Happy Birthday, Richard Wagner! Geburtstagsvorbereitungen in Bayreuth und Leipzig im Vorfeld des Jubeljahres 2013
Im Mittelpunkt des Festspielprogramms wird jedoch die Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ stehen. Frank Castorf habe definitiv „Ja“ gesagt, er werde im Jubiläumsjahr 2013 den „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen inszenieren, auch wenn der Vertrag wegen einiger Marginalien noch nicht unterzeichnet sei, so Festspielchefin Katharina Wagner auf einer Pressekonferenz in Berlin, die der Ankündigung weiterer Aktivitäten rund um Richard Wagners 200. Geburtstag am 22. Mai 2013 dienen sollte.
Bis zehn Tage vor Festspielbeginn werden in Bayreuth die drei von Richard Wagner – oder besser: von seiner Witwe Cosima – nicht für bayreuthwürdig erachteten Opern auf dem Programm stehen, allerdings nicht im diesbezüglich sakrosankten Festspielhaus, sondern in der Oberfrankenhalle. Diese werde er, trotz fehlender bühnentechnischer Anlagen, in eines der größten Opernhäuser verwandeln, versprach der für die Bayreuther Erstaufführung des „Rienzi“ angekündigte Regisseur Matthias von Stegmann.
Basierend auf der Strichfassung der bestehenden Leipziger Inszenierung, soll – eigens für Bayreuth – in einer Ausstattung von Matthias Lippert und Thomas Kaiser eine Neuinszenierung des „Rienzi“ mit Robert Dean Smith in der Titelrolle erarbeitet werden, deren Premiere am 7. Juli 2013 Christian Thielemann dirigieren wird.
Wagners erste vollendete Oper „Die Feen“ wird das Leipziger Opernhaus bereits drei Tage nach dem 130. Todestag des Komponisten, am 16. Februar herausbringen, inszeniert von Renaud Doucet, ausgestattet von André Barbe und musikalisch geleitet von Ulf Schirmer. In Bayreuth, wo „Die Feen“ zuletzt 1965 in der Stadthalle durch das Internationale Jugend-Festspieltreffen szenisch zu erleben waren, wird die Leipziger Produktion jedoch nur konzertant, ab dem 9. Juli 2013 zu erleben sein. Die szenische Aufführung in der Oberfrankenhalle als einem völlig anderen, á priori Nicht-Theater-Raum, wäre logistisch und finanziell nicht auch noch zu stemmen, so der Leipziger Operndirektor Ulf Schirmer.
Einen Tag zuvor, am 8. Juli 2013, erlebt das mit komplettem Orchester zuletzt im August 1972 in der Stadthalle und später noch einmal im Oberfrankenzentrum des Jugend-Kulturzentrums durch das Festival junger Künstler gespielte „Liebesverbot“ Premiere in der Oberfrankenhalle. Wagners einzige komische Oper, frei nach Shakespeares „Maß für Maß“, und in seiner libertinistischen Haltung Wilhelm Heinses „Ardinghello“ und dem „jungen Europa“ verpflichtet, hat der Komponist später seinem Gönner König Ludwig II. gegenüber als „Jugendsünde“ abklassifiziert, soll eine echte Bayreuther Premiere sein, die erst in der Saison darauf auch in Leipzig zu erleben sein wird. Die musikalische Leitung soll Constantin Trinks haben und Aron Stiehl wird für die Inszenierung verantwortlich zeichnen.
Zu den weiteren Bayreuther Geburtstagsbeiträgen im Jahre 2012 zählt ein interdisziplinär wissenschaftliches Symposion, das sich den „Perspektiven der Wagner-Rezeption im 21. Jahrhundert“ widmen soll; für den besten unveröffentlichten Beitrag ist ein Preisgeld von 5000 Euro ausgelobt.
Schulklassen, die in den vergangenen Jahren bereits mit Erfolg Kostüme für die Aufführungen „Wagner für Kinder“ entworfen hatten, dürfen an einem frei gewählten Wagner-Text ihre Kreativität als Rapper beweisen. Die besten Ergebnisse der Jugendlichen ab der 8. Jahrgangsstufe werden dann mit einem namhaften Rapper für CD produziert. Außerdem sind zwei Gesangs-Meisterklassen für angehende Wagner-Sänger geplant.
Inhaltlich eher konventionell gestaltet sich das eigentliche Geburtstagskonzert am 22. Mai im Festspielhaus: der erste Aufzug der „Walküre“ erklingt konzertant, dirigiert von Christian Thielemann, nebst anderen „Auszügen“ aus Wagners Werken; anschließend soll auf den Straße der oberfränkischen Mainmetropole gefeiert werden.
Bedenkt man, dass der derzeitige 150. Geburtstag des Wagner-Nachfolgers und an der MET als „deutscher Puccini“ gefeierten Komponisten Ludwig Thuille bislang ohne eine einzige Aufführung einer seiner Opern verstrichen ist, stimmt allerdings nachdenklich angesichts jener beiden Wagner-Zitate, die das Vorprogramm der Bayreuther Veranstaltungen für sich proklamiert:
„Wann werden denn endlich die Menschen alle einmal wissen, dass ich 1813 geboren bin!“, und „ich sehe, meine Freunde arbeiten nach lange nicht genug für mein Interesse!“
Der Spruch vom Klappern, welches zum Handwerk gehöre, erweist sich für Richard Wagner auch in der Nachwirkung gültig, ja auf geradezu meisterlicher Höhe.
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