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Kurz-Schluss – Wie ich einmal dazu beitragen durfte, das deutsche Sicherheitsbedürfnis wieder zu stabilisieren

26.08.16 (Theo Geißler) -
Ach, das Waldsterben haben wir eben mal überlebt – fragt sich, wie lange. Denn wir stecken ja gerade mitten in einer Klimakatastrophe. Marode tschechische und französische Atomkraftwerke drohen, uns zu verstrahlen. Die nahezu für jedwede Befruchtung notwendigen Bienen sterben aus. Unsere Weltmeere fressen wir von Fischen leer, füllen sie mit ungenießbaren Flüchtlingsleichen und Plastikmüll. Ferner stehen die Türken wieder mal knapp vor Wien, der nahe und mittlere Osten, halb Afrika in der Hand des IS! Terroranschläge rund um den Globus, sogar bei uns. Und rast nicht gerade wieder ein kilometerfetter Meteor auf die Erde zu? [Vorab aus Politik&Kultur 4/2016]

Entgrenzung im Dreierpack –UN/RUHE von Junger Deutscher Philharmonie und Sasha Waltz & Guests beim Kunstfest Weimar

25.08.16 (Dirk Wieschollek) -
Die UN/RUHE beginnt draußen mit bemerkenswerter Stille. Ein paar Dutzend Menschen stehen regungslos in geometrischer Strenge auf dem Vorplatz der Weimarhalle, verlassen einer nach dem anderen ihren zugewiesenen Standort und gehen ihrer Wege. Nur die Schuhe bleiben zurück und konstituieren am jetzt menschenleeren Ort ein abstraktes Feld der Erinnerung, das mit zwingender Bildhaftigkeit so einiges ins Bewusstsein rückt, was gerade an existentiellem Drama tagtäglich unterwegs nach Europa ist. Menschen – allein mit ihrem Körper und ein paar Visionen: Schmerzen und Sehnsüchte, Verzweiflung und Utopien, Grenzüberschreitungen ... das werden auch die Themen der Musik sein, nicht irgendeiner Musik. Dann wird erst mal das Licht ausgemacht ...

Mit dem Laster unterwegs hinter Spiegelglas: Neue Blicke aufs Revier

25.08.16 (dpa) -
Das Ruhrgebiet ist um ein cooles Kunstprojekt reicher: Truck Tracks Ruhr heißt es. In einem Laster werden Zuschauer durch die Gegend gefahren. Sie müssen zuhören. Manchmal dürfen sie auch rausgucken.

Till Brönner: „Trump hätte wohl kein Jazz-Ständchen verdient“

24.08.16 (dpa) -
Jazz ist Nischen- und Kennermusik – mit nur wenigen Ausnahmen. Till Brönner steht mit seinen Platten regelmäßig weit oben in den Charts. Im dpa-Interview spricht er über sein Verhältnis zum Pop – und über einen ganz besonderen Tag in seinem Leben.

Meine Sicht: Das wichtigste Instrument beim Musical? Raschelnde Banknoten

22.08.16 (Theo Geißler) -
Angeblich gilt das Genre als Gesamtkunstwerk: Laut Wiki ist das Musical ja eine literarische und eine musiktheatralische Gattung. HaHa, Kunstwerk… Es begab sich zu der Zeit, als der Wahlspruch „Ich bin jung und brauche das Geld nicht“ noch was galt. Als früher Fan der Stones, der Kinks, der Troggs ging mir der subjektiv als Soft-Gedudel samt Kitsch-Lyrik empfundene Musical-Sound-Brei kilometerweit am Trommelfell vorbei. Wir langhaarigen Head-Banger waren in den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts gesellschaftlich als „Gammler“ geächtet und überdies als Kommunistenpack politisch verdächtig. Das galt damals als „knorke“. [Vorab aus SILBERHORN]

Wie schwarzes Sonnenlicht im Prisma – „Koma“ von Haas und Händl in Darmstadt

17.08.16 (Martin Hufner) -
Frieder Reininghaus hat in der nmz die Uraufführung von „Koma“ von Haas/Händl in Schwetzingen besprochen und kam zu dem Ergebnis, es zeichne sich ab, „dass dies die bedeutendste neue Produktion gewesen sein dürfte“ in der Saison 2015/16. Vom Rokoko-Theater Schwetzingens wanderte die Produktion ab ans Staatstheater Darmstadt und musste sich dort neu beweisen. Unser Rezensent ist begeistert zwiegespalten.

