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Die Corona-Chroniken Teil 1 – Corona vs. Kultur in Deutschland
Die Corona-Chroniken Teil 1 – Corona vs. Kultur in Deutschland
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Spiegel der Pandemie in Deutschland – Der Kulturrat zieht mit einem Sammelband Bilanz

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Die Corona-Chroniken Teil 1 – Corona vs. Kultur in Deutschland. (Aus Politik & Kultur 18), hrsg. v. Olaf Zimmermann/Theo Geißler, Berlin 2021, 483 S., € 20,80, ISBN 978-3-947308-32-3

„Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist.“ Treffender als mit Goethes Worten lässt sich das Ansinnen der neuesten Veröffentlichung des Deutschen Kulturrats wohl nicht beschreiben. In acht Kapiteln auf annähernd 500 Seiten lässt der erste Teil der „Corona-Chroniken“ die ersten 15 Monate der Corona-Pandemie in Deutschland, angefangen beim ersten Lockdown im März 2020 bis zu den Öffnungsstrategien im Juni 2021, Revue passieren.

Ein Hauptaugenmerk der Chroniken richtet sich dabei auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den sehr unterschiedlich betroffenen Kulturbereich in Deutschland. Zudem soll der Vorwurf, die Politik hätte den Kulturbereich in der Pandemie vergessen, entkräftet werden, indem aufgezeigt wird, welche Maßnahmen zur Unterstützung und Förderung ergriffen wurden, und es sollen die künstlerischen und menschlichen Schicksale derjenigen behandelt werden, die 15 Monate lang ihren Beruf und oft auch ihre Berufung nicht oder nur äußerst eingeschränkt ausüben konnten.

Damit legen die „Corona-Chroniken“ ein Zeugnis ab von den Bemühungen um den Erhalt der deutschen Kulturlandschaft und seiner Strukturen, aber auch von der Ohnmacht, Resignation und Wut angesichts fehlgeleiteter Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie und der sich wandelnden Situation und Vorgaben, die oft genug jede Form von längerfristiger Planung aussichtslos machte. Das macht sie zu einem interessanten und aufschlussreichen Spiegel der Corona-Pandemie.Gestützt wird diese Tour d’Horizon durch den Aufbau des Buchs. Anders als bei gewöhnlichen Chroniken werden hier die Beiträge zunächst systematisch nach inhaltlichen Bezügen und dann innerhalb dieser Abschnitte in zeitlicher Folge geordnet, was das gezielte Nachschlagen von Informationen erleichtert und gleichzeitig Zusammenhänge und Entwicklungen offenlegt. Thematische Bereiche, die sich auf diese Weise nachverfolgen lassen, sind etwa die Rolle des Rundfunks während der Pandemie, die Auswirkungen auf die Kommunen oder aber die Hilfen der jeweiligen Bundesländer und des Bundes.

Zu Wort kommen rund 120 Autorinnen und Autoren aus Politik, Medien und Kultur, die seit März 2020 in der Zeitschrift „Politik & Kultur“ veröffentlich wurden, unter ihnen Vertreter aller Parteien auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene, Vertreter der Religionen, der wichtigsten Verbände, Vereine und Gewerkschaften, Vertreter aller deutschen Rundfunkanstalten, Korrespondenten, Dezernenten, Journalisten, Publizisten, Schriftsteller und Intendanten – die Stimmen derjenigen, die die öffentliche Debatte im behandelten Zeitraum (mit-)geprägt haben. Stellvertretend sei etwa auf die Beiträge der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Monika Grütters über das „Neustart Kultur“-Programm oder die Kommentare zum Zustand der Orchesterszene des Geschäftsführers der Deutschen Orchestervereinigung Gerald Mertens verwiesen. Bedauerlich ist jedoch, dass bei der Auswahl der Beiträge diejenigen, die im Kulturbereich von den Auswirkungen der Pandemie am härtesten betroffen waren, die Stimmen der ausübenden Künstlerinnen und Künstler, die anders als viele der hier publizierten Autorinnen und Autoren oftmals tatsächlich existenzielle Ängste ausgestanden haben und sich ihres Daseinszwecks beraubt sahen, weitestgehend außen vor gelassen wurden.

Der im kommenden Jahr erscheinende zweite Band der Chroniken könnte und sollte hier mehr Klarheit bringen – und auch die Betroffenen zu Wort kommen lassen. Bereits angerissen, aber noch vertieft werden sollte außerdem die Frage nach der Wirksamkeit der Maßnahmen seitens des Bundes und Länder, die in diesem Buch prominent hervorgehoben wurden. Lobenswert dagegen ist, dass in den Corona-Chroniken mit einem sehr breiten Kulturbegriff gearbeitet wurde und entsprechend neben „klassischen“ Kulturbereichen auch Sparten wie die Club-Szene, der Buchhandel und das Bibliothekswesen, der Kunsthandel und das Galeriewesen, die Lage der Museen, die Mode- oder auch die E-Games-Branche berücksichtig wurden.

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