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Bayreuther Festungsspiele: 1 : 0 für den Gralshüter

01.07.16 (Michael Ernst) -
Niemand weiß Bescheid, aber alle reden mit. Das klingt nach Theater-Theater. Wenn es dort in den Kulissen gärt, kommen die Erklärer zu Wort. Spätestens morgen wird es jemanden geben, der das alles schon lange geahnt hat. Wer aber konnte je den Grünen Hügel und seine Abgründe deuten?

Schostakowitsch-Tage Gohrisch: Vom Kleinod zur Großtat

30.06.16 (Michael Ernst) -
Was haben Ludwig van Beethoven und Hanns Eisler mit Dmitri Schostakowitsch zu tun? Auf den ersten Blick sicherlich nichts, beim genauen Zuhören jedoch eine ganze Menge. Den Beweis dafür traten am letzten Juni-Wochenende die Internationalen Schostakowitsch-Tage Gohrisch an, die 2010 gegründet worden sind und auch in ihrem – ganz und gar nicht verflixten – siebenten Jahr enormen Zuspruch aus aller Welt erfahren durften.

Der Nachwuchs lässt die Muskeln spielen – Komische Oper im Doppelpack am Theater Aachen

29.06.16 (Georg Beck) -
Die Stimmen wie die Gesichter. Auf der Bühne, im Graben, sogar im Parkett die Welt zwischen Zwanzig und Dreißig. So gewollt, so praktiziert am Theater Aachen seit 20 Jahren. Seitdem kooperiert man mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Aachen. Die letzte Opernpremiere der Spielzeit, dies der Deal, gehört den Gesangsstudenten und dem Hochschulorchester.

Haydn-Spaß vom Theater Plauen-Zwickau – „Die Welt auf dem Monde“ auf Burg Schönfels

27.06.16 (Roland H. Dippel) -
Mit zwei Musiktheater-Produktionen startet das Theater Plauen-Zwickau in den Sommer: Auf der Bühne des Parktheaters Plauen lockt man Musical-Freunde mit „Hair“ in der Inszenierung von Stefan Brauer, auf Burg Schönfels gibt es für etwa 250 Zuschauerplätze Haydns nicht allzu häufig gespielte „Welt auf dem Monde“.

Allzu abstrakte Allgemeingültigkeit – Münchner Opernfestspiele mit Halévys „La Juive“

27.06.16 (Wolf-Dieter Peter) -
Wolf-Dieter Peter hat „La Juive“ von Jacques Fromental Halévy in der Inszenierung von Calixto Bieito bei den Münchner Opernfestspielen gesehen und hat manchen Zwiespalt mit nach Hause nehmen müssen. Da blieb manches „spannungslos banal“ und einiges „unerhellt“.

Kurz-Schluss: Wie ich einmal der Kultur im Verhältnis zum Sport eine angemessene Medienpräsenz verschaffen wollte

27.06.16 (Theo Geißler) -
Der abgeschmackte Satz „Kultur- und Bildungspolitik seien nicht sexy“ wurmt mich schon seit seiner Erfindung: Führt er doch dazu, dass die Medien eine notwendige und intelligente Beschäftigung mit künstlerischen und pädagogischen Phänomenen in unserer Gesellschaft vorwiegend in kleinen Sparten-Kanälen oder den Stunden nach Mitternacht verbuddeln. Wie soll da – bitte – Hirn, Herz und Rückgrat unserer zu neronischer Dekadenz und asozialer Marktwirtschaft verkommenden Möchtegern-Demokratie sich angemessen im Bewusstsein unserer Bevölkerung verfestigen. [Vorabdruck aus „Politik & Kultur“ 4/2016]

Auf die Erde gestellt – Karlheinz Stockhausen „Donnerstag“ aus „Licht“ am Theater Basel

26.06.16 (Georg Rudiger) -
In der linken Hand ein Glas Whiskey, in der rechten eine Zigarette. Die Band im Foyer des Basler Theaters hat noch Pause und wird erst nach und nach vom Dirigenten im roten Anzug zusammengetrommelt. Man trägt Schlaghosen und Langhaarperücke. Und gibt sich auch noch betont relaxt, als die sechsstündige Oper „Donnerstag“ von Karlheinz Stockhausen mit scharfen, gestanzten Akkorden im Blech beginnt.

Albena Petrovics erste Oper „Music in the Dark“ in den Luxemburger Casemates du Bock

26.06.16 (Stefan Pieper) -
Da ist die Energie eines historischen Ortes, aber auch eine starke Leidenschaft für Literatur, die in der ersten Oper von Albena Petrovic Vratchanska lebt. „Music in the Dark“ ist ein instrumentales Bühnenstück, wo die Rollen gleichberechtigt zwischen einer Sängerin und einem knappen Dutzend Instrumentalisten verschmelzen.

Akustische Verunsicherung oder: Aleatorik als Referenz verschärfter Haftbedingungen

24.06.16 (Peter P. Pachl) -
Uraufführung von Matthias Hermanns „Die Luft hier: scharfgeschliffen“ in Berlin. An den Anfang ihres diesjährigen Festivals „Infektion!“ stellte die Berliner Staatsoper im Schillertheater eine in vieler Hinsicht ungewöhnliche Musiktheater-Uraufführung. Matthias Herrmanns Musiktheater „Die Luft hier: scharfgeschliffen“ hat das Ziel, „individuelle, gesellschaftliche und politische Deformationen [...] sicht- und hörbar“ zu machen. Dabei soll das Publikum die verschärften Bedingungen von Isolationshaft am eigenen Körper spüren.

Leipziger Bachfest 2016 – Versuch eines Rundblicks

21.06.16 (Roland H. Dippel) -
Nach 112 Veranstaltungen endete am 19. Juni 2016 das Leipziger Bachfest 2016 mit dem traditionellen Schlusspunkt der „Messe in h-Moll“ in der Thomaskirche. Die ganze Stadt ist Austragungsort dieser kulturellen und prestigesteigernden Leistungsschau.

Gefühlschaos auf leerer Bühne: Oper Leipzig beendet Spielzeit mit Strauss

20.06.16 (Michael Ernst) -
Wer Richard Wagner kann, kann auch Richard Strauss. Zumindest rein musikalisch. Nachdem die Oper Leipzig ihren ersten „Ring“ seit vierzig Jahren fertig geschmiedet hat, ist sie nun „Arabella“ angegangen. Das Gewandhausorchester unter Ulf Schirmer kann beides. Und gute Sänger haben sie auch.

Make love, not war – „Hair“ beim Domplatz-Openair in Magdeburg

20.06.16 (Joachim Lange) -
Der Magdeburger Domplatz als Musical-Kulisse. Bei über 1200 Plätzen und angesetzten 18 Vorstellungen ist das ein Unternehmen zwischen Geschäft und Herausforderung. Mit Preisen zwischen 35 und 52 Euro bleibt es, verglichen mit dem was die Musical-Tempel in Hamburg, Stuttgart oder Essen verlangen, erschwinglich. Außerdem ist der Domplatz so groß, dass es in der Absperrung auch für ein großzügiges Openair-Foyer reicht.

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern eröffnen mit Uraufführung von Milliken

19.06.16 (Heinz-Jürgen Staszak) -
Eröffnungskonzerte großer Festivals haben ihre eigenen Gesetze, vom Kommerz nicht unberührt. Da werden die prunkvollen Schaustücke aus der Vitrine des Repertoires hervorgeholt, ein glanzvolles Solistenkonzert, eine bedeutungsvolle, nicht allzu irritierende Sinfonie, aufpoliert durch die Kunst großer Namen. Auch bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern war dies häufig so. Aber diesmal, bei der Eröffnung des neuen Jahrgangs am Freitag in der Wismarer St.-Georgen-Kirche war es anders.

Bassa Selim ist eine Lesbe – Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ erheitert und empört Besucher der Deutschen Oper Berlin

18.06.16 (Peter P. Pachl) -
An der Deutschen Oper Berlin scheint sich eine neue Dramaturgie der Bildersprache zu manifestiert zu haben: am Vorabend der Mozart-Premiere wartete die Erstaufführung „Underline“ mit eben jenen Versatzstücken auf, die auch in der Neuinszenierung von „Die Entführung aus dem Serail“ wieder anzutreffen sind, Ballspiel, kreisrunde Projektionen, Zuckerwatte und in der Luft verstreutes, weißes Pulver.

Operette zum Mitdenken – Paul Abrahams „Viktoria und ihr Husar“ in München

17.06.16 (Wolf-Dieter Peter) -
„Sibirien – Tokio – Petrograd – Puszta“ – klingt nach Revue. Einer, in deren buntem „Exotismus“ und gepflegten Botschaftsetagen auf der Bühne sich das von der Weltwirtschaftskrise gebeutelte Großstadtpublikum die eigenen Probleme „wegtheatralisieren“ ließ.

Tanz-Sport-Theater – „Underline“ von Hugo Morales an der Deutschen Oper Berlin

17.06.16 (Peter P. Pachl) -
„Flächenland“ ist der deutsche Titel einer im Jahre 1884 unter dem Pseudonym A. Square veröffentlichten Novelle des Mathematikers Edwin Abbott Abbott, die als vorgeblicher mathematischer Essay über die vierte Dimension mit der Viktorianischen Gesellschaft abrechnet.

Im Spukschloss an der Newa – Stefan Herheim macht aus Tschaikowskis „Piqué Dame“ großes Bildertheater

15.06.16 (Joachim Lange) -
Stefan Herheim hat in Amsterdam nach seinem „Eugen Onegin“ von 2011 jetzt Tschaikowskis zweite Puschkin-Oper „Pique Dame“ hinzugefügt. Mit dabei hatte er die Trickkiste für sein Wundertütentheater, das genauso auf die Opulenz szenischer Überwältigung setzt, wie die konsequente Umsetzung einer Idee, mit der er zusätzlich zur überlieferten, noch eine eigene Geschichte erzählt.

„Leichte Muse im Wandel der Zeiten“ –Tagung umreißt die Operettenkultur Nürnbergs in der NS-Zeit

14.06.16 (Wolf-Dieter Peter) -
Die Theaterbegeisterung des „verhinderten Künstlers“ Adolf Hitler von Wagner bis zu Lehárs „Lustiger Witwe“ ist bekannt. Bücher belegen die Aufwertung des Münchner Gärtnerplatztheaters zur „Staatsoperette“ wie die Geschichte des Berliner Metropoltheaters in den „braunen Jahren“. Doch das Theater in der „Stadt der Reichsparteitage“ ist ein weißer Fleck – noch.

Die Händelfestspiele 2016 in Halle – Nach 17 Tagen endeten die Händelfestspiele 2016 in Halle

14.06.16 (Joachim Lange) -
Schon die vielen Opern adeln das Programm der gerade beendeten Händefestspiele in Halle. Vier davon szenisch, zwei davon als traditioneller Repertoirebestandteil des Opernhauses. Was beides schon ein Alleinstellungsmerkmal ist. So wie das einzige deutsche Händeldenkmal mitten auf dem Markt der Geburtsstadt des Barockmeisters. Nachdem man es im letzten Jahr mit Unsichtbarkeit versucht hatte, waren die vom 27. Mai bis 12. Juni dauernden Festspiele diesmal auch wieder im Stadtbild präsent. Auch wenn bei der Vermarktung immer noch jede Menge Luft nach oben bleibt. Die künstlerische Bilanz freilich kann sich sehen lassen.

Im Ballett-Kranken-Saal – Massenets „Cendrillon“ an der Komischen Oper Berlin

13.06.16 (Peter P. Pachl) -
Stärker als andere musiktheatrale Versionen des Aschenputtel-Stoffes unterscheidet Jules Massenets 1989 uraufgeführte Oper die Ebenen Realität und Märchenhandlung. Die Märchentraumwelt entsteht nur rund um die Protagonistin und zeigt dem Publikum der Belle Epoche eine Fluchtmöglichkeit aus prosaischer Alltagsexistenz auf.

Eine ganze weite Welt – Louis Andriessens Spätwerk „Theatre of the World“ in Amsterdam

13.06.16 (Frieder Reininghaus) -
Mit „Theatre of the World“ hat sich Louis Andriessen, der seit 30 Jahren Arbeiten fürs Amsterdamer Musiktheater liefert, wieder einmal auf eine ‚Zeitreise’ begeben. Das ist, nach Bernhard Langs „Golem“ in Mannheim und Moritz Eggerts „Terra Nova“ in Linz, die dritte neue Oper, die in den letzten drei Monaten nach diesem Strickmuster angelegt wurde. Allerdings erwies sie sich als die vergleichsweise gelungenste.

Waldrausch und trügerisches Glück – Sondheims „Into the Woods“ in Görlitz

13.06.16 (Roland H. Dippel) -
Nicht ganz so heftig war der Premierenapplaus im Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz. Dennoch scheint das Publikum mit vielen jungen Gesichtern und internationalen Gästen am Beginn der unterschlesischen Sommersaison sehr beglückt über die Märchencollage Stephen Sondheims und seines Texters James Lapine. „Into the Woods“ aus den Jahre 1987 ist längst ein Klassiker und bildet mit den vielen dekorativen Grimm-Adaptionen im Alle-Generationen-Theater der letzten Jahre bereits eine Nische für sich. Eine mit vielen Erfolgsaussichten und einigen Tücken.

Kaleidoskop des Jazz: Pianist Chick Corea wird 75

12.06.16 (dpa) -
Bunt, immer bunter verschwammen die musikalischen Farben in der Karriere Chick Coreas. Selbst der eigentlich so wandelbare Jazz reichte dem Pianisten nicht, um seine Kreativität voll auszuschöpfen. Seine Liebe zur Musik ist auch nach mehr als 100 Alben zu hören.

Die Duisburger Plattform „Young Directors“ eröffnet mit Musiktheater-Raritäten

10.06.16 (Andreas Hauff) -
Mit der Überzeugung, es gehöre zu den wichtigsten Aufgaben eines Intendanten, junge Talente zu fördern, steht Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, sicher nicht allein. Aber nicht jedes Theater ist bereit, den Nachwuchskräften neben dem Studio auch die große Opernbühne zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen der neuen Regie-Plattform „Young Directors“ hatten die beiden Regieassistenten Philipp Westerbarkei und Tibor Torell nun zusammen das Duisburger Opernhaus für einen Einakter-Abend zur Verfügung.

Public Viewing einmal anders – Die Münchner Biennale für neues Musiktheater

10.06.16 (Anna Schürmer) -
Läuft man die Zufahrtsstraße zum Münchner Muffatwerk entlang, passiert man eine Ahnengalerie von Plakaten, die kommende Ereignisse ankündigen. Eines davon zeigt einen sehr dicken Mann, der voller Energie ausholt, um einen Ball – den sein imposanter Bierbauch doppelt – vollspann ins Tor zu donnern. Klar, die Fußball Europameisterschaft steht vor der Tür und ist in Zeiten des Public Viewing auch außerhalb der Stadien ein einträgliches Geschäft, genährt von den Erwartungen an ein neuerliches Sommermärchen.
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