Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.
Alle Artikel kategorisiert unter »Ruhrtriennale«
Warten bis zur Selbstaufgabe: Toshio Hosokawas Kammeroper „Hanjo“ bei der Ruhrtriennale
07.10.11 (Stefan Pieper) -
„Alle Liebe ist schrecklich und da gibt es keine Regeln“ ist einer der dunklen Sätze, die in der Kammeroper „Hanjo“ auf eine Schattenwelt jenseits der großen Gefühle verweist. Und gerade einmal anderthalb Stunden benötigte dieses vom Japaner Toshio Hosokawa komponierte Bühnenstück, um Grenzerfahrungen von Verzweiflung, brennender Sehnsucht und Selbstaufgabe extrem zu verdichten – und mit so etwas eine der stärksten und zu recht stürmisch gefeierten Produktionen bei dieser Ruhrtriennale zu liefern.
Buddhismus als Ausweg
06.10.11 (Georg Beck) -
Mit einem Bekenntnis geht diese Intendanz zu Ende. Isoldes „Liebestod“ nicht in den Armen Brangänes über dem Leichnam Tristans, vielmehr stehend, außerhalb der Spielfläche, vor dem Publikum, über dem Orchester. Als hätte Willy Decker sein religions-(nicht kirchen-)affines Triennale-Konzept der „Urmomente“, dessen dritter und letzter Durchlauf mit der „Suche nach dem Jetzt“ nun abgeschlossen ist, auf diesen einen Moment ausgerichtet. Fürs Wollen der zurückliegenden Jahre, für Anspruch und Vision noch einmal ein Bild bringen. Eins, das ganz ihm gehört. Und eins, das die Grenze markiert, an der sich Theater und Leben berühren.
Suche nach dem Jetzt - Technophobia mit Francesco Tristano bei der Ruhrtriennale
01.09.11 (Stefan Pieper) -
Während beim Techno seit der Gründerzeit die Revolution vor allem von den Maschinen ausging, erobern die Ingredienzen dieser Musikrichtung jetzt die Konzertsäle zurück. Der Detroiter DJ-Künstler Jeff Mills hatte hier gewissermaßen eine Pioniertat vollbracht, als er seine elektronisch generierten Tracks für großes Sinfonieorchester arrangierte und damit charismatisches Hörkino lieferte! (Jeff Mills: Blue Potential – live with Montpellier Philharmonic Orchestra, Tresor Records 2006)
Herbstkräftig die gedämpfte Welt: „Gisela!“ von Hans Werner Henze bei der Ruhrtriennale uraufgeführt
27.09.10 (Georg Beck) -
Einen „Pollicino für Erwachsene“ bitte! So hatten es die Kulturhauptstadt-Auftraggeber erbeten. So hat Hans Werner Henze seine „Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks“ konzipiert. Doch so war dem Herzstück der Henze-Werkschau bei ruhr.2010 nur schwer Theaterleben einzuhauchen. Die Vergangenheit eines großen Komponisten ist das eine – die große Vergangenheitsbeschwörung das andere. [Lesen Sie auch das Interview mit Hans Werner Henze in der Oktober-Ausgabe der nmz.]
„Passio Compassio“ brachte in der Bochumer Industriekathedrale die Kulturen in Berührung
19.09.10 (Stefan Pieper) -
Mystik als übergeordnete Kategorie von Religion findet vor allem in der Musik ihren tiefen Ausdruck. Johann Sebastian Bachs Kantaten und Oratorien entfalten ihre Emotionalität auch ohne Kenntnis des religiösen Überbaus. Ebenso kann die Musik der islamischen Welt sehr wohl Nicht-Muslimen in spirituelle Stimmungen hinein verhelfen. In Zeiten sich verschärfender Kultur-Konflikten liegt es nahe, das Gemeinsame, Übergeordnete herauszustellen – vor allem auf dem Weg der Musik als ein dankbares Medium.
Im Sand von Kundus
06.09.10 (Georg Beck) -
Dieses Déjà-vu. Tanklaster, festgefahren im Wüstensand. Ein Bild, das Youtube bis dato exklusiv hatte. Jetzt, zur Eröffnung von „Wanderung“, Willy Deckers zweiter Ruhrtriennale-Spielzeit, wird die Cockpit-Perspektive über Kundus als Nahaufnahme nachgereicht. Nach der jüdischen Welt, nach einem bemerkenswerten „Moses und Aron“ (nmz 9/09), nun die muslimische. Nicht mit einem Repertoirestück, das es dazu nicht gibt, vielmehr als Neukreation des palästinensisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi auf einen Text von Albert Ostermaier. Letzterer schickt eine Patrouille in einen Hinterhalt, den wiederum der regieführende Intendant Decker und sein bewährter Ausstatter Wolfgang Gussmann über der Sandbank von Kundus ausmachen – und heranzoomen.

