Erstes Berliner „Echtzeitmusiktage“- Festival beginnt heute
Hinter solchen Kuriositäten steht bei den Berliner „Echtzeitmusiktagen“ ein durch und durch ernsthaftes Anliegen. Geht es doch um eine aktuelle Bestandsaufnahme der vielfältig ausdifferenzierten, mitunter auch radikalen Darstellungsformen zwischen Klangkunst, neuer Musik, elektronischer Club-Culture, Improvisation und Performance. Genährt wird dieses Spektrum von den vielen freien Szenen, seit sich nach der Maueröffnung immer mehr junge Künstler und Musiker angesichts guter Schaffensbedingungen in Berlin niederließen. Und beständiges Wachsum hat hier längst internationale Relevanz hergestellt.
Bei den Echtzeitmusiktagen rücken nun vom 8.-30. September die experimentellen Randbereiche ins Zentrum – und beim Ausloten von Grenzen ist gerade das Fließen derselben besonders spannend. Zwar wirken hier durchaus die Einflüsse und Erfahrungsschätze von Freejazzern wie Paul Lovens (12.9.) oder Rudi Mahall, dessen Quartett „Die Enttäuschung“ am 26.9. vertreten ist. Aber es bilden bei diesem Festival auch Protagonisten aus der Elektronik-Szene spannende Konstellationen - etwa der Finne Vladislav Delay am 16.9.
Längst inspirieren sich in Berlin verschiedene Szenen sowie ältere und jüngere Generationen von Musikern und Improvisatoren gegenseitig - gerade das macht für Festival-Kurator Ignaz Schick die auf den Echtzeitmusiktagen präsentierte lebendige Kultur aus! „Echtzeitmusik“ will dabei Sammelbegriff und Kategorie sein, die sich über alle - latent hermetischen- Schubladen, etwa Freejazz oder „Impro“-Szene emanzipiert hat. Eben so, wie auch der Schöpfer dieses Begriffes, der Gitarrist Olaf Rupp sein spontanes Agieren mit clusterhaften Klangflächen kaum irgendwo einordnen will, schon gar nicht in irgendeinen Jazzbegriff. Auch Olaf Rupp greift bei den Echtzeitmusiktagen auf die ihm eigene unkonventionelle Art in die Saiten seiner meist senkrecht gehaltenen Akustik-Gitarre.
Aufführungsorte wie das Kulturzentrum Sophiensääle, die Clubs Ausland und Naher Osten, Elisabethkirche oder Festsaal Kreuzberg liefern hierfür die optimalen Rahmenbedingungen. Das vielfältige, insgesamt 25 Konzerte umfassende Programm bietet zur besseren Orientierung mehrere programmatische Leitfäden. Kategorien wie: „The struggle continues“, „The world and the raw people“ oder auch „Is there a Thing called Jazz?“ verweisen auf die verschiedenen Subgenres innerhalb einer breit gefächerten Szene. Echzeitmusiktage 2010 ist eine Produktion von zangimusic.de in Kooperation mit Sophiensaele, Kulturbüro SOPHIEN, ausland Berlin, Festsaal Kreuzberg & Naher Osten.
Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Pro Helvetia.
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