Nachrichten aus der neuen musikzeitung 2002/02:


(nmz) -

Schenkung nach Dresden
Die internationale Musikbibliothek Berlin wird in das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik (DZzM) eingegliedert. In einem Pressegespräch im Dezember im DZzM informierte Thomas Heyn vom Verlag Neue Musik als Hauptinitiator der Schenkung über den 40.000 Einheiten umfassenden Bestand und zukünftige Veranstaltungen. Die internationale Musikbibliothek Berlin führt Werke des letzten Jahrhunderts und zirka 1.000 Autobiografien. Ursprünglich seit 1957 Internationale Musikbibliothek beim Verband der Komponisten und Zentrum des internationalen Orchesterleihverkehrs innerhalb der sozialistischen Länder, wurde sie 1990 aufgelöst und der Musikschule Berlin unterstellt.

contrapunkt
Am 19. Februar wird „contrapunkt“ - das Musikmagazin von MDR-Kultur und Bayern2Radio live aus dem Münchner Goethe-Forum unter der Schlagzeile „Oase Ost – Wüste West“ die Situation deutscher Bühnen beleuchten (vgl. Bild und Text, S. 1). Die deutsche Theaterlandschaft ist (noch) einzigartig in der Welt. Nirgendwo sonst werden so viele Bühnen bespielt. Doch sind diese Kultureinrichtungen vielerorts von Schließung bedroht. Haben die Theater als „moralische Anstalten“ in Zeiten des „Sieges der Wirtschaftskapitäne“ in unserer Gesellschaft abgewirtschaftet? Wie weit kann man regionale Kulturstätten fusionieren? Rationalisieren? Wird die Theaterkultur zu einem rentablen Event-Sammelsurium? Zum Tourismusfaktor durch temporäre Musicalbauten? War die reichhaltige deutsche Theaterlandschaft ein Produkt des kalten Krieges, der west-östlichen System-Konkurrenz und ist sie dadurch überflüssig geworden? Darüber diskutieren live im Goetheforum in München Stephan Märki, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Reinhold Röttger, Intendant des Mainfrankentheaters Würzburg, Bettina Pesch, Intendantin der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH Berlin, vormals Verwaltungsdirektorin der Oper Leipzig, Enoch Lemcke, Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, Abteilungsleiter Kultur, und der ehemalige Kultursenator in Rostock, Dirk Schütz, Begründer des Studienganges Kulturmanagement der Musikhochschule Weimar.

Deutsche Welle-Weltmusikpreis 2002
Die Deutsche Welle hat den mit 4.000 Euro dotierten DW-Weltmusikpreis 2002 zum sechsten Mal ausgeschrieben. Teilnehmen können Redaktionen aller Rundfunksender, die in der European Broadcasting Union (EBU) organisiert sind. Ausgezeichnet wird eine 2001 ausgestrahlte Radio-Sendung, die durch Kreativität, Inhalt und Präsentation besonders geeignet ist, Weltmusik einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Interessierte Redaktionen müssen ihre Beiträge bis 1. März 2002 einreichen.

Orchestersterben in NRW
Die Orchesterlandschaft in Nordrhein-Westfalen ist von einem Auszehrungsprozess gekennzeichnet. Die Zahl der Berufsmusiker nimmt ebenso stark ab wie die Zahl der Orchester selbst. Spielten 1990 noch 1.986 Berufsmusiker in 25 Orchestern, so wurde ihre Zahl mittlerweile um 229 Planstellen in nur noch 20 Ensembles ausgedünnt. Mit Rechentricks wie unbesetzten „Phantomstellen“ versuchen viele Kommunen, das Bild aus üppigeren Kulturtagen aufrechtzuerhalten. Außerdem droht Überalterung der Orchester, da frei werdende Stellen im Bedarfsfall nur mit Aushilfen besetzt werden.

Zuschüsse in Bayern
Bayerns kommunale und private Theater werden 2002 deutlich höher bezuschusst als bisher. Der vom Landtag verabschiedete Nachtragshaushalt 2002 sehe eine Anhebung der Fördermittel für nichtstaatliche Theater auf knapp 54 Millionen Euro vor, sagte Kunstminister Hans Zehetmair. Das seien etwa 6,5 Millionen Euro mehr als im aktuellen Haushaltsansatz.

Die Zehn bleiben unverzichtbar
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und seine Klangkörper

Zehn Rundfunk-Sinfonieorchester leisten sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland. Zu einem Gedanken-Austausch über Situation und Perspektive dieser Klangkörper hatte der WDR Medienvertreter nach Köln eingeladen. Mit dabei auch Nikolas Kerkenrath (unser Bild li.) von der Bayer Kulturstiftung, der zu diesem Anlass die Dokumentation des zweiten ARD-Orchesterzyklus in Leverkusen präsentierte (siehe
auch den Bericht auf Seite 6).
Fritz Pleitgen, Intendant des WDR und ARD-Vorsitzender (unser Bild re.), unterstrich die Existenzberechtigung der Rundfunkensembles, die neben der Vielzahl subventionierter Orchester ihre eigene Rolle zu spielen haben. Zu den originären Aufgaben gehöre die musikalische Versorgung auch solcher Hörer, die eben nicht in die Konzertsäle der größeren Städte gingen. Außerdem seien insbesondere Rundfunkorchester, die mit ihren gesendeten Programmen nicht auf volle Säle angewiesen sind, prädestiniert, zeitgenössische Werke und Uraufführungen oder auch unbekannte Kompositionen zu präsentieren. Semyon Bychkov, Chefdirigent des WDR-Sinfonieorchesters (unser Bild Mitte), hob die Doppelfunktion der Klangkörper hervor, die in Studioaufnahmen einerseits und andererseits in der zunehmenden Konzerttätigkeit besteht. Radio-Orchester präsentieren ihre Region zunehmend auch im Ausland. So startet das WDR-Sinfonieorchester am 12. Februar eine Tournee durch die USA. Bekannt gegeben wurde die Verlängerung des Vertrags mit Bychkov bis zum Jahr 2005.

Weimarer Frühjahrstage
Zum dritten Mal finden vom 1. bis 7. April die Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik statt, veranstaltet vom via nova e.V., dem Förderverein des Deutschen Komponistenverbandes (Landes-verband Thüringen). Gäste sind Siegfried Matthus, Helmut Oehring und Gerhard Stäbler. Verbunden mit diesem jungen Festival ist ein Kompositionswettbewerb.

Bundesschulmusikwoche
Vom 3. bis 6. April 2002 veranstaltet der Verband deutscher Schulmusiker e.V. in Halle/ Saale die 24. Bundesschulmusikwoche. Die zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen, Diskussionsforen, Konzerte und Workshops stehen unter dem Motto „Musik-geschichte(n) – Musikpädagogik im Spannungsfeld zwischen Gestern und Heute“. Zusätzlich beleuchtet ein wissenschaftliches Symposion die Bedeutung der Musikgeschichte innerhalb der Schule und der Lehrerausbildung. Die schulpraktischen Kurse, die die verschiedenen Schulformen von Grundschule/Sonderpädagogik bis Sekundarstufe I und II abdecken, widmen sich dem „Heute“ mit ihrem Schwerpunkt „Neue Medien“. Eine Besonderheit dieser Schulmusikwoche wird darin bestehen, dass die Stadt und ihre Umgebung mit diversen Aktivitäten einbezogen werden. Anmeldung: vds-Bundesgeschäftsstelle, Weihergarten 5, 55116 Mainz, Tel. 06131/23 40 49, Fax 06131/23 40 06, E-Mail: vds@vds-musik.de

Orchesterfest
Das Münchner Rundfunkorchester feiert seinen 50. Geburtstag im März mit einer Festwoche. „Wir wollen in dieser Woche unser ganzes heutiges Spektrum präsentieren“, sagte Orchestermanager Gernot Rehrl. Dieses Spektrum reiche von Unterhaltungsmusik über Musical- und Kinderkonzerte bis zu den traditionsreichen Münchner Sonntagskonzerten sowie konzertanten Opernaufführungen, die einen neuen Schwerpunkt darstellten.

Neuer Verlag in Wien
Ende des Jahres 2001 wurde in Wien ein neuer Verlag gegründet: Edition 21. Vorerst zählen sieben junge Komponisten der Wiener Gruppe Gegenklang – mit Ausnahme von Johannes Maria Staud, der weiterhin bei der Wiener Universal Edition unter Vertrag steht – zu den betreuten Künstlern: Gerald Resch, Miguel Galvez-Taroncher, Reinhard Fuchs, Marcel Reuter, Robert Wildling, Jorge Sanchez-Chiong sowie Aliser Sijaric.

Wechsel bei Sikorski
Hans Wilfred Sikorski, Geschäftsführender Gesellschafter und Komplementär der Internationalen Musikverlage Hans Sikorski, hat nach fast dreieinhalb Jahrzehnten seine operative Tätigkeit in der Verlagsgruppe zum Jahresende 2001 beendet. Sikorski übergibt die Geschäfte an seine Schwester Dagmar Sikorski-Großmann, die schon seit zwanzig Jahren geschäftsführende Gesellschafterin und Komplementärin des Unternehmens ist. Neu in der Geschäftsführung und ein Vertreter der Folgegeneration ist Axel Sikorski, Sohn des bisherigen Firmenchefs.

Auszeichnung des DMV
Der Deutsche Musikverleger-Verband (DMV) hat die Konzertprogramme des Bergischen Symphoniker Orchesters der Städte Remscheid und Solingen sowie des Münchener Kammerorchesters der Saison 2001/2002 ausgezeichnet. Der Verband würdigt damit die Vielseitigkeit und Kreativität des Gesamtprogramms einer Saison, wobei die Berücksichtigung zeitgenössischer Musik ebenso eine Rolle spielt wie Werke mit ungewöhnlicher Besetzung oder die Einbindung junger Künstler. Die Überreichung der Auszeichnung findet in Solingen am 20. März statt und in München am 7. Mai.

Phonoverbände beim Bundeskanzler
Der neue Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, deren Geschäftsführer, Peter Zombik, sowie Musiker Marius Müller-Westernhagen trafen sich im Dezember mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, um über die derzeitige Situation der Musikwirtschaft zu sprechen. Im Mittelpunkt stand dabei die CD-Brenner-Problematik sowie die anstehende Novellierung des Urheberrechtsgesetzes. Dabei wurden die drei Kernpositionen der Verbände vorgetragen, die derzeit in der Branche kontrovers diskutiert werden: 1. Das Grundprinzip „Schützbares schützen, Nicht-Schützbares vergüten“; 2. Der umfassende Einsatz von Kopierschutz muss gesichert und uneingeschränkter Schutz gegen Umgehungstechnologien gewährleistet werden; 3. Es darf für Verbraucher keinen Anspruch auf Privatkopie geben. Gebhardt bezeichnete das Treffen als Erfolg.

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