Butzemann-Variationen als Musiktheater für unerschrockene Jüngste


(nmz) -
Uraufführung von Ania Michaelis’ und Nuria Nunez Hierros „Stück vom Himmel“ an der Deutschen Oper Berlin. Ein Musiktheater auch für Kinder, analysiert von Peter P. Pachl.
21.03.2016 - Von Peter P. Pachl

Die Deutsche Oper Berlin berücksichtigt an ihrer Spielstätte für zeitgenössisches Musiktheater, der Tischlerei, nicht nur Außenseiter, sondern nun auch die Jüngsten der Jungen: als Musiktheater für Kinder von 2 bis 4 Jahren kam ein bei Ania Michaelis und Nuria Nunez Hierro bestelltes Auftragswerk zur Uraufführung.

Den Jüngsten der Jungen soll auf goldenen Kissen und Kindern im Arm der Eltern auf goldenen Bänken der Zugang zum Musiktheater erleichtert werden. Ausstatterin Tina Schulle hat einen himmelblauen Raum mit geschlitzten Gummiwänden für die Auftritte gebaut, eine abstrahierte goldene Leier auf der einen, ein Tisch mit Gläsern auf der anderen Seite. Mit einer Übung zu „Bitte-Danke-Bitte“ eröffnet Regisseurin Ania Michaelis das Spiel zwischen Mann und Frau, der Schauspielerin Minouche Petrusce und dem Klarinettisten Florian Bergmann. Dabei werden mit Wäscheklammern fünf Bälle auf drei Saiten der Kunstleier befestigt, und unterschiedlich mit Wasser gefüllte Gläser werden als Klanggefäße eingeführt. Ein Vogel, den Unruhestands-Tenor Peter Maus mit einigen Federn am Kopf gibt, lernt die Melodieabfolge der mit einem Löffel angeschlagenen Gläser. Der Saxophonist gibt die Laute – auch des Vogels – vor und ahmt die Geräusche der Mitspielerin nach. Dann bringt der Vogel ein Gefäß der Glasorgel zu Bruch und wird des Raumes verwiesen. Hinter der Szene intoniert der Vogel endlich einige Gesangsphrasen. Daraufhin wird er wieder hereingelassen und „zaubert“ das Wasser in den Gläsern farbig. Obendrein kommen bunte Gummibälle ins Spiel, und der Vogel intoniert auf die Laute „Pip-pip-pip-pip“ die Weise „Es geht ein Bi-Ba-Butzemann in unserm Haus herum“.

Das ist etwas wenig, insbesondere im Hinblick auf Felsensteins grundlegende Frage, „Warum singt der Mensch?“, aber kompositorisch von Nuria Núñez Hierro auch nicht abendfüllend gemeint. Selbst die halbe Stunde ist jedoch für einige der Kleinen bereits zu viel. Ängstlich weinend und kreischend müssen sie aus dem Auditorium getragen werden. Nur ein Kind, links vom Rezensenten, kommentiert und hinterfragt jede Aktion: so also entsteht ein künftiger Theater-Connaisseur, wenn nicht gar ein zukünftiger Theater-Kritiker.

Der Titel der musiktheaterpädagogisch in Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität der Künste Berlin begleiteten Produktion „Ein Stück vom Himmel“ ist wohl metaphorisch gemeint: die Kinderstube ist der Himmel, der Vogel kommt vom Himmel und damit auch der Klang, die Oper insbesondere.

Beispielgebender Applaus der Eltern am Ende der halben Stunde – für die Koproduktion mit dem Theater o. N., „mit freundlicher Unterstützung der Aventis Foundation“ und „gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten“.

Dann dürfen die Kinder, vom Vogel aufgefordert, mit den ungefährlichen Weichgummibällen im Bühnenbild spielen. Dies ist vermutlich der nachhaltigste Eindruck für die jüngsten Musiktheaterbesucher, – auch wenn dann die Musik bereits vorbei ist. Aber an das Wort, „Wie schön ist die Musik – doch wie viel schöner noch, wenn sie vorbei ist“, hat dabei sicher niemand gedacht. Auch das ist aus einer Oper.

  • Weitere Aufführungen: 22., 23., 24., 26., 27. März, 22., 23. 27., 28. Mai 2016.

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