, nicht aber für den Komponisten, sondern für den Textautor Oskar Kokoschka, der hier seine leidenschaftliche Affäre mit Alma Mahler verarbeitete. Diese war nach dem Tod Gustav Mahlers, der ihr Enthaltsamkeit auferlegte, zur männerverschlingenden Furie geworden.

Schwarze Noten und ein heller Kopf: das Alfred-Brendel-Projekt in Dresden

08.02.10 -
Während die Sächsische Staatskapelle Anfang Februar im Norden Europas auf einer Gastspielreise unterwegs ist – und dort von ihrem Chef Fabio Luisi, der diese Tour aus Krankheitsgründen absagen und in die Hände von Neeme Järvi geben musste, überraschend ausgerichtet bekommt, dass er nicht länger ihr Chef sein will –, ging im heimischen Dresden ein Projekt der Kapelle über gleich drei verschiedene Bühnen, das höchste Aufmerksamkeit verdient und auch erfahren hat: Nach dem 2008 in Dresden und Zgorzelec veranstalteten „Chung-Messiaen-Projekt“ stand diesmal eine lebende Einzelperson im Rampenlicht.

Die Magie des Weiblichen - Das Jazzfestival „Women in Jazz“ verzaubert die Saalestadt Halle

07.02.10 -
Nur noch zwei Tage, dann ist es soweit: „Women in Jazz“, das einzige zeitgenössische europäische Musikfestival, bei dem hochkarätige internationale Jazzkünstlerinnen im Mittelpunkt stehen, beginnt in der Halle. Die Stadt, die eigentlich mit Georg Friedrich Händel in einem Atemzug genannt wird, verwandelt sich vom 09. bis 14. Februar in eine Jazzmetropole mit einem vielseitigen und vor allem weiblichen Jazzangebot.

Unsagbares: Eggert, Schnebel und Pauset bei der Münchner musica viva

07.02.10 -
Will ein zeitgenössischer Komponist nicht nur für die Schublade komponieren, so empfiehlt es sich meist eher für kleinere Besetzungen schreiben. Sonst kann eine Uraufführung nämlich schnell mal aus Kostengründen scheitern. Größere Dimensionen lassen sich heute fast nur mit einem starken Partner im Rücken erreichen. Doch zum Glück gibt es ja nach wie vor genügend Ensembles, die sich hier nicht zurückhalten. Ambitioniert zeigt sich in dieser Hinsicht unter anderem auch der Bayerische Rundfunk, der im Rahmen seiner „Musica Viva“ regelmäßig Auftragskompositionen vergibt.

Musikalitäts-Chromosome, Musiker-Rückruf, Star-Transfers: taktlos 141 – die Nachrichten

06.02.10 -
Pasadena, Berlin: Sensationelle Erfolge melden Forscher im Bereich von Gen-Manipulation. Wie erst jetzt bekannt wurde, sind bereits seit Jahren die für Musikalität verantwortlichen Chromosome isoliert und transplantierbar gemacht worden. Schon im Ambiente der Zeugung können Eltern entscheiden, auf welchem Instrument ihr Kind höchste Virtuosität erreicht.

Kleines Theater – große Oper: Rudolf Wagner-Régenys „Der Günstling“ in Annaberg

05.02.10 -
Es dürfte eines der kleinsten Theater in Deutschland sein, das Eduard-von-Winterstein-Theater in der erzgebirgischen Stadt Annaberg. Vor 120 Jahren eröffnet, bis heute immer auch durch bürgerschaftliches Engagement getragen, trägt es den Namen des Schauspielers, der damals den „Egmont“ spielte und später zu einer deutschen Theater-Legende wurde.

