Königsmusik

Zum Tode des Komponisten Arne Nordheim


(nmz) -
„Repräsentativ“ und „avantgardistisch“ gelten als künstlerische Eigenschaften, die sich bis zu einem gewissen Grad ausschließen. Arne Nordheims Musik bildete da eine Ausnahme. Sie galt immer als vorkämpferisch und war zugleich gesellschaftlich anerkannt. Nichts zeigte den Stellenwert des Komponisten in Norwegen so deutlich wie die Verwendung seiner Werke zur Umrahmung der Olympischen Winterspiele 1994 in LilIehammer.
Ein Artikel von Wolfgang Sandner

Den Auftakt bildete „Venit Rex“, eine mächtige Fanfare bei der Ankunft des norwegischen Königs; die Schlusszeremonie wurde mit Nordheims so komplexem wie dissonantem Orchesterwerk „Magma“ bestritten, dessen expressionistischer Gestus an Bergs „Wozzeck“ erinnerte und das ursprünglich zum hundertsten Geburtstag des Concertgebouw-Orchesters in Amsterdam 1988 geschrieben worden war. Zu einer Art Staatskünstler war Nordheim allerdings schon zuvor aufgestiegen: Seit 1982 residierte er in „Grotten“, der nationalen Ehrenresidenz für verdiente Künstler in der Nähe des Königspalastes in Oslo.

Arne Nordheim stammte aus Larvik, begann sein Orgel- und Musiktheoriestudium mit siebzehn Jahren in Oslo und ergänzte seine Ausbildung durch Kompositionsstudien bei Bjarne Brustad, einem Bartók-Schüler. Außerdem beschäftigte er sich bei Aufenthalten in Paris mit der „Musique concrete“, seit 1959 zudem mit elektronischer Musik.

Die breitgefächerte Ausbildung führte zu so unterschiedlichen Werken wie dem von Bartók beeinflussten Streichquartett, der Kantate „Tempora Noctis“ für Stimmen, Orchester und Tonband oder den elektronischen Kompositionen „Pace“, „Solitaire“ und „Lux et tenebrae“. Daneben zeigen einige seiner vielfach für Singstimmen ausgeführten Kompositionen Beziehungen zur Tradition, etwa seine „Canzona“ für Orchester, die sich Giovanni Gabrieli verpflichtet fühlen.

Größere dramatische Werke spielen in Nordheims umfangreichem Werkkatalog, der bislang wenig ausgeprägten Opernkultur Norwegens entsprechend, keine entscheidende Rolle. Nordheim hat zahlreiche internationale Kompositionspreise erhalten und war Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Zeitgenössische Musik. Am 5. Juni ist Arne Nordheim nach langer Krankheit in Oslo kurz vor seinem neunundsiebzigsten Geburtstag gestorben.

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