Kritik

Der richtige Riecher – Schostakowitschs „Die Nase“ an der Komischen Oper Berlin

17.06.18 (Peter P. Pachl) - Die zunächst in London, dann in Sidney laufende „Nase“ in der Inszenierung von Barrie Kosky ist in Berlin angekommen. In deutscher Übersetzung setzt sie endlich einmal den von Beginn bis zu dieser Intendanz-Ära an der Komischen Oper als Alleinstellungsmerkmal ausschließlich geübte Praxis der Opernaufführungen in Landssprache fort. Die umjubelte Premiere von Schostakowitschs frühem Opern-Wurf wurde zu einem späten Höhepunkt dieser Saison und zugleich zu einem hoffnungsreichen Einstand für den künftigen GMD Ainārs Rubiķis.

Kritik

Achtung Aufnahme! – Oper Leipzig mit Alban Bergs „Lulu“

17.06.18 (Joachim Lange) - „Lulu“ ist ein Schlüsselwerk der Moderne. Als Alban Berg 1935 starb hinterließ er seine letzte Oper nach Frank Wedekinds Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ als Fragment. Friedrich Cerha hat die Oper über die Frau, deren Männer ihr zum Opfer fallen und die am Ende von Jack the Ripper selbst umgebracht wird, 1979 vollendet. Meistens wird sie heute in dieser nachträglich komplettierten Fassung gespielt. In Stein gemeißelt ist das dennoch nicht. Ab und an versucht sich ein Komponist neu am so reizvollen wie undankbaren Ergänzungswerk.

Aktuelles

Online

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 18.06. bis 24.06.2018

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 18.06. bis 24.06.2018
17. 06. 2018 (mh) - Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 25. Schwerpunkte: Marco Stroppa | Philippe Hersant | Enrico Chapela | Harry Partch | Holger Groschopp | ### | Was ist „schön“? | Das rhythmische Büro | SoundCard Singapur | Forum neuer Musik 2007 | Leben und Tod des Kornettisten Bix Beiderbecke | Thomas Mann und sein Nachbar Bruno Walter | rainy days | Was von Gounod | PODIUM-Festival Esslingen | Radio-Aktivität |
Online

Heiterer Sommernachtsspaß im Sanatorium der Liebe – Rossinis „Il viaggio a Reims“ an der Deutschen Oper Berlin

Heiterer Sommernachtsspaß im Sanatorium der Liebe – Rossinis „Il viaggio a Reims“ an der Deutschen Oper Berlin
16. 06. 2018 (Peter P. Pachl) - War die vorangegangene Neuinszenierung an der Deutschen Oper Berlin, die in eine Weltraumstation mündende „Fledermaus“, zumindest in Fragen des Timings hoffnungslos verloren, so entschädigt die jüngste Neuinszenierung: Rossinis „Il viaggio a Reims“ schafft die Punktlandung, das Feuerwerk an Spielfreude und Sangeskunst entfachte beim Premierenpublikum einhellige Begeisterungsstürme.
Online

Reinhard Keisers „Der blutige und sterbende Jesus“ beim Bachfest Leipzig

Reinhard Keisers „Der blutige und sterbende Jesus“ beim Bachfest Leipzig
16. 06. 2018 (Roland H. Dippel) - Für den neuen Intendanten Michael Maul ist der Zyklus „Passionen“ nach dem bejubelten „Leipziger Kantaten-Ring“ mit 33 geistlichen Kantaten Bachs in 48 Stunden der innere Höhepunkt des Bachfestes vom 8. bis 17. Juni 2018. Es reihen sich Mario Schröders Choreographie der „Johannes-Passion“ in der Oper Leipzig, die „Matthäus-Passion“ mit La Chapelle Rhénane unter Benoît Haller, Zelenkas „Cristo al Calvario“ mit dem Ensemble Inégal und Passionskantaten von Christoph Graupner in der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Doch der spannendste Beitrag ist Reinhard Keisers „Der blutige und sterbende Jesus“, das erste deutsche Passionsoratorium überhaupt.
Print

