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Alle Artikel kategorisiert unter »Kritik«

Uraufführung von Moritz Eggerts „La Bettleropera“ in der Neuköllner Oper

21.10.17 (Peter P. Pachl) -
Eine der ersten Produktionen der vor 1977 von Winfried Radeke gegründeten Neuköllner Oper war damals die „Bettleroper“, und zur Feier des 40-jährigen Jubiläums wurde eine neue Version angekündigt als „ein Großstadtcomic nach John Gay’s ‚The Beggar’s Opera’“. Für die Neukomposition der multilingualen deutsch-italienischen Koproduktion mit dem Balletto Civile wurde der Komponist Moritz Eggert gewonnen, dessen Komposition das Auseinanderklaffen des engagierten, aber über Semiprofessionalität kaum herausreichenden Ensembles um so deutlicher hervorkehrt.

Parsifals Mondfahrt – Jonathan Meeses Inszenierung von Bernhard Langs „Mondparsifal“ in Berlin

20.10.17 (Peter P. Pachl) -
Angesichts der Tatsache, dass die Absage von Jonathan Meeses in Bayreuth geplanter Inszenierung des „Parsifal“ mit deren finanziellem Aufwand begründet wurde, erscheint die Tatsache, dass dieses Projekt jetzt für je drei Aufführungen in Wien und Berlin – u. a. unterstützt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, den Wiener Festwochen im Verbund mit den Berliner Festspielen, den Medienpartnern ARTE, Berlinartlink, Monopol, Tagesspiegel, Wall und der York Kinogruppe, sowie eine Reihe weiterer potenter Sponsoren – ohne finanzielle Abstriche finanziert werden konnte, gleichermaßen erstaunlich wie verwunderlich.

Oper als Vorhölle – Uraufführung von Eichbergs Flüchtlingsstück „Schönerland“ in Wiesbaden

19.10.17 (Andreas Hauff) -
Sören Nils Eichbergs Oper „Schönerland“ ist neben dem Schauspiel „Wir werden unter Regen warten“ von Ihsan Othmann eine der beiden Uraufführungen, mit denen das Hessischen Staatstheater Wiesbaden auf das aktuelle Thema „Flucht“ reagiert. Im Theatermagazin liest man dazu, es gehe nicht um das Dokumentarische, bei dem die Geflüchteten im schlimmsten Falle eine „Illustrationsstaffage“ bilden würden, sondern um eine Annäherung „mit genuin künstlerischen Mitteln“.

Aufforderung zum Kampf – In Bonn inszeniert Peter Konwitschny Othmar Schoecks selten gespielten Einakter „Penthesilea“

18.10.17 (Joachim Lange) -
Wenn es gerecht zuginge, dann müsste man gemeinsam mit „Salome“ und „Elektra" auch Othmar Schoecks (1886-1957) „Penthesilea“ nennen. Neuerdings auch Aribert Reimanns „Medea“. Alles Frauen-Monumente des Musiktheaters von erheblicher Wucht. Die ersten drei wurden in der Dresdner Semperoper uraufgeführt. Doch nur die beiden Strauss-Einakter haben sich im Kernrepertoire gehalten. Schoecks Kleist-Oper ist dort erst 2008 in einer grandiosen Inszenierung von Günter Krämer dort wieder in Erinnerung gebracht worden. Die 2010 in Wien uraufgeführte „Medea“ von Aribert Reimann müsste es, schon weil sie eine Verlängerung dieser Reihe in die zeitgenössische Moderne ist, künftig auch mal auf den Dresdner Spielplan schaffen.

Es werde Licht: „Wir brauchen einen neuen Moses!“ – Rubinsteins „Moses“ in Warschau

17.10.17 (Michael Ernst) -
Selbst Opernkenner denken bei „Moses“ vor allem an Schönberg, vielleicht auch an Rossini. An Rubinstein denken sie nicht - Michail Jurowski will das unbedingt ändern. Anton Rubinstein (1829-1894) wird heutzutage vor allem als begnadeter Pianist erinnert. Dass der brillante Virtuose, Franz-Liszt-Freund und Gründungsdirektor des berühmten Konservatoriums von Sankt Petersburg auch ein ebenso begnadeter wie schaffensreicher Komponist gewesen ist, wissen beinahe nur mehr musikalische Kenner. Vieles aus seinem reichen Œuvre ist so gut wie vergessen – und manches hatte nicht mal dazu die Chance.

