Personalia 2018/11

Von Larcher, über Loebe zu Petrou


(nmz) -
„Prix de Composition Musicale“ an Larcher +++ Genzmer-Wettbewerb +++ Loebe löst Kuhn ab +++ Arvo-Pärt-Zentrum +++ George Petrou +++ Münchener Stipendien
Ein Artikel von [nmz-red]

„Prix de Composition Musicale“ an Larcher

Der österreichische Komponist Thomas Larcher wurde Anfang Oktober  mit dem „Prix de Composition Musicale“, dem Kompositionspreis der Fondation Prince Pierre (Monaco), ausgezeichnet. Den mit 75.000 Euro dotierten Preis erhält er für seine Sinfonie Nr. 2 „Kenotaph“ aus dem Jahr 2016. Der Komponist sagte dazu: „Ich möchte die Formen unserer musikalischen Vergangenheit im Kontext unserer heutigen (musikalischen und menschlichen) Erfahrungen erkunden. Wie können wir eine zeitgemäße Tonsprache finden? Und wie können die alten Formen zu uns sprechen? Solche Fragen stelle ich mir oft.“

Der Untertitel „Kenotaph“ bezeichnet ein leeres Grab für Verschollene und Vermisste. Larcher komponierte das 2016 von den Wiener Philharmonikern uraufgeführte Werk unter dem Eindruck der Tragödien um die zahlreichen im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge.

Der „Prix de Composition Musicale“ wird seit 1960 vergeben. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen Pierre Boulez, Sofia Gubaidulina, György Ligeti, György Kurtág oder Heinz Holliger. Dem musikalischen Beirat unter Vorsitz von Betsy Jolas gehören etwa Aribert Reimann, Julian Anderson, Helena Tulve, Unsuk Chin und Augusta Read Thomas an. Die Fondation Prince Pierre wurde von Prinz Rainier III in Gedenken an seinen Vater, der ein Liebhaber der Künste war, gegründet. Heute steht sie unter dem Vorsitz von Prinzessin Caroline von Hannover und setzt sich für die Förderung zeitgenössischer Literatur, Musik und Kunst ein. Die Preisverleihung fand am 4 Oktober im Salle Garnier des Opernhauses von Monte-Carlo statt.

Genzmer-Wettbewerb

Beim Harald-Genzmer-Interpretationswettbewerb 2018 vergab die Jury in diesem Jahr gleich zwei 1. Preise, einen 2. Preis und zwei 3. Preise. Mit dem 1. Preis wurden Magdalena Haubs und Yinghua Huang ausgezeichnet. Der 2. Preis geht an Kathrin Isabelle Klein, den 3. Preis teilen sich Hyunjin Lim und Riccardo Gagliardi.

Der Interpretationswettbewerb, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand, war ausgeschrieben für Klavier solo und wurde von der Harald-Genzmer-Stiftung in Verbindung mit der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) durchgeführt. Auf der Grundlage eingereichter YouTube-Beiträge wurden Teilnehmer ausgewählt, die in dem für Publikum offenen Wettbewerb Stücke von Harald Genzmer zur Aufführung brachten. Pflichtstück war die Suite C-Dur. Das Ziel des Wettbewerbs ist die Auseinandersetzung mit dem musikalischen Schaffen Harald Genzmers und die Förderung junger Musikerinnen und Musiker. Er ist ausgeschrieben für Studierende und Jungstudierende im Alter zwischen 12 und 28 Jahren und ist mit einem Preisgeld von insgesamt 8.000 Euro ausgestattet.

Die Jury 2018 setzte sich zusammen aus Prof. Margarita Höhenrieder, Prof. Markus Bellheim, Prof. Dr. Bernd Redmann und Stefan Conradi (Harald-Genzmer-Stiftung/Edition Peters).

Loebe löst Kuhn ab

Bernd Loebe leitet ab 1. September 2019 zusätzlich zu seinem Amt als Intendant der Frankfurter Oper die Festspiele Erl in Tirol, teilte der Präsident der Festspiele, Hans Peter Haselsteiner, in Wien der Presse mit.

Damit endet die Zeit des suspendierten Intendanten Gustav Kuhn, dem sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Loebe kündigte an, den Blick nach vorn richten zu wollen und sagte: „Einen Imageschaden kann sich kein Festival auf Dauer leisten“. Er werde hochbegabte jüngere Dirigenten und hoffnungsvolle junge Sänger einladen sowie versuchen, die Güte der Festspiele im Rahmen ihrer begrenzten technischen Möglichkeiten auszubauen. Die Berliner Regisseurin Brigitte Fassbaender werde ab 2021 in Erl Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ inszenieren.

Arvo-Pärt-Zentrum

Für den estnischen Komponisten Arvo Pärt, der als einer der meistgespielten lebenden Komponisten gilt, wurde in Laulasmaa, rund 35 Kilometer westlich der Hauptstadt Tallinn, ein Zentrum errichtet, das sich dem Leben und Werk des 1935 geborenen Musikers widmet. Im lichtdurchfluteten Neubau befinden sich das Archiv, ein Konzertsaal mit 150 Sitzplätzen, eine Bibliothek, Lese- und Seminarräume und Ausstellungsflächen. Auf Wunsch des Komponisten wurde in dem knapp 2.400 Quadratmeter großen eckenlosen Gebäude auch eine kleine Kapelle und eine 32 Meter hohe Aussichtsplattform eingerichtet. Finanziert wurde der 8,3 Millionen teure Bau vom estnischen Staat. Entworfen wurde er von den spanischen Architekten Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano.

George Petrou

George Petrou wird neuer künstlerischer Leiter der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen. Dies gab der Leiter der Findungskommission, Wilhelm Krull, Mitte Oktober bekannt. Der griechische Barockspezialist folgt dem britischen Dirigenten Laurence Cummings nach, der Göttingen nach den Jubiläumsfestspielen zum 100-jährigen Bestehen des Händel-Festivals im Jahr 2020 verlassen wird. Petrou, der seit 2012 als künstlerischer Leiter des Orchesters Armonia Atenea fungiert, werde die Position ab der Saison 2021/2022 für vorerst fünf Jahre übernehmen, teilte Krull weiter mit. Auch der geschäftsführende Intendant der Händelfestspiele Göttingen, Tobias Wolff, werde die Festspiele 2020 verlassen. Seine Nachfolge wurde noch nicht bekannt gegeben.

Münchener Stipendien

Mit den Stipendien der Landeshauptstadt München im Bereich Musik in Höhe von jeweils 6.000 Euro werden in diesem Jahr Vincent Crusius, Hanna Sikasa und das Zentaur-Quartett ausgezeichnet. Der mit 3.000 Euro dotierte Leonhard-und-Ida-Wolf-Gedächtnispreis für Musik geht an Mathias Lachenmayr. Mit den jährlich vergebenen Stipendien für Musik werden konkrete, besonders anspruchsvolle musikalische Arbeitsvorhaben in den Bereichen Komposition, Programmerarbeitung oder berufliche Fortbildung außerhalb Münchens unterstützt. Die Stipendien können sowohl für Einzel- als auch Ensembleleistungen in allen Musikgattungen und -bereichen, mit besonderer Berücksichtigung der zeitgenössischen Erscheinungsformen, vergeben werden.

Als Archiv und Forschungsstelle systematisiert das Zentrum schon seit 2010 das Oeuvre von Pärt. Der 83-jährige Komponist, der mit seinem minimalistischen Stil mit wenigen Tönen große Räume füllt, hat dem Zentrum dazu schon einen Großteil seiner Skizzenhefte, Partituren und andere Aufzeichnungen vermacht. Daneben verfügt das Zentrum über zahlreiche audiovisuelle Datenträger wie Fotos, Videos und Tonträger.

Rolf Fritsch verstorben

Kurz nach Redaktionsschluss erreichte uns die traurige Nachricht, dass Rolf Fritsch von der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen verstorben ist. Über viele Jahre war er das Gesicht der Bundesakademie Trossingen. Einen Nachruf lesen Sie in der nmz 12/2018.

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