Rückblende 2016/12

Vor 50 und vor 100 Jahren


(nmz) -
Vor 100 Jahren: Der Verband Deutscher Orchester- und Chorleiter tagte +++ Vor 50 Jahren: Der französische Komponist André Jolivet beim XX. Weltkongress der Jeunesses Musicales 1966 in Paris über Sinn und Notwenigkeit der Musik­erziehung

Vor 100 Jahren

Der Verband Deutscher Orchester- und Chorleiter tagte unlängst unter dem Ehrenvorsitz von Max von Schillings in Berlin. Von den gefassten Beschlüssen sind besonders hervorzuheben: Die Schaffung eines neuen Normalvertrages für Orchesterleiter und Musiker sowie die Verpflichtung der sämtlichen Mitglieder, schlecht geschriebenes und fehlerhaftes Orches­ternotenmaterial in Zukunft den Verlegern wieder zur Verfügung zu stellen. Ferner sollen in dem Kampf der Verleger und Komponisten im Interesse unseres gesamten Musiklebens so viel als möglich unterstützt werden. Es soll eine Notenleih-Zentrale gebildet werden, die den Mitgliedern, die mit der Genossenschaft Deutscher Tonsetzer abgeschlossen haben, die Aufführung wichtiger Werke ermöglicht, ohne dass sie gezwungen sind, anderen Gesellschaften tributpflichtig zu werden. Diese Zentrale soll so lange bestehen, bis die Vereinigung zwischen den beiden sich jetzt befehdenden Gesellschaften stattgefunden hat.

Neue Musikzeitung  XXXVIII. Jahrgang 1916/17, H.7/8

Vor 50 Jahren

Der französische Komponist André Jolivet beim XX. Weltkongress der Jeunesses Musicales 1966 in Paris über Sinn und Notwenigkeit der Musik­erziehung: „In einem Land, wo die Stundenpläne, was die musikalische Erziehung anbelangt, uns völlig lähmen, wo die Anzahl der Stellen für Musiklehrer in den Schulen stark beschränkt wird … Vielleicht kann man aber hoffen, dass das Musikleben in Frankreich bald einen neuen Aufschwung erleben wird, und zwar weil die Schülerzahl an den Musikschulen ständig steigt, weil die Laienmusikverbände immer mehr an Popularität gewinnen. Gewiss, viele Studenten, die Lehrer werden wollen, singen falsch, was sie davon abhält, Musikunterricht zu geben. Aber das ist nur ein Grund mehr, die Methoden zum richtigen Hören zu vertiefen, sie zum richtigen Hören zu erziehen. Unsere Lehrpläne sind unmenschlich überbelastet mit unnötigen Stoffen. Die Zahl der ausgebildeten Musiklehrer müsste vervielfacht werden. Bei den Studenten würde man gewiss auf weniger Widerstand stoßen, wenn sie sicher wären, nach dem Studium auch genügend Arbeitsmöglichkeiten zu finden. Gesangserziehung, Ausbildung und Praxis im Chorsingen, aber auch