Kommt die Notbremse für die Testpiloten?

Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker mit ihrem ersten öffentlichen Konzert seit März 2020


(nmz) -
Zum ersten Mal seit dem ersten Lockdown und genau drei Tage vor dem dritten gaben die Berliner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Kirill Petrenko am 20. März 2021 ein Konzert in der Berliner Philharmonie. Nein, es war keine CD-Aufzeichnung, kein Stream, keine Digital Concert Hall – es war ein Live-Konzert vor 1.000 Zuhörerinnen und Zuhörern! Wenig ambitioniert war das Programm mit Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ und Rachmaninows Zweiter Symphonie. Hoch ambitioniert dagegen das Hygiene-Konzept, das die Aufführung überhaupt ermöglicht hatte.
Ein Artikel von nmz (mh/ak)

Die Veranstaltung war Teil eines Pilotprojekts, das vom Berliner Senat initiiert wurde und an dem sich auch andere Berliner Kulturinstitutionen beteiligen. Ziel war es, die Praktikabilität von Veranstaltungen in Verbindung mit SARS-CoV-2-Antigen-Tests zu prüfen und perspektivisch eine Möglichkeit zu finden, Kulturveranstaltungen vor Publikum durchführen zu können.

Dabei wurde in der Öffentlichkeit an mehreren Stellen darauf hingewiesen, dass das Berliner Klinikum Charité Teile des Projekts wissenschaftlich begleite. Kultursenator Klaus Lederer erwähnte dabei die Abteilung Public Health der Charité. Auf Nachfrage erklärte die Pressestelle der Charité dagegen schlicht: „Lehrstuhlinhaber der Charité – Universitätsmedizin Berlin waren beratend in die Planung, Durchführung und Auswertung des Konzerts der Berliner Philharmoniker eingebunden. Eine wissenschaftliche Studie wird nicht erarbeitet.“ nmz-Redakteur Martin Hufner fragte deshalb beim Berliner Kultursenator nach. Die Antwort drucken wir im Wortlaut ab:

„Das ‚Pilotprojekt Testing‘ in Berlin ist keine wissenschaftliche Studie. Das Projekt war auch nicht als eine solche gedacht, sondern dient vorrangig zum Sammeln praktischer Erfahrungen. Dies schließt ganz ausdrücklich jedoch einen Austausch, eine Abstimmung und eine partielle Begleitung durch Wissenschaftler*innen verschiedener Fachgebiete nicht aus. Eine Studie nach wissenschaftlichen Maßstäben und entsprechender Auswertung ist das Pilotprojekt Testing jedoch nicht.

Grundlage für das gesamte Projekt waren die Hygienekonzepte (Hygienerahmenkonzept unserer Verwaltung und die daraus entwickelten einrichtungsspezifischen Hygienekonzepte der Bühnen), die seit nahezu einem Jahr mit Wissenschaftler*innen der Charité, mit Expert*innen für Lüftungs- und Belüftungstechnik der TU im steten Austausch entwickelt und immer auf dem aktuellen Stand gehalten wurden (aktueller Stand: 12. März 2021). Für die Phase des Pilotprojektes haben sich einzelne Einrichtungen, beispielsweise die Berliner Philharmoniker, zudem enger mit Virolog*innen der Charité abgestimmt.

Im Kern hat das Pilotprojekt folgende Aufgaben: Es soll an (auf andere Einrichtungen übertragbaren) Beispielen zeigen, dass kulturelles Leben möglich ist, unter der absoluten Priorität des Gesundheitsschutzes. Dabei sollen Strukturen auf ihre praktische Tauglichkeit hin überprüft werden, Stärken und Schwächen der Umsetzbarkeit identifiziert werden und in der Folge anderen Einrichtungen in Berlin und dem Bund zugänglich gemacht werden.“

Ob und wann die neun weiteren geplanten Veranstaltungen des Pilotprojekts stattfinden, oder ob auch hier die „Notbremse“ gezogen werden muss, ist noch offen (Stand 20.3.2021). (Update: Ist nicht mehr offen. Das aktuelle Vorhaben ist bereits gestoppt!)

Für alle, die nicht mit dabei waren oder sich das Ereignis nochmal in Erinnerung rufen wollen: Eine Aufzeichnung des Konzerts können Sie am Ostersonntag, 4. April, um 17 Uhr auf Arte und um 19 Uhr in der Digital Concert Hall sehen.

Das könnte Sie auch interessieren: