Bazar der Neuen Musik: Der Salzburger Akkord

Universität Mozarteum Salzburg


(nmz) -
Im Jubiläumsjahr „100 Jahre Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM)“ reflektiert ein vielfältiges Programm ihre Rolle als großes Friedensprojekt nach dem 1. Weltkrieg, auf die Rolle Salzburgs als internationale Stadt der Zwischenkriegszeit und den zeitlosen Anspruch der Neuen Musik, das Zuhören (wieder) neu zu lernen.
Ein Artikel von Romana Stücklschweiger

Es war die Geburt einer zukunftsweisenden, völkerverbindenden Idee, die 1922 im Café Bazar in Salzburg ihren Anfang nahm: die Gründung der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) als Interessensvertretung der Komponistinnen und Interpreten zeitgenössischer Musik. Fast genau 100 Jahre später sitzt der Musikwissenschaftler Matthew Werley an einem Tisch im Café Bazar und blickt gleichermaßen zurück wie nach vorne in die Entwicklung der IGNM und der Neuen Musik in Salzburg: „Die Geschichte der IGNM ist eine Geschichte der Musik des 20. Jahrhunderts und jene des ersten Friedensprojekts in der Musik. Das A und O war die moralisch-ethische Einstellung, dass die Kunst über der Politik steht. Gesellschaften ändern sich und passen sich an die Zeit an, die IGNM hatte und hat eine internationale Aufgabe gegenüber der Welt, der Politik und der internationalen Zusammenarbeit.“

Dass die Gründung der IGNM ausgerechnet in Salzburg stattfand, lag nicht nur am Status der Festspiele und der damit einhergehenden Internationalität an Gästen. Als geografisch optimal gelegene Grenzgängerstadt mit ihren imposanten Bergen im Süden und ihrer ausladenden Öffnung in Richtung Norden ist Salzburg seit jeher ein perfekter europäischer Mittelpunkt. „Es gab die ‚Salzburger Idee‘, den Gedanken, dass Salzburg ein kultureller Heilort sei, ein Platz, wo sich alle auf neutralem Boden treffen und sich – durch die Künste – gegenseitig zuhören konnten. Salzburg bot eine Tabula Rasa, es gab keine radikalisierenden oder ideologisierenden Strömungen, die ein Miteinander erschwerten. Es war einfach eine Festspielstadt und wurde von den Musikerinnen und Musikern als bestes Stück Österreichs gesehen. Damals wurde auch Richard Strauss als Österreicher bezeichnet“, erzählt Matthew Werley lachend.

Unter dem Titel „Achtung International!“ widmet sich die IGNM gemeinsam mit der Universität Mozarteum, dem aspekteSALZBURG Festival und den Salzburger Festspielen, mit Unterstützung durch Stadt und Land Salzburg und dem Bundesminis­terium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, der 100-jährigen Geschichte einer Gesellschaft, die die durch zwei Weltkriege zerrissenen Fäden der europäischen Identität und Kultur in Salzburg wieder zusammenknüpfte und die den Gedanken einer notwendigen Internationalität in die Neue Musik übernahm.

In einer umfangreichen Ausstellung, die noch bis 23. September 2022 im Foyer der Universität Mozarteum zu sehen ist, wird die globale Reichweite der universitären Forschungsarbeit eindrucksvoll verdeutlicht: Es konnten zahlreiche Exponate aus 51 Archiven weltweit und knapp 40 international renommierte Musikwissenschaftler und Musikwissenschaftlerinnen aus 13 Ländern für das Projekt gewonnen werden. Die Ausstellung erzählt unter anderem von den ersten „Weltmusiktagen“ der IGNM und wie die Neue Musik von Salzburg aus die ganze Welt eroberte. „Ich glaube auch immer noch an die Stimmung im Zitat von Ernest Newman, das wir im Flyer zur Ausstellung abgedruckt haben“, sagt Matthew Werley: „[…] Der neue Geist ist viel abenteuerlicher. Er geht nach Salzburg, nicht um Musik zu hören, die er liebt und kennt, sondern um Musik zu hören, die er nicht kennt, in der Hoffnung, dass etwas davon wert sein möchte, geliebt zu werden. […] Eine große musikalische Epoche ist abgeschlossen. Eine neue scheint sich zu bilden.“

Weitere Termine im Jubiläumsjahr (Auswahl):
7. –16. Juli: ARCO – Composition academy & festival (im Rahmen der Internationalen Sommerakademie)
7. August: Kammerkonzert „100 Jahre IGNM“ mit den Wiener Philharmonikern, Salzburger Festspiele
25. November: Nacht der Komponisten und Komponistinnen

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