Das Glück der Reprise - Zum Tod von Dieter Schnebel · Von Eleonore Büning

Das Glück der Reprise
15. 06. 2018 (Eleonore Büning) - Nicht alle Kreativen suchen die Einsamkeit. Nicht alle Künstler sehnen sich nach einer vita contemplativa und ziehen sich zum Denken und Dichten zurück ins Gehäus’, wie der heilige Hieronymus. Der Komponist Dieter Schnebel brauchte Menschen um sich herum. Er war immer unterwegs, bis zum Schluss, man traf ihn in Konzerten und Ausstellungen, auf Festivals und Akademien, im Publikum oder auf dem Podium, sanft, aber streitbar, still, aber stur. Und alleweil angetrieben von der wohl wichtigsten Kraftquelle seines Schaffens: der Neugierde.
KIZ

Dirigent Enoch zu Guttenberg gestorben [update, 13:30]

Dirigent Enoch zu Guttenberg gestorben [update, 13:30]
15. 06. 2018 (dpa) - München/Guttenberg - Er war ein weltweit gefragter Dirigent und engagierter Umweltschützer: Enoch zu Guttenberg ist tot. Er starb im Alter von 71 Jahren am Freitagmorgen in München nach kurzer, schwerer Krankheit, wie seine Söhne mitteilten. Der Tod kam plötzlich, Guttenbergs Konzertplan war prall gefüllt. Bei den Festspielen auf Herrenchiemsee, die er als Intendant leitete, wollte er im Juli einige Konzerte selbst dirigieren. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

Dossier

Umfrage: Kastriert Kapitalismus Kreativität?

Unter dem Titel „Wieviel Ökonomie braucht die Musik?“ findet am Freitag, 20. Oktober 2017 der öffentliche Teil der Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrats statt. Im Zentrum steht unter anderem folgende Frage: „Inwiefern kann die zunehmende Ökonomisierung unserer Gesellschaft mit künstlerischer Kreativität vereinbart werden?“ Die nmz-Redaktion ließ sich vom Thema zu einer Umfrage unter Kreativen inspirieren. Etwas verschärft fragten wir „Kastriert Kapitalismus Kreativität?“
Bundestagswahl 2017 Eine Informationen und Kommentare zum Thema Bundestagswahl 2017. Positionen, Meinungen, Analysen, Wahlprüfsteine...
Fluchtort Deutschland „Die Debatte um die Integration der Geflüchteten ist sehr oft scheinheilig. Niemand im Kulturbereich...
Frauen in der Musik In der Ausgabe 10/2016 hat sich die nmz in vielen Facetten mit dem Thema „Frauen im Kulturbetrieb“ ...
Junge Komponisten im Portrait Die neue musikzeitung stellt junge Komponistinnen und Komponisten in Einzelportraits vor.
SWR-Orchesterfusion Das Bekanntwerden der Fusions- und Sparpläne des SWR in Sachen Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und SWR...

News von Musikhochschulen und Musikschulen

Lübeck (MHL): Konzertreihe Musik im Museum präsentiert „Brahms in Italien“ - Zu einem neuen Konzert der Reihe „Musik im Museum“ lädt das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck (MHL) am Samstag, 16. Juni um 15 Uhr ein....
Lübeck (MHL): Lateinamerikanisches Lebensgefühl bei den „Lübeck Latin Lights“ - Zu den „Lübeck Latin Ligths“ laden Studierende der Musikhochschule Lübeck (MHL) am Samstag, 16. Juni ab 17 Uhr in den Schuppen 6 ein und beweisen,...
Lübeck (MHL): Ausstellungseröffnung und Symposium zu Robert Schumann - Das Brahms-Institut an der MHL eröffnet am Freitag, 29. Juni um 18 Uhr seine Ausstellung „Neue Bahnen – Robert Schumann und Johannes Brahms“. Zur...
Lübeck (MHL): Junges Musiktheater präsentiert Brittens „Rape of Lucretia“ - Am Freitag, 15. Juni um 20 Uhr feiert mit Brittens „Rape of Lucretia“ der Kammeroper im Kultur- und Bildungszentrum Bad Oldesloe (Kub) unter Regie...
Lübeck (MHL): Musiktutor*innen SH - Der erste Jahrgang des norddeutschen Projekts „musiktutor*innen sh“ geht nun erfolgreich zu Ende. Zum Abschluss der Qualifizierungsreihe findet am...

Weitere Nachrichten

KIZ

Start für Festspiele MV - Uraufführung von Orgel-Auftragswerk

Start für Festspiele MV - Uraufführung von Orgel-Auftragswerk
15. 06. 2018 (dpa) - Schwerin/Neubrandenburg- Das NDR Elbphilharmonie Orchester eröffnet mit einem Gastspiel in der Konzertkirche Neubrandenburg am Freitag (19.30 Uhr) die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Als Festspiel-Ouvertüre erklingt aber ein Orgel-Auftragswerk, das der US-amerikanische Ausnahme-Pianist Kit Armstrong komponierte.
KIZ

«Was kann Kultur beitragen?» - Martin Roth Symposium in Berlin

«Was kann Kultur beitragen?» - Martin Roth Symposium in Berlin
15. 06. 2018 (dpa) - Berlin - Wie kann die Kultur zur Beilegung von Krisen und Konflikten in aller Welt beitragen? Dieser Frage wollen das Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und das Auswärtige Amt am 22./23. Juni bei einem Symposium in Berlin nachgehen. Unter der Überschrift «What can culture do?» sind rund 400 Kulturakteure, Wissenschaftler und Politiker aus aller Welt zum Mitdenken eingeladen.
Online

Verzwicktes Familienfest einer göttlichen Gang – Legrenzis „Die Aufteilung der Welt“ in Kiel

Verzwicktes Familienfest einer göttlichen Gang – Legrenzis „Die Aufteilung der Welt“ in Kiel
15. 06. 2018 (Arndt Voß) - Für gute drei Stunden war Kiel der Nabel der Welt. Wichtiges stand an: Nichts Kleineres als die Erde war aufzuteilen, ein Unterfangen, bei dem selbst unter göttlichen Brüdern Streit unvermeidlich ist. Aber, wie so oft, ist das mit Musik, hier mit der barocken von Giovanni Legrenzi, durchaus gut anzuhören und, wenn dann noch die Optik stimmt, sogar vergnüglich anzuschauen (Premiere: 9. Juni 2018).
Print

Ein Plädoyer namens Wanda - Zur Lage der Wiener Band nach „Amore“, „Bussi“, „Niente“ und unzähligen Tourneen

Ein Plädoyer namens Wanda
15. 06. 2018 (Sven Ferchow) - Eigentlich ist die Geschichte der österreichischen Band Wanda schnell erzählt. Michael Marco Fitzthum alias Marco Michael Wanda (Gesang), Manuel Christoph Poppe (Gitarre), Christian Hummer (Klavier/Keyboards), Ray Weber (Bass) und Lukas Hasitschka (Schlagzeug) wollten es unbedingt. Dass sie dafür gelitten, gerauft und gestritten haben, wird in vielen Songs verständlich. Am hörbarsten im neuen Album „Niente“, das wütend und folglich traurig daherkommt. Das sich fast schon unheimlich detailliert mit Kindheit und Aufwachsen und Ursprung beschäftigt.
KIZ

Edvard Grieg - Ein kleiner Mann, der einen ganzen Raum füllen konnte

Edvard Grieg - Ein kleiner Mann, der einen ganzen Raum füllen konnte
14. 06. 2018 (dpa) - Oslo (dpa) - Wenn in Norwegen Edvard Griegs «Norsk dansk Nr 2» ertönt, dann laufen die Kinder wie angepiekst auf die Straße. Denn die berühmte Melodie des größten norwegischen Komponisten ist die Erkennungsmelodie des Eiswagens, der an den Wochenenden durch die Siedlungen fährt. Jeder in Norwegen kann den Ohrwurm mitsummen - ob er will oder nicht. Grieg hätte das sicher gefallen. Denn der kleine Mann mit dem großen Talent wollte immer Musik für das Volk komponieren. Am 15. Juni ist der 175. Geburtstag von Edvard Grieg (1843-1907).
Titelseite der nmz 2018/06.
Juan Martin Koch über die „Incompliance-Kultur“ der Münchner Musikhochschule

Worst Practice

(Juan Martin Koch) „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Compliance-Kultur der HMTM weiter zu verbessern.“ Nein, dies ist kein Ausschnitt einer standardisierten Mitteilung nach Bekanntwerden einer zu Unrecht in Anspruch genommenen Freikarte oder ähnlichem. Der Satz entstammt vielmehr der mit „Hochschule sorgt für umfassende Transparenz“ überschriebenen Stellungnahme, die die Hochschule für Musik und Theater München am 14. Mai veröffentlichte. Zwei Tage zuvor war jene Ausgabe des „Spiegel“ erschienen, in der über haarsträubende Vorkommnisse an der und rund um die Hochschule berichtet worden war (siehe Seite 2).
Magazin: „Vielleicht müssen wir uns viel stärker einmischen“ - Die Geigerin und Hochschulprofessorin Carolin Widmann im Gespräch
Musikleben: Rückblende 2018/06 - Vor 100 und vor 50 Jahren: Opernregie und fünf Jahr „Jugend musiziert“
Kommentar/Glosse: Just buried - Ferchows Fenstersturz 2018/06
Berichte: Ränder, Fehler, Flüstertöne - Die „Wittener Tage für neue Kammermusik“ stellen Fragen
Pädagogik: Jugend für Oper und Neue Musik begeistern - Das vom Bundesministerium geförderte Musikvermittlungsprojekt steuert auf 2. Uraufführung zu
Rezensionen: DVD-Tipp 2018/06 - Bloodlight and Bami (Alive)
Verbände: Klingendes Schmallenberg - 1.800 Musikerinnen, Musiker und Schützen im Landesmusikfest des Volksmusikerbunds

Weitere Nachrichten

Online

„Hellhörig riskieren wir wache Ohren …“ – Hespos 80 – zu einem besonderen Festival in Hannover

„Hellhörig riskieren wir wache Ohren …“ – Hespos 80 – zu einem besonderen Festival in Hannover
14. 06. 2018 (Gisela Nauck) - Würde man den Komponisten Hans-Joachim Hespos darum bitten, sich vorzustellen, bekäme man die karge Antwort: „Ich heiße Hans-Joachim Hespos und mache Musik“. Auf die Frage, was für eine Musik er denn schreibe, bekäme man wahrscheinlich keine Antwort. Wenn man Glück hat, erhielte man vielleicht, begleitet von einem kaum wahrnehmbaren, listigen Lächeln, den Hinweis: „Hellhörig riskieren wir wache Ohren ins akut musikalische Wagnis zu einer neu-anderen Gegenwart in Freiheit …“ – mitgeteilt in dem grafisch schön gestalteten und interessanten Programmheft, mit ausführlichen Informationen über die Interpreten – aber keinem einzigen Einführungstext zu den Werken von Hespos.
Online

Oper/Operette/Stimmen im Radio: 16. bis 30. Juni 2018

Oper/Operette/Stimmen im Radio: 16. bis 30. Juni 2018
14. 06. 2018 (mh) - Opern … im Radio. Operette und Stimmen in der zweite Hälfte Juni 2018. Charles Gounod: „Faust“, Gaspare Spontini: „Agnes von Hohenstaufen“, Benjamin Britten: „Gloriana“, Francesco Cilea: „Adriana Lecouvreur“, Antonio Mazzoni: „Aminta, il re pastore“, George Benjamin: „Lessons in love and violence“, Camille Saint-Saëns: „Samson et Dalila“, Jacopo Foroni: „Margherita“, Giuseppe Verdi: „Simon Boccanegra“, Richard Wagner: „Der fliegende Holländer“, Salvatore Sciarrino: „Ti vedo, ti sento, mi perdo – In attesa di Stradella“, Erich Wolfgang Korngold: ‚Das Lied der Liebe‘, Peter Tschaikowsky: „Eugen Onegin“ und Charles Gounod: „Le tribut de Zamora“.
Online

In die Freiheit entkommen – Die Musikalische Komödie in Leipzig entdeckt Albert Lortzings „Casanova“

In die Freiheit entkommen – Die Musikalische Komödie in Leipzig entdeckt Albert Lortzings „Casanova“
14. 06. 2018 (Joachim Lange) - Ein Besuch der Musikalischen Komödie in Leipzig Lindenau umweht immer der dezente Hauch einer Zeitreise in die Vergangenheit. Es ist ein Vorstadttheater mit einer besonderen Aura, wirkt auf sympathische Weise wie aus der Zeit gefallen. Hat (neben der Staatsoperette in Dresden) als Haus für dieses eine Genre ein Alleinstellungsmerkmal. Und sein eigenes, sehr treues Publikum. Eines, das zuverlässig nörgelt, weil in der gerade wieder eröffneten und aufgestylten Theaterkneipe (namens Lortzing!) gleich nebenan, alle Erinnerungsfotos wegrenovierten wurden.