Strauss schwappt von Salzburg nach Sachsen – Richard Strauss‘ „Arabella“ an der Semperoper Dresden


(nmz) -
Seit die Sächsische Staatskapelle das Orchester der Osterfestspiele Salzburg ist, sind die dortigen Opern Koproduktionen mit der Semperoper Dresden. Das „Parsifal“-Debüt von 2013 scheint aus guten Gründen vergessen zu sein, aber die diesjährige „Arabella“ wurde nun glanzvoll an die Elbe gesetzt.
09.11.2014 - Von Michael Ernst

Das Richard-Strauss-Jahr begann in Dresden mit einer gefeierten „Elektra“. Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle, Evelyn Herlitzius in der Titelpartie, René Pape als Orest. Inzwischen liegt das Tondokument dieser über jede Kritik erhabenen Produktion vor, das Nachhören lohnt sich (Deutsche Grammophon / Unitel Classica 4793387). Auch zu den Osterfestspielen Salzburg wartete die sächsische Wunderharfe mit Strauss auf. Thielemann, Chefdirigent des Orchesters, ist zugleich der dortige künstlerische Leiter und präsentierte in seinem zweiten Jahr an der Salzach die 1933 in Dresden uraufgeführte „Arabella“. Mit Renée Fleming und Thomas Hampson als Arabella und Mandryka eine sichere Bank, wie man meinte. Die Salzburger Überraschung war jedoch das Paar Zdenka und Matteo, von Hanna-Elisabeth Müller und Daniel Behle mit fulminanten Glanzleistungen umgesetzt.

Die Inszenierung von Florentine Klepper (Salzburg-Premiere am 12. April) kam zu den Richard-Strauss-Tagen (6.-23. November) nun auch beim Kooperationspartner in Dresden heraus. Das von Martina Segna erdachte Bühnenkonzept des „Verschiebebahnhofs“ – die Zimmerflucht der Hotelsuite von Arabellas Familie rollt relativ lautlos nach links und rechts – schien direkt für die kleinere Bühne der Semperoper konzipiert zu sein. Mit dem optischen wie auch akustischen Vorteil, dass eine Reihe von Details hier nun wesentlich direkter, teils auch intimer gewirkt haben. Der größte Unterschied aber war die Umbesetzung der Titelpartie.

In Dresden sang mit Anja Harteros das derzeitige Ideal dieser Rolle. Mädchenhafter Charme, frauliche Reife, menschliche Klugheit und theatrale Erfahrung vermengten sich in optimaler Weise mit einer geradezu unerschütterlichen Stimmkraft. Bis ins Finale hat die Sopranistin immer wieder mit grandiosen Färbungen überrascht, Emotionen deutlich gemacht, Zerrissenheit dargestellt und psychologische Entwicklungen plausibel vorgeführt. Als ebenbürtig erwies sich Thomas Hampson mit edlem Bariton, der diesmal überwältigend und sicher geführt wurde – die beiden waren ein Traumpaar auf der Bühne. In Salzburg setzten sich mit Hanna-Elisabeth Müller und Daniel Behle als Zdenka und Matteo noch die beiden „Newcomer“ in den Vordergrund; sie waren in Dresden ebenfalls unanfechtbar, hatten es nun aber auch neben sich mit Idealbesetzungen zu tun. Wie schade, dass da Gabriele Schnaut und Jane Henschel als Gräfin und Kartenauflegerin deutlich andere Level einbrachten.

Zumal mit Albert Dohmen als Graf Waldner sowie Benjamin Bruns, Derek Welton und Steven Humes als Grafen-Triumvirat, das sich vergebens um Arabella bemüht hat, ebenfalls kongeniale Sänger-Darsteller gefunden worden sind. Auch Daniela Fally als Fiakermilli überzeugte mit ihrem federleicht in die Höhe schnellenden Sopran.

Sie alle und nicht minder der bestens einstudierte Staatsopernchor durften ihre sängerischen Talente auf einem sicheren Teppich entfalten, den ihnen die Staatskapelle und Christian Thielemann nicht nur als doppelten Boden auslegt hatten. Jede einzelne Stimme wurde ebenso wie die Fülle der Stimmungen in diesem Seelenlandschaften ausleuchtenden Werk in idealer Weise begleitet, geführt und umwoben. Da ist im Graben illustriert worden, was auf der Bühne verhandelt wurde: Dramatische Liebe, Verzweiflung und Täuschung, Irrtümer, Sorgen und Ängste – jede Farbe an Emotionalität hat Richard Strauss grandios orchestriert, selbst Cupidos Liebespfeile schwirren hörbar durch die Lüfte und dürfen endlich in die Herzen treffen, auf dass sich Arabella und Madryka sowie Zdenka und Matteo in die Arme fallen dürfen.

So und nicht anders muss Oper sein: Sinnlich berührend und künstlerisch überzeugend. Dies wurde umso deutlicher bewusst, als klar war, dass es sich hier um einen Ausnahmeabend gehandelt hat. Der in der gesamten Spielzeit in unverzeihlicher Weise nur zweimal angesetzt ist.

  • Termin: 10.11.2014

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