Mit kundiger Hand szenisch aufgeschäumt: Elisabeth im Erzgebirge

16.08.16 (Roland H. Dippel) -
Das Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz bespielt seit 1931 das Naturtheater Greifensteine im Erzgebirge. Dieses erstmals 1846 als Theater genutzte Felsenensemble hat Tücken, ohne Auto kommt man kaum hin. Und es hat ein riesiges Stammpublikum, das bereits 45 Minuten vor Öffnung der Einlasstore geduldig ausharrt, zielstrebig die besten Plätze ansteuert und in glänzender Laune kräftig mitmischt.

Sakral-Triumph und Freiluft-Ernüchterung: Wagners „Rheingold“ beim Kulturwald in Aldersbach

15.08.16 (Juan Martin Koch) -
Vom idealen Aufführungsort für seine Opern hatte Richard Wagner sehr genaue Vorstellungen. Das Bayreuther Festspielhaus legt davon eindrucksvoll Zeugnis ab. Hätten die beiden Aldersbacher „Rheingold“-Aufführungen – zunächst in der Klosterkirche, dann auf der Freilichtbühne – ihm hier ganz neue Perspektiven eröffnet, hätte er sie denn erleben können? Im ersten Fall vielleicht, im zweiten wohl eher nicht.

Die Eröffnung der Ruhrtriiiennale mit Volksfest, Festrede und Glucks „Alceste“

14.08.16 (Frieder Reininghaus) -
Die Musik kommt nicht allein des Wegs bei der von Johan Simons kuratierten Ruhrtriiiennale. Sie erscheint, stärker noch als bei den ihm vorangegangenen Intendanten, flankiert von einer Fülle sozialer, rhetorischer und bildkünstlerischer Bemühungen. Aber sie dürfte fortdauern der bedeutsamste Faktor sein bei der neuen Nutzung der Industrie-Ruinen und -Brachen seit der Jahrhundertwende. Die neuerlich mit Fragezeichen versehenen Leitbegriffe der ersten französischen Revolution geben die Denk- und Blickrichtung vor: Freiheit? Gleichheit? Brüderlichkeit? Noch einmal werden die längst (und eigentlich von Anfang an) obsoleten Parolen „befragt“, „abgeklopft“ – umgespült und sogar in anachronistischer Weise für Christoph Willibald Glucks Wiener Hofoper „Alceste“ in Anspruch genommen.

„Ludwig2“ feiert in Füssen seine dritte Premiere

12.08.16 (Roland H. Dippel) -
Anfang Juli – knapp vor Beginn der Proben – stellte die Musiktheater Füssen Besitz GmbH & Co. KG, Betreiberin des Festspielhauses Füssen, den Antrag auf Insolvenz. Bis Anfang September soll ein Investor gefunden werden, der das Gebäude und den Geschäftsbetrieb übernimmt und weiterführt. Die „Ludwig2“-Vorstellungen, von einer anderen Produktionsgesellschaft verantwortet, sind davon nicht betroffen. Realistisch geerdet und in merkantiler Distanz zu den Traumschlössern auf den Bergen gleich gegenüber ist das Konzept des Regisseurs und künstlerischen Leiters Benjamin Sahler für „Ludwig2“ von Konstantin Wecker, Nic Raine, Christopher Franke (Musik) und Rolf Rettberg (Buch und Liedtexte).

Vor Kurt kommen die blue notes – Das 7. Jazzfestival im südschwedischen Ystad

11.08.16 (Roland Spiegel) -
Man kann in dieser kleinen Küstenstadt in der Nähe von Malmö Vieles finden: das Haus in der Mariagatan, in dem Henning Mankells Roman-Ermittler Kurt Wallander wohnte, oder den Geldautomaten, vor dem der Showdown einer berühmten Verfilmung stattfand. Dazu: eine wunderschöne Altstadt, laue Sommerluft mit leichter Brise, mild schimmerndes Licht. Seit 2010 findet man an diesem keineswegs so düsteren Ort wie in den Wallander-Filmen auch Jazz – bei einem Festival, das jetzt zum siebten Mal stattfand und Highlights von Hugh Masekela über Joachim Kühn bis zum Duo Sauer / Wollny zu bieten hatte. Sowie: den Überraschungsbesuch einer europäischen Jazzlegende, die dieses Jahr den hundertsten Geburtstag feiern konnte.

Wenn der Teufel im Glockenturm steckt: Debussys komplettiertes Opern-Diptychon erstmals auf CD

08.08.16 (Peter P. Pachl) -
Zwei Opern nach Edgar Allan Poe hat Claude Debussy komponiert, jedoch nicht fertig gestellt: „La Chute de la Maison Usher“ und „Le Diable dans le Beffroi“. In der Orchestrierung und Rekonstruktion von Robert Orledge liegen beide nun erstmals gemeinsam auf CD vor.

Nach langer Zeit nachgeholt – Gottfried von Einems Oper „Jesu Hochzeit“ am Ossiacher See und Bertolt Brechts Koloman-Wallisch-Kantate an der Mur

07.08.16 (Frieder Reininghaus) -
Zwei Landpartien. Die aktuelle führt zum Carinthischen Sommer. Das Kärntener Festival orderte in den 1970er Jahren beim damals erfolgreichen österreichischen Opernkomponist ein neues Stück. Gottfried von Einem hatte 1947 die Büchner-Oper „Dantons Tod“ zu den nach den Jahren der NS-Kontaminierung wiedereröffneten Salzburger Festspielen beigesteuert und 1953 am selben Ort den „Prozeß“ (nach Kafka). 1971 beglückte er die Wiener Staatsoper mit dem „Besuch der alten Dame“ und schloss, gestützt auf Friedrich Dürrenmatts Libretto, zur politisch-gesellschaftlichen Gegenwart auf. Im Ossiacher Stiftshof sollte dann vor vier Jahrzehnten „Jesu Hochzeit“ herauskommen – aus gegebenen Umständen eine Kirchenoper.

Ohne den Intendanten geht gar nichts – Ein Werkstattbericht von den 52. Opernfestspielen in Heidenheim

07.08.16 (Christian Kröber) -
Sommerzeit ist Festspielzeit und die währt in Heidenheim nun schon seit 1964. Dieses Opernfestival mit einer Open-Air Kulisse, die jedes Zuschauerherz höherschlagen lässt, hat sich zu einem international beachteten musikalischen Kleinod entwickelt. Überblickt man die deutsche Festivalszene, insbesondere die in Baden-Württemberg, so wird Heidenheims Alleinstellungsmerkmal deutlich: Jahr für Jahr mit einer eigens für die Festspiele in Szene gesetzten Opernproduktion können eigentlich nur die großen Player punkten, wie Bayreuth oder Salzburg.

Totentanz-Groteske – Novotny-Zykans komplettierte „Staatsoperette“ bei den Bregenzer Festspielen

03.08.16 (Wolf-Dieter Peter) -
Österreichs selbst gewählter Weg in den Faschismus und der Anschluss an Nazi-Deutschland – das war 1977 als „Staatsoperette“ in einer nur 65 Minuten langen Stümmelfassung der größte Skandal in der Geschichte des ORF: wochenlange hochemotionale und politisierte Medienschlacht; Verfluchung der Urheber durch einen Erzbischof; Entlassung des verantwortlichen Redakteurs; Totschweigen des Werkes bis gestern… denn die Bregenzer Festspiele unter Intendantin Elisabeth Sobotka wagten sich an die Aufführung einer komplettierten Fassung auf ihrer Werkstattbühne.

Was war eigentlich…? Nicholas Langs Blick in die Popmusikgeschichte: August

03.08.16 (Nicholas Lang) -
Was war eigentlich im August vor 25 und 30 Jahren los. Nicholas Lang hat sich ein bisschen in der Geschichte der Popmusik umgetan und bedeutende Veröffentlichungen von Bon Jovi und Metallica gefunden. Lang ordnet sie ein und erinnert.

Dreieck von Gefahr und Terror – „Tristan und Isolde“ bei den Bayreuther Festspielen

03.08.16 (Peter P. Pachl) -
„Tristan und Isolde“, die Bundeskanzlerin Angela Merkel als erste der von ihr in diesem Bayreuth-Sommer privaten Festspielbesuche gewählt hat, beendete den Reigen der Bayreuther Festspiel-Premieren. die szenisch umstrittene, musikalisch unumstrittene Produktion feierte das Premierenpublikum mit rhythmischen Applausbekundungen.

Hoffnung für ein Morgen im Musikjournalismus

01.08.16 (Juana Zimmermann) -
Die 29-jährige Theresa Beyer gewinnt den diesjährigen Reinhard-Schulz-Preis, der junge Publizisten im Bereich der zeitgenössischen Musik ehrt. Für Beyer ist Musik ein Seismograph ihrer Zeit. Und weil sie die musikalischen Schwingungen unserer Zeit mit ihren Radiobeiträgen im schweizerischen Radioprogramm SRF2 auf eine besonders gelungene Weise einfängt und sich dabei an ein breites Publikum wendet, entschied die Jury sich für die gebürtige Leipzigerin.

Neue Besetzungen und noch mehr Krokodile: „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ bei den Bayreuther Festspielen

01.08.16 (Peter P. Pachl) -
Als nach dem Schlussakkord des Premieren-„Ring“ der Vorhang fiel, brandete auch im vierten Jahr von Frank Castorfs Inszenierung im Publikum ein heftiger Widerstreit von Buh- und Bravo-Rufen auf. Die ungewöhnliche Sicht des Regisseurs ersetzt Wagnersche Mythologeme durch eigene Bildeinfälle – mit Öl statt Gold, Ostberlin vor und nach der Wende statt Gibichs Hof am Rhein und dem westlichen Einfluss von Döner und Börse anstelle von Hagens Intrige. Das erhitzt weiterhin die Gemüter und bot in den Pausen, neben den höchst unterschiedlichen Vorgängen der Überwachung des Publikums durch Polizei und Sicherheitskräfte, immer wieder neuen Diskussionsstoff.

Prawda-Shitsturm in Baku – „Die Walküre“ bei den Bayreuther Festspielen

28.07.16 (Peter P. Pachl) -
Dekonstruktivistisch knüpft Frank Castorfs Inszenierung der „Walküre“ nicht an der in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in den USA spielenden Sicht auf „Das Rheingold“ an. Die Kopie seiner eigenen Inszenierung von Anton Tschechows „Das Duell“, die wenige Monate vor der „Ring “-Produktion an der Volksbühne Premiere hatte, rückverlagert die Handlung rund um einen der zahlreichen paraklerikal anmutenden Öltürme in Baku ins Jahr 1918 und in später projizierten Filmsequenzen bis ins Jahr 1942.

Laute und stumme Stimmen – Abschlusstagung zur Geschichte der Bayerischen Staatsoper 1933–1963

28.07.16 (Von Wolf-Dieter Peter) -
Das 2013 zum 50jährigen Jubiläum ihrer Wiedereröffnung von der Staatsoper initiierte Forschungsprojekt nähert sich seinem Ende: die Geschichte der Institution Staatsoper in München – im Zeitraum von der „Hauptstadt der Bewegung“ zur „Weltstadt mit Herz“. Das von Jürgen Schläder angeführte Team von Theaterwissenschaftlern der LMU zog soeben an zwei Tagen ein vorläufiges Resümee, angereichert durch einige Gastvorträge.

In teilweise neuen Besetzungen und mit neuem Dirigenten: „Das Rheingold“ in Bayreuth

27.07.16 (Peter P. Pachl) -
Die im Wagner-Jubiläumsjahr 2013 besonders diskrepant aufgenommene Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ durch Frank Castorf wartet in ihrem vierten Jahr mit einer Reihe von Veränderungen auf – leider kaum zum Vorteil für den „Rheingold“-Auftakt.

Den Gral gibt es nicht: „Parsifal“ eröffnet die Bayreuther Festspiele

26.07.16 (Peter P. Pachl) -
Eine Bayreuth-Eröffnung ohne den üblichen Glemmer, ohne Staats- und Landes-Oberhäupter und auch sonst fast ohne Prominenz, dafür mit einem durch viel Polizei und hohe Zäune abgesicherten Festspielhaus: Dies hat mittelbar mit der Neuinszenierung des „Parsifal“ zu tun, mit Drohungen, die ausgelöst wurden, als bekannt wurde, dass Regisseur Uwe Eric Laufenberg die Handlung in der Gegenwart im nahen Osten angesiedelt hat, mit diversen Bezügen zum Islam.

„Joconde“ (1814) von Isouard ist die Entdeckung der Neuburger Kammeroper 2016

26.07.16 (Roland H. Dippel) -
Das ist echte Opernarchäologie: Seit 1969 kultiviert das Ehepaar Horst und Annette Vladar Musiktheater-Pflege der besonderen Art zwischen den großen süddeutschen Festivals. Im kleinen Stadttheater Neuburg an der Donau mit 285 Plätzen realisieren diese Pioniere der Off-Oper-Bewegung jeden Sommer eine Entdeckung in deutscher Sprache. Immer – das ist in diesem Fall Markenzeichen und Auszeichnung – „neben der Spur“ und deshalb immer mit Erfolg!

Musik triumphiert über Szene – Münchens Rameau-Premiere „Les Indes galantes“

25.07.16 (Wolf-Dieter Peter) -
Weltenkunde sollte eine höfische Gesellschaft amüsieren und zeigen, wie in vier fremden Kulturen, bei den galanten Wilden geliebt wird. Dem seit Ludwig XIV. zur Staatskunst geadelten Tanz entsprechend schuf 1735-36 Jean-Philippe Rameau ein „Opéra-ballet“, gleichsam ein Vorgriff auf das „Gesamtkunstwerk“, das nun spät zur Münchner Erstaufführung kam.
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