62+48=72 - Novellierung des Sächsischen Kulturraumgesetzes fordert erstes Opfer
Im sächsischen Haushaltsgesetz 2011/2012, das die Novellierung des Kulturraumgesetztes beinhaltet, wurde verbindlich festgelegt, dass die Landesbühnen Sachsen mit ihren Sparten Schauspiel, Musiktheater, Ballett und Konzert in eine private Rechtsform zu überführen sind. Mit anderen Worten, die Landesbühnen Sachsen werden aus der Trägerschaft des Freistaates entlassen. Ab August 2012 soll das Haus in neuer Rechtsform durch eine Theater GmbH betrieben werden. Allerdings ohne Orchester. Das wird in die oben erwähnte NOVUM GmbH ins 40 km entfernte Riesa ausgelagert und mit den 48 Musikern der Neuen Elbland Philharmonie vereint. Um den Musiktheaterbetrieb in Radebeul und allen anderen Spielstätten, die von den Landesbühnen Sachsen bisher bespielt wurden, aufrecht zu erhalten, soll zwischen der zu gründenden Theater GmbH in Radebeul und der NOVUM GmbH in Riesa ein neuer Vertrag geschlossen werden. Laut Kunstministerium sind für den Betrieb des Musiktheaters allerdings nur noch 72 Stellen notwendig. Geht man davon aus, dass die Planstellen der Neuen Elbland Philharmonie erhalten bleiben, werden etwa zwei Drittel der Musiker aus Radebeul von der Riesaer NOVUM GmbH nicht übernommen. Da scheint das Versprechen von Staatsministerin Sabine Freifrau von Schorlemer, die Entlassungswelle sozial verträglich zu gestalten, wenig tröstlich.
Zudem ist es fraglich, ob und wie die derzeitige Fülle der Spielpläne in Riesa und Radebeul aufrecht erhalten werden können. Bestreitet doch die Neue Elbland Philhamonie jährlich 140 Konzerte mit anspruchsvoller und unterhaltender Sinfonik im gesamten Kulturraum Elbtal-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Auch in Radebeul stehen derzeit 16 verschiedenartige Musiktheaterproduktionen, von der Oper bis zum Musical, sowie sinfonische Konzerte auf dem Spielplan. Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) warnte bereits und sagte eine Reduzierung des musikalischen Angebots um ca. 50 Prozent voraus, sollte der fusionierte Klangkörper über nur 72 Stellen verfügen. Und das hätte natürlich auch Auswirkungen auf das Musiktheaterensemble in Radebeul mit seinen 18 Sängerinnen und Sängern sowie drei Dirigenten. Der Intendant der Landesbühnen Sachsen hat bereits seine Konsequenzen gezogen: „Um den Prozess der grundsätzlich beschlossenen Umgestaltung durch Manuel Schöbel reibungslos und verantwortungsvoll gestalten zu können, haben sich der Freistaat Sachsen und ich über eine Beendigung meiner Intendanz zum 31. Juli 2011 verständigt.“ Manuel Schöbel wechselt im August 2012 vom Theater Freiberg/Döbeln an die Landesbühnen Sachsen, um dort die Intendanz zu übernehmen. Er wird sich dann um die Umstrukturierung und Profilierung des bisherigen Staatsbetriebes kümmern müssen.
Die Neue Elbland Philharmonie kann von Umstrukturierung und Einsparung bereits ein Lied singen. Ist das Orchester Ende der 90er Jahre doch selbst aus einer Fusion mit einhergehender GmbH-Gründung entstanden: Es ist ein Zusammenschluss aus dem Sinfonieorchester Pirna und der Elbland Philharmonie Sachsen. Im Jahr 2003, fünf Jahre nach der Fusion, war der Klangkörper bereits von Insolvenz bedroht, weil einer der Träger -der Kulturraum Sächsische Schweiz/Osterzgebirge- aus der Finanzierung (850 000 Euro) ausgestiegen war. Damals zählte das Ensemble noch 60 Mitglieder! Möge die Willkür seiner Gesellschafter der künftigen Theater GmbH in Radebeul erspart bleiben.
Hier geht es zur geschickt formulierten Pressemitteilung des Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
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