Neue Perspektiven

Das Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik nimmt Fahrt auf


(nmz) -
Das Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik (FZM) bündelt in der Kooperation zwischen Hochschule für Musik und Albert-Ludwigs-Universität neue Ansätze und Möglichkeiten in Forschung und Lehre. Die Traditionen und Potentiale dieser zwei renommierten Institutionen verbinden sich im FZM und ermöglichen in der Zusammenschau neue Forschungs- und Lehrperspektiven am Standort Freiburg.

Im FZM wurde mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg eine Personalstruktur geschaffen, die einen Schwerpunkt im Bereich der künstlerisch-theoretischen und der wissenschaftlichen Fächer bildet. Das Freiburger Landeszentrum verfügt über insgesamt neunzehn Professuren in den Fächern Musiktheorie, Musikwissenschaft, Musikphysiologie/Musikermedizin und Musikpädagogik. Hinzu kommen insgesamt fünf akademische Mittelbaustellen in den genannten Fächern.

Ein großer Teil dieser Professuren wird in den nächsten Jahren neu besetzt. Dieser Prozess geht mit einer grundlegenden inhaltlichen Neuausrichtung einher. Aktuell wird erstmals eine Tenure Track Professur (Musikwissenschaft) in einem Berufungsverfahren ausgewählt, an dem Vertreter beider Institutionen beteiligt sind.

Im FZM, dessen Personal zugleich stark in der künstlerischen Praxis verankert ist, ergeben sich besonders große Potentiale, gemeinsame Forschungsthemen im künstlerisch-wissenschaftlichen Austausch zu entwickeln. Hierfür sind in den letzten drei Jahren mehrere Forschungsprojekte entstanden. So besteht eine Forschungsgruppe in der Klaviermethodik in Kooperation mit der Musikphysiologie/Musikermedizin, in der unterschiedliche didaktische Einsatzmöglichkeiten des Disklaviers untersucht werden. Im Bereich der Musiktheorie und Gehörbildung werden Erkenntnisse über den Einsatz digitaler Methoden direkt in die Hochschullehre übertragen und so auf ihre Praktikabilität in der künstlerischen und pädagogischen Praxis überprüft. Forschungsergebnisse aus der Stimmphysiologie/Musikermedizin liefern Grundlagen für die sängerische Entwicklung und können mittels spezifisch aufbereiteter Lehrmaterialien in der Gesangspädagogik angewandt werden.
Forschungskooperationen mit renommierten Partnern außerhalb Deutschlands haben einen festen Platz im FZM. Seit vielen Jahren besitzt Freiburg einen Forschungsschwerpunkt im Bereich der sogenannten „Historischen Satzlehre“ (historically informed Music Theory) und der musikalischen historischen Ausbildungs- und Institutionenforschung. Eine inhaltliche Zusammenarbeit besteht hier mit der Schola Cantorum Basiliensis und der Hochschule für Musik Bern. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt „From Bach to the Beatles“ mit der Digital and Cognitive Musicology Lab der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) werden aus musikwissenschaftlicher und musiktheoretischer Sicht übergreifende Strukturbildungen in unterschiedlichen Musikstilen untersucht.

Gemeinsam mit der Eastman School of Music (Rochester) wird in einem interdisziplinären Forschungsansatz ein Curriculum für das Fach „angewandtes Klavierspiel“ entwickelt, in dem Repertoire-, Partitur- und Blattspiel sowie Improvisation zu einer Einheit verbunden sind.

Die Forschungsaktivitäten im Fachgebiet Musikphysiologie/Musikermedizin zur Stimmproduktion bei Sängerinnen und Sängern und zur Atemphysiologie, bei denen neueste medizinische Technologien an der Medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität eingesetzt werden können, und die Forschungsprojekte der Musikphysiologie zur Bewegungsanalyse von Spielbewegungen und zu musikalischer Performance greifen zentrale Fragen der künstlerischen und pädagogischen Musikausübung auf. Das Fachgebiet bildet in seiner Ausprägung ein Alleinstellungsmerkmal des FZM.
Die pädagogische Vermittlung der musikalischen künstlerischen Inhalte in die Gesellschaft ist heute mehr denn je von zentraler Bedeutung und findet dementsprechend einen wichtigen Platz in den Forschungsaktivitäten des FZM. In der Elementaren Musikpädagogik wird in Vernetzung mit kommunalen Einrichtungen die Integration der Musik im frühen und späten Lebensalter erforscht und kreativ realisiert. Die Instrumental- und Gesangspädagogik entwickelt Konzepte zu einem Verständnis lebendiger Musizierpädagogik und erforscht den Einsatz digitaler Medien in der musikalischen Entwicklung bei Jugendlichen. In dem breit angelegten Forschungsprojekt Kooperative Musiklehrer_innenbildung Freiburg (KoMuF), in dem außer der Hochschule für Musik Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (vertreten durch das Freiburger Institut für Musikermedizin) die Pägagogische Hochschule Freiburg intensiver Kooperationspartner ist, werden wichtige Fragen zu musikalischen Bildungsprozessen und zu Interkulturalität in der Schule beforscht.

In den genannten Forschungsprojekten und darüber hinaus promovieren derzeit um die 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Fächern Musikwissenschaft/Musiktheorie, Musikpädagogik (Dr. phil.) und Musikermedizin (Dr.med. und Dr. sc.hum.). Da das FZM auch einen Forschungsschwerpunkt im Bereich der künstlerischen Forschung hat, kann zudem eine künstlerisch-wissenschaftliche Promotion zum Dr. phil. abgelegt werden.

In der Lehre hat die Musikhochschule eine neue Major-Minor Struktur im Bachelor-Studiengang konzipiert, um im FZM eine Kompatibilität mit den Studiengangstrukturen der Albert-Ludwigs-Universität herzustellen und künftigen Studierenden zu ermöglichen, an der jeweilig anderen Institution ein Nebenfach studieren zu können. Im nächsten Jahr können so die Fächer Musiktheorie, Musikphysiologie/Musikermedizin und Gehörbildung erstmals als Nebenfächer belegt werden.
Im Rahmen des European Campus-Projektes Eucor strebt das FZM eine enge Zusammenarbeit in Forschung und Lehre mit der Université de Strasbourg, der Universität Basel sowie der Musikakademie Basel an.

Nähere Informationen zum FZM finden Sie unter
www.mh-freiburg.de/fzm

Kongress des Freiburger Forschungs- und Lehrzentrums Musik

10. bis 12. April 2019 Hochschule für Musik Freiburg

Zwischen Elfenbeinturm und Employability – Wissenstransfer als Herausforderung musikbezogener Forschung

Das Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik (FZM) stellt seine Arbeit vor. In Vor-trägen und Workshops werden Forschungsergebnisse aus den Bereichen Musiktheorie, Musikwissenschaft, Musikphysiologie/Musikermedizin und Musikpädagogik in ihrem Transfer für die musikalische Ausbildung und die künstlerische Praxis vorgestellt. Der Kongress richtet sich an Musikpädagogen aller Berufsfelder, an konzertierende Sänger und Instrumentalisten, an Studierende, Hochschullehrer, Wissenschaftler und alle Interessierten. Ein Schwerpunkt liegt auf der interinstitutionellen Kooperation zwischen Musikhochschule und Universität am Standort Freiburg und den sich ergebenden Möglichkeiten für interdisziplinäre und vielfältige Forschung und Lehre.

Nähere Informationen finden Sie ab 1.11.2018 auf der Homepage der HfM Freiburg
www.mh-freiburg.de/fzm

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