Junge Talente einer unterschätzten Größe

Der erste Carl-Bechstein-Wettbewerb „Jazz-Klavier solo“ in Berlin


(nmz) -
„Der Jazz ist eine unterschätzte Größe und bedarf mehr Förderung in unserem Land.“ So lautete das Bekenntnis von Professor Christian Höppner, dem Generalsekretär des Deutschen Musikrates und Vorsitzenden des Kuratoriums der Carl-Bechstein-Stiftung, zum diesjährigen 5. Carl-Bechstein-Wettbewerb für Kinder und Jugendliche, der erstmals für Jazz-Klavier solo stattfand.
Ein Artikel von Godehard Lutz

Der „Kulturstall“ von Schloss Britz in Berlin-Neukölln bot am 3. und 4. November das entspannte und intime Ambiente mit ausgezeichneter Akustik für den diesjährigen Klavierwettbewerb, den die Carl-Bechstein-Stiftung seit 2013 dort veranstaltet. Im feinen, aber unerwartet kleinen Rahmen fand er am Samstag vor eine hochkarätigen Jury aus vier Jazzpianisten (Wolfgang Köhler, Hubert Nuss, Benjamin Schaefer, Nicolai Thärichen) und dem Jazz-Journalisten Berthold Klostermann (und leider wenig Publikum) statt. Gerade einmal 16 junge Jazzpianisten nahmen teil. Und das, obwohl Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro ausgelobt waren. Gefordert waren von allen Teilnehmern Jazz-Kompositionen aus mindestens zwei verschiedenen musikalischen Stilen mit Improvisationsabschnitten. In den Altersgruppen 3 und 4 war außerdem je ein Pflichtstück vorgegeben: Über „Gone With The Wind“ mussten die 17- bis 18-jährigen, über „I Remember April“ die 19- bis 20-jährigen Teilnehmer improvisieren. In der Gruppe 4 musste zudem mindestens eine Eigenkomposition gespielt werden.

Unter der Leitung von Prof. Wolfgang Köhler vom Jazzinstitut Berlin diskutierten die Juroren hart ihre Entscheidungen, die angesichts des Spiels des Nachwuchses „auf hervorragendem Niveau“ nicht immer leicht fielen. Doch nach einem Marathon von 10 bis 18 Uhr standen die Sieger in den vier Alterskategorien fest. Zehn der Pianisten, im Alter von elf bis neunzehn Jahren, konnten sich beim Preisträgerkonzert am Sonntagnachmittag dann noch einmal mit einem von der Jury ausgewählten Stück präsentieren. Dabei überzeugte der 16-jährige Reinel Ardiles Lindemann mit einer sehr souverän gespielten, mitreißenden und eigenständigen Version von Michel Camilos „Caribe“ und in der besonders starken Gruppe III beeindruckten Vincent Meißner und Valentin Gottlob mit ihren Eigenkompositionen. Rund 7.000 Euro Preisgeld konnten alle Preisträger zusammen neben einer Urkunde mit nach Hause nehmen.

Im Gespräch mit der nmz betonte Gregor Willmes, Vorstand der Carl-Bechstein-Stiftung, dass dieser erste Jazz-Wettbewerb ein „absolutes Risiko“ gewesen sei, „weil wir gar nicht wussten, wie es denn funktionieren wird“, da es im Jazz kaum Wettbewerbe für Kinder und Jugendliche gebe. „Ich war nicht ganz begeistert, dass wir nur 16 Anmeldungen hatten. Das war nicht das, was wir uns erhofft hatten. Aber mit der Qualität der Teilnehmer und des Wettbewerbs war ich sehr zufrieden, das Niveau war insgesamt sehr hoch. Teilnehmer, Eltern und Jury waren alle ganz glücklich und das freut uns natürlich sehr.“ Sehr schade war, dass sich kein einziges Mädchen angemeldet hatte, verwunderlich, dass die südlichen Bundesländer nur schwach vertreten waren, Bayern zum Beispiel gar nicht. Es scheint nicht ganz unwahrscheinlich, dass es wieder einmal einen Carl-Bechstein-Wettbewerb für Jazz geben wird, vielleicht dann für Klavier-Trios und hoffentlich mit größerer Resonanz. Der nächste Wettbewerb „Klavier solo“ vom 1. bis. 3. November 2019 ist allerdings wieder der Klassik gewidmet.