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Musik denken
09.12.09 (Gerhard R. Koch) -
Goethe hat seine Forderung: „Bilde Künstler, rede nicht“ zwar hinlänglich selbst widerlegt; gleichwohl hat der Satz seit jeher fatal die ästhetische Reflexion belastet, ja diskreditiert. Dabei haben gerade die Komponisten, Vertreter einer angeblich „sprach“-, erst recht „begriffslosen“ Kunst, schon seit der Renaissance über ihr Tun und seine Voraussetzungen nachgedacht: Schumann, Berlioz, Liszt, Wagner, Debussy, Busoni, Boulez, Nono, Henze, Schönberg, Stockhausen, Ligeti, Kagel, Ruzicka, Klaus Huber, Lachenmann und Wolfgang Rihm waren und sind als Theoretiker und Ästhetiker unverändert präsent. Ganz abgesehen von dem mehrere Generationen bis heute prägenden Einfluss Adornos, dem es darum ging, die fundamentalen Schwierigkeiten des Komponierens – also auch jeglicher Kunst – aus aktueller Sicht wie der eines imaginär utopischen Komponisten zu ergründen: ästhetische Theorie als produktiv kritischer Spiegel jeglicher Praxis – sofern diese nicht nur als begriffsloses „Machertum“ verstanden wird. Hegels These von der „Eule der Minerva“, die ihren Erkenntnis stiftenden Flug erst in der Dämmerung der festen, allzu festen Systeme wie Sachverhalte beginne, ist aus der Kunst der Moderne nicht wegzudenken.