„Speakers Corner“ – Elektroakustischer Konzertabend an der HMT Leipzig

17.10.17 (Roland H. Dippel) -
Die Titelei gleicht einem diplomatischen Protokoll. Dieses Konzert „Musik und Gegenwart“ Nr. 75 ist eine „Veranstaltung des Studios für Elektroakustische Musik und des ZfGM“. Also jenes ambitionierten, von Claus-Steffen Mahnkopf im Dezember 2016 gegründeten Zentrums für Gegenwartsmusik, was sich für genderkorrekte, internationale und universelle Vernetzung aller musikalischen Genres, Gattungen und Stile der lebenden Gegenwart aufstellt. Dabei fällt dieser erfreulich gut besuchte Konzertabend, einmal im Jahr findet das Modul „Speakers Corner“ statt, für zentrales Mischpult, 26 Boxen und acht Kanäle streng genommen gar nicht ausschließlich in die Sektion Gegenwartsmusik.

Exchange 2 – Der Saisonauftakt des Neuen Kollektivs München im Ampere

17.10.17 (Wolf Loeckle) -
Hundert Jahre neue Musik – Was nun? Fragte süffisant und aus damals aktuellem Anlass Thema Musik Live, die diskursive Gesprächsreihe des Bayerischen Rundfunks in der Höhle des Löwen direkt vor Ort. In Donaueschingen also. Der Weltzentrale für die ästhetischen Auseinandersetzungen um das Neue in der neuen und neuesten Musik. Ohne dass dabei verbindlich-Ideologisches herauszudestillieren gewesen wäre. Das war 2008. Und die Frage stellt sich heute genau so aktuell.

In Tarnfarben gehalten. Korrekt. Beschnitten – Alban Bergs „Wozzeck“ im Theater an der Wien

17.10.17 (Frieder Reininghaus) -
„Wozzeck“ ist ein Stück zu sozialen Problemen im kleinstädtischen Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts. Die in der Phase des großen gesellschaftlichen Umbruchs nach dem ersten Weltkrieg in Musik gesetzten Szenen verhandeln die durch eskalierende Krisen erschütterte Beziehung von Marie und Franz. Weder die Vorlage Georg Büchners noch der vom Komponisten eingerichtete Text nehmen direkt auf militärische Kampfhandlungen Bezug. Dennoch scheinen die Schatten des Kriegs auf den düsteren und gewalthaltigen Szenen von „Woyzeck“/„Wozzeck“ zu liegen. Die aktuellen Produktionen tragen dem Rechnung.

Konstanze zwischen zwei Männern – Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ am Staatstheater Oldenburg

17.10.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Entführung aus dem Serail“ hat bei den interessantesten Regisseuren Konjunktur, die noch immer zu wachsen scheint. Kein Wunder, die Frage nach der Liebe ist ort- und zeitlos und sie es wird immer bleiben. Und da Mozart nie Antworten, sondern immer nur Fragen komponiert hat, kann ein Stück wie die „Entführung“, in die wir als maulende Kinder eher mitgeschleppt wurden, nie erschöpft sein.

Mehr als alt-neuer Glanz … Kurz vor seinem 152jährigen Jubiläum wird das generalsanierte Bayerische Staatstheater am Gärtnerplatz in München wiedereröffnet

17.10.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Im digitalen Zeitalter muss es heißen: „Sie sind wieder online, in ihrer vertrauten domain.“ Wie es sich für die heimliche Musikhauptstadt gehört: gleich mit zwei Gala-Abenden wird nach fünf Jahren Sanierung Münchens „andere Oper“ oder „Opéra comique“ wiedereröffnet – denn nach vielen Fehlplanungen wollen sich die zahllosen „A-dabei-s“ in den Räumen, auf dem Podium, im Bayerischen Fernsehen und im Rundfunk selbst feiern.
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