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Alle Artikel kategorisiert unter »Parsifal«
Beflügelte Raum- und Zeitreise: „Parsifal“-Premiere bei den Bayreuther Festspielen
29.07.11 (Peter P. Pachl) -
Nietzsches Vorwurf gegen Wagner, ein stets mehrdeutiger Zauberer zu sein, trifft vor allem für „Parsifal“ zu. Tatsächlich hat Wagner in seinem „Weltabschiedswerk“ extrem viele Schichten übereinander gehäuft, wohl auch um seiner Gattin Cosima, die ihm in die vorausgegangenen Werke hineingepfuscht hatte, zu überlisten. Regisseur Stefan Herheim gelingt es in seiner Bayreuther Inszenierung, eine Vielzahl dieser übereinander gelagerten Schichten gleichzeitig und dabei auch in sich stimmig umzusetzen. Der immense Erfolg dieser Produktion, die obendrein noch die (Rezeptions-)Geschichte der Bayreuther Festspiele selbst ins Bild setzt, gibt seiner Vorgehensweise Recht.
Der heilige Sandkasten: Nach fast 100 Jahren kehrt Parsifal zurück ans Prager Nationaltheater
22.03.11 (Boris Michael Gruhl) -
Vor 97 Jahren durchwehten zuletzt Wagners Erlösungsklänge das Prager Nationaltheater. Fast 100 Jahre blieb im Haus an der Moldau der Gral verhüllt. Jetzt ist der heilige Ritter zurück gekommen. Wenn am Ende Parsifal, der einstige reine Tor, als der Gesalbte, der mitleidvoll Wissende, in der Neuinszenierung von Jirí Herman wieder ankommt in der Gralsburg, dann sind fünf Stunden vergangen wie im Fluge. Parsifal enthüllt den Gral. Das ist keine bombastische Szene mit glühendem Kelch, strahlender Monstranz oder gar abstruser Verfremdung. Er schöpft am Ende des Erlösungsmärchens klares Wasser aus einer Quelle in felsiger Höhenlandschaft.
„Parsifal“ – Premieren-Höhepunkt der Bayreuther Festspiele
30.07.10 (Peter P. Pachl) -
Wie bei der Pressekonferenz der Bayreuther Festspiele zu vernehmen war, wird es den „Parsifal“ in der Inszenierung von Stefan Herheim (aufgrund finanziell zu hoher Forderungen eines Ausstatters) leider nicht als Public Viewing und damit auch nicht auf DVD geben. Dies ist nicht nur aufgrund der herausragenden Qualität dieser Arbeit, sondern insbesondere auch deshalb besonders bedauerlich, da diese Inszenierung obendrein die (Rezeptions-)Geschichte der Bayreuther Festspiele selbst ins Bild setzt.
Blutige Endzeitvision: Calixto Bieito inszeniert „Parsifal“ in Stuttgart
29.03.10 (Peter P. Pachl) -
In der ersten Pause kursierte das Bonmot, wenn der eben verstorbene Festspielleiter Wolfgang Wagner noch zehn Jahre länger inszeniert hätte, so hätte sein letzter „Parsifal“ sicher auch so ausgesehen. In der Tat hatte sich das angereiste Wagner-Publikum aufgrund hochtrabender Vorberichte über die Intentionen Calixto Bieitos eine deutlichere, zumindest echt innovative Lesart erwartet.
Verfremdung durch Bewahrung
02.09.09 (Peter P. Pachl) -
Stephan Mösch: Weihe, Werkstatt, Wirklichkeit. Wagners „Parsifal“ in Bayreuth 1882–1933, Bärenreiter-Verlag/J.B. Metzler Verlag, Kassel/Stuttgart 2009, VII, 455 S., Abb., Notenbsp., € 59,00, ISBN 978-3-476-02315-5
Gurnemanz verliert die Flügel: Stefan Herheims Bayreuther „Parsifal“ im zweiten Jahr
03.08.09 (Peter P. Pachl) -
Nach dem Ende des zweiten Aufzuges schrillte ein „Pfui“, gefolgt von Buh-, aber auch heftigen Bravorufen durch das Festspielhaus. Stefan Herheims Inszenierung des „Parsifal“ als eine Zeitreise von der Uraufführung bis zur Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele nach dem zweiten Weltkrieg polarisiert weiterhin. Insbesondere die konsequente Bebilderung vom Aufbruch der Feldgrauen in den ersten Weltkrieg am Ende der ersten Gralsszene, Klingsors Zaubergarten als makabre, filmzitatreiche Revue im Lazarett bis zum Hissen der NS-Fahnen und Zerstörung des NS-Zaubers verstörte einige Premierenbesucher.