Baseballschläger gegen Gespenster – Martin Kušejs „Holländer“ in Amsterdam

04.02.10 -
Martin Kušej, der 2011 die Leitung des Residenztheaters in München übernehmen soll, findet gegenwärtig die Arbeit im Schauspiel-Bereich interessanter als das Inszenieren von Opern. Dennoch kehrt er immer wieder zum Musiktheater zurück. Auch seinen jüngsten Ausflug zu de nederlandse opera und sein Zugriff auf den „Holländer“ in Amsterdam darf als Bereicherung gesehen werden. Kušejs erklärter Anspruch war, die Romantische Oper von 1843 in der Version von 1860 „auf ihre Signifikanz hier und heute zu reduzieren“ und „das Drama primär auf die Psychologie der Charaktere zu fokusieren“.

Stars in der Wiederverwertung: die DVD-Edition „Sternstunden der Oper“

03.02.10 -
„Nie war Oper populärer!“ Dieser Schlachtruf tönt uns aus der DVD-Box entgegen, die das Magazin „Stern“ zusammen mit Arthaus herausgebracht hat. Der Stern? Dessen Leidenschaft für die Gattung hat man bisher offenbar erfolgreich geheim gehalten, dafür legt man sich nun um so mächtiger ins Zeug, um auf den maßgeblich von Mitropa-Mitarbeiterin A. Netrebko bei Laune gehaltenen Erfolgszug aufzuspringen.

Entmündigt – im Deutschen Musikrat hat die Politik künftig eine Sperrminorität

03.02.10 -
Was sind wir Bürger doch für brave Schafe. Geduldig schauen wir zu, wie Banker unser Geld, wie Politiker unsere Steuern in hundertfacher Milliardenhöhe versenken, statt beispielsweise Deutschlands Bildungslandschaft gründlich aufzuforsten. Wir schütteln milde den Schädel, wenn Parteien für Klientel-Politik wohlfeile Spenden einheimsen und uns andererseits die Jeremiade von der Weltwirtschaftskrise als gottgegebener Natur-Katastrophe vorjaulen. [aus nmz 2-10]

Verstand Musik als spielerischen Akt - Komponist Jürg Baur 91jährig gestorben

03.02.10 -
Am 31. Januar dieses Jahres starb der Komponist Jürg Baur im Alter von 91 Jahren in seiner Geburtstadt Düsseldorf. Jürg Baur hat für alle Gattungen der Musik komponiert. Allerdings fand er erst spät zum Musiktheater: mit 87 Jahren hat er seine erste Oper komponiert. Lesen Sie im Folgenden ein Würdigung von Jürg Baurs Schaffen, die Reinhard Schulz in der nmz Februar 2004 anlässlich des 85. Geburtstages des Komponisten verfasst hat.

Im Dschungel: Musiktheater beim Ultraschall-Festival 2010 in Berlin

02.02.10 -
„Innenwelten, Unterwelten“ titelte Rainer Pöllmann den von ihm kuratierten zweiten Teil des diesjährigen Ultraschall-Festivals. Auf geradezu beklemmende Weise löste seine Werkauswahl dieses Versprechen ein und entführte die Zuhörer in ein Labyrinth unwirklicher, teils alptraumhafter Klänge und musikalischer Zustände. Dass das Thema die Neugier geweckt hat und das Festival im Berliner Musikleben gut verankert ist, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass alle Aufführungen ausverkauft oder zumindest extrem gut besucht waren.

Loopings in der Kathedrale: Zum Start des 2. BMW Welt Jazz Awards

02.02.10 -
Eine Stunde vor dem Beginn des ersten sonntäglichen Matinee-Konzerts hat sich bereits eine den Einlass herbei sehende Schlange gebildet, die mehrere hundert Neugierige umfasst. Auch in 2010 ist das Interesse am „BMW Welt Jazz Award“ gewaltig: die Massen strömen, um sich im beeindruckenden Ambiente des Doppelkegels mit hochkarätigem Jazz auseinander zu setzen. Im letzten Jahr traten sechs gefeierte Klavier Trios gegeneinander an, um im Finale um einen eigens geschaffenen Pokal und 10.000 Euro Preisgeld zu spielen. Diesmal wartet das Siegertreppchen auf einen Gesangskünstler – „Voices In Jazz“ ist der 2. BMW Welt Jazz Award überschrieben.

Späte Uraufführung: Carl Orffs Jugendwerk „Gisei“ in Darmstadt

01.02.10 -
Carl Orffs uraufgeführtes Jugendwerk, das Musikdrama „Gisei“, von ihm verworfen, jetzt nach fast 100 Jahren doch noch auf die Bühne des Darmstädter Staatstheaters gebracht, zeigt in Ansätzen, was Orffs späteres musikdramatisches Opus kennzeichnet: die Suche nach neuen Klängen, Vitalisierung elementarer Rhythmen, Dramatisierung der Sprache, Auseinandersetzung mit dem Denken und Handeln fremder, hier fernöstlicher Kulturen.

Leere Stadtkassen: Planungen für Bochumer Symphonie stocken

01.02.10 -
Neue Konzerthäuser sind in den vergangenen Jahren unter anderem in Dortmund und Essen entstanden. 2010 wollte auch die Nachbarstadt Bochum nachziehen und mit den Bauarbeiten zu ihrer Symphonie beginnen. Doch nun droht das Vorhaben an der klammen Kassenlage der Stadt zu scheitern. Der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel (CDU) erklärt ausdrücklich, dass die Stadt für den Bau eines Konzerthauses kein Geld hat. Nun hofft die Kommune auf finanzielle Hilfe vom Land.

Ausschüttungen in der Warteschlange: Die GVL hat 24 Millionen Euro zurückgestellt

01.02.10 -
Wegen eines Rechtsproblems kann die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) nicht ihre kompletten Erlöse an Tonträgerfirmen und Künstler ausschütten. Insgesamt 24 Millionen Euro wurden aus einer Gesamterlössumme von 130 Millionen Euro zurückgestellt. Wem diese Erlöse zustehen, darum geht es in diesem Streit. [Vorabveröffentlichung aus nmz 2-2010]

Frauenfantasien: Donizettis „Don Pasquale“ an der Komischen Oper Berlin

01.02.10 -
Otto Julius Bierbaum, der meistvertonte Lyriker im frühen 20. Jahrhundert, warf seine Popularität, auch als Romancier und Librettist, in die Waagschale, um sich für eine italienische Oper einzusetzen und durch seine eigenwillige Fassung dazu beizutragen, dass sie auch im deutschen Sprachraum eines der meistgespielten Stücke des Musiktheaters wurde: Gaetano Donizettis Opera Buffa „Don Pasquale“.

Voller Schlagkraft, aber unerlöst: Schrekers „Der Schmied von Gent“ in Chemnitz

31.01.10 -
In Chemnitz stand erstmals seit 1921 eine Oper Franz Schrekers auf dem Spielplan. Nach der Berliner Staatsoper und den Bühnen in Bielefeld erfuhr Schrekers letztes vollendetes Werk „Der Schmied von Gent“ damit erst die dritte Produktion seit dem erzwungenen Verklingen dieses Komponisten im NS-Staat. Kurz vor Machtantritt Hitlers hatte diese Große Zauberoper in Berlin noch ihre umstrittene Premiere erlebt.

Puzzeln für das Jazz-Archiv – der Nachlass des Posaunisten Albert Mangelsdorffs wird aufbereitet

31.01.10 -
Frankfurt/Main - Insgesamt 40 Regalmeter voll Utensilien hat das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte aus dem Nachlass des weltberühmten Jazzposaunisten und -komponisten Albert Mangelsdorff erworben. In etwa einem Jahr soll das bis dahin angelegte Archiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Jana Moczarski, Restauratorin des Instituts, gesteht: «Die Restauration ist schon sehr aufwendig», als sie ein brüchiges Plakat von einen Auftritt Mangelsdorffs in Zaragoza 1966 von alten Klebestreifen befreit.

Honorarkonsul des Abgründigen: Eugen d’Alberts „Golem“ am Theater Bonn

30.01.10 -
Es „wagnert“ kräftig in der Partitur für den „Golem“, der 1926 in Frankfurt/Main uraufgeführt wurde: Adaptiert wurden von Eugen d’Albert (1864–1932) verschiedene Motive aus dem „Ring“ und den „Meistersingern“. Doch immer wieder entgleitet der tonale Strom des Musikdramas den nicht mehr sonderlich frischen Bahnen des Wagnerismus und entwickelt, bereichert durch rhythmische Deklamation oder eine nur vom Schlagzeug unterlegte Soprankantilene, gestützt auf tritonusgeschärfte Harmonik oder flirrende Sechzehntelfiguren eigenständige Züge.

Befreiungskampf und Liebe: Antônio Carlos Gomes' „Salvator Rosa“ in Braunschweig

28.01.10 -
Liebe und Revolution, das sind die wichtigsten Ingredienzien des Librettos von Antonio Ghislanzoni für die Künstler-Oper „Salvator Rosa“ des brasilianischen Komponisten Antônio Carlos Gomes aus dem Jahr 1874. Der Exotismus lag damals in der Luft (Gomes nutzte dies bei seinem ersten in Italien geschriebenen Bühnenwerk, der Urwald- und Indianeroper „Il Guarany“) und die Thematik Befreiungskampf/Revolution stand nicht nur in Lateinamerika fortdauernd auf der Tagesordnung.

Von Maelstromen und Meerbergen: Peter Ruzicka dirigiert das DSO Berlin

27.01.10 -
Als Intendant des Deutschen Radio-Symphonie-Orchesters in Berlin hatte Peter Ruzicka von 1979 bis 1987 mit inhaltlichen Schwerpunktprojekten – unter anderem auch für damals aufführungspraktisch unterbelichtete Komponisten wie Siegfried Wagner und Hans Pfitzner – neue Impulse geschaffen. Sein Vorgehen hatte sich als orchesterdramaturgisch richtungweisend erwiesen, und seine Praxis war rasch von anderen Klangkörpern übernommen worden.

DOV: Orchester leiden unter Sparzwang - Weitere Musikerstellen abgebaut

26.01.10 -
Berlin - Der Sparkurs der Kommunen wirkt sich auch auf die Orchesterlandschaft in Deutschland aus. In diesem Jahr sank die Zahl der Orchestermusiker in den 133 öffentlich finanzierten Klangkörpern erstmals seit 1992 unter die Marke von 10 000, wie die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) am Dienstag in Berlin mitteilte. Mit 9922 Stellen gebe es mehr als 2200 Musikerstellen weniger als vor 18 Jahren, sagte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens.

Forum Zeitgenössische Musik Leipzig will Arbeit einstellen

25.01.10 -
Es ist nicht der gerade "rasende" Tsunami, den der Deutsche Kulturrat vorbeistürmen sieht, es sind einfach bittere Erschöpfungen im Kreis der Kulturbauer, die sich langsam immer deutlicher bemerkbar machen. So hat die Stadt Leipzig. natürlich ganz sicher mit den besten Gründen, klar doch, es jetzt wiederholt abgelehnt, dem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Forum Zeitgenössische Musik Leipzig einen Übergang in eine institutionelle Förderung zu ermöglichen. So wenig wie dies kam es zu einer Aufstockung der Projektmittel. Das ist skandalös.

Alles Außenseiter: „Woyzeck“ von Wilson und Waits am Hamburger Thalia Theater

25.01.10 -
Johann Christian Woyzeck ist nur 44 Jahre alt geworden. Der einstige Soldat und Perückenmacher wurde 1824 auf dem Leipziger Marktplatz enthauptet, nachdem er drei Jahre zuvor seine Geliebte, eine alleinerziehende Witwe, aus Eifersucht erstochen hatte. Georg Büchner las etwa zehn Jahre nach dieser spektakulären Hinrichtung, der letzten öffentlichen in der Stadt Leipzig, medizinische Gutachten über die Schuldfähigkeit Woyzecks und schrieb auf dieser Grundlage sein bekanntes Drama, das unvollendet geblieben ist.
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