36. Musikinstrumentenbau-Symposium

Kloster Michaelstein: Vogtländischer Geigenbau im musikwissenschaftlichen Fokus


(nmz) -
Vom 15. bis 17. November 2019 fand im Kloster Michaelstein das inzwischen 36. Michaelsteiner Musikinstrumentenbau-Symposium statt. In diesem Jahr ging es um das Thema: „Der Streichins­trumentenbau im sächsischen Vogtland.“ Dem Vogtland kommt neben dem bayrischen Mittenwald als weiteres historisches Zentrum für den Bau von Streichinstrumenten nördlich der Alpen eine besondere Bedeutung zu. Als Austragungsort für ein Symposium zu diesem Thema war das Kloster Michaelstein geradezu prädestiniert, da das klostereigene Instrumentenmuseum deutschlandweit die größte Sammlung vogtländischer Streichinstrumente außerhalb des Vogtlandes beherbergt. Und so stand für die Teilnehmer des Symposiums selbstverständlich auch eine Führung durch das Museum auf dem Programm.
Ein Artikel von Martina Binnig

Neben namhaften Musikwissenschaftlern traten auch nicht minder namhafte Instrumentenbauer als Vortragende in Erscheinung. Außerdem studierte das Ensemble „L’Orchestre Heroique“ unter der Leitung von Anton Steck, dem „Artist in Residence 2019“, Werke ausschließlich für Streichorchester ein, so dass das Konzert am Samstagabend ebenfalls eng mit der Konferenzthematik verbunden war. So kam es besonders bei den Mahlzeiten und dem abendlichen geselligen Zusammensein zu einem regen Austausch zwischen Musikwissenschaftlern, Instrumentenbauern und praktizierenden Musikern.

Das Symposium wurde musikalisch eröffnet von Anne Schumann, Klaus Voigt und Mark Nordstrand, die Kompositionen aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf vogtländischen Streichinstrumenten mit Cembalobegleitung interpretierten. Den Klang historischer vogtländischer Violinen präsentierte ebenfalls Anton Steck in seiner musikalischen Demonstration, in der er zudem Ausschnitte aus einer Fantasie des aus Elster (Vogtland) stammenden Geigers Christoph Wolfgang Hilf erklingen ließ.

Das Einführungsreferat hielt Enrico Weller mit einem Überblick über den Forschungsstand zum vogtländischen Geigenbau. Herbert Heyde, der aus New York angereist war, umriss die Entwicklung des sächsischen und ostdeutschen Geigenbaus und spannte dabei den Bogen von mittelalterlichen Fiedlern und Fiedelmachern bis zur Gründung der Markneukirchener Geigenbauerzunft. Karel Moens referierte zur Verbreitung der Bauweise des freien Aufschachtelns anhand aufschlussreicher Bildbeispiele, und Klaus Martius stellte mit den drei Bratschen von Pöpel und Kurzendörfer vom Ende des 17. Jahrhunderts die ältesten erhaltenen Zeugnisse des vogtländischen Geigenbaus vor. Ausgehend von der Beobachtung, dass der frühe Streichinstrumentenbau im Vogtland besonders durch Bratschen repräsentiert wird, widmete sich Christian Ahrens vor allem der Rolle der Viola da braccio in der Musik bis um 1750. Aus der Sicht des Instrumentenbauers stellte Ekkard Seidl Merkmale des historischen vogtländischen Geigenbaus vor, und Veit Heller präsentierte die Ergebnisse seiner Studie zu den Holzstärken von Resonanzdecken und -böden.

Eberhard Meinel berichtete über akustische Messungen an historischen vogtländischen Instrumenten, während Micha Beuting und Rudolf Hopfner verschiedene Untersuchungsmethoden (Dendrochronologie sowie Computertomographie) vorstellten. Monika Lustig gab einen Überblick über die vogtländischen Streichinstrumente in der Michaelsteiner Sammlung und betrachtete die speziellen konstruktiven Merkmale an exemplarischen Beispielen.

Stefan Hindtsche stellte die vogtländischen Erzeugnisse der Markneukirchener Instrumentensammlung vor allem unter dem Aspekt der Originalität vor und Friederike Philipson aus diesem Bestand die überlieferten Viole d‘amore. Udo Kretzschmann aus Markneukirchen gab Einblicke in die Geigenbautradition seiner Vorfahren und Christian Hoyer in die Geschichte der Geigenbauer im westböhmischen Schönbach. Arian Sheets vom National Music Museum in South Dakota dokumentierte die Verbreitung vogtländischer Violinen auf dem amerikanischen Markt, während Josef Focht den Weg von Klotz- und Stainer-Modellen aus Mittenwald über das Vogtland nach Osteuropa im ausgehenden 18. Jahrhundert nachverfolgte. Bernhard Hentrich schließlich untersuchte den Status von vogtländischen Geigenbauern in Dresden zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Nachdem derart unterschiedliche Facetten des vogtländischen Geigenbaus beleuchtet worden sind, darf man auf die Druckfassung der Referate im nächs­ten Michaelsteiner Konferenzbericht gespannt sein.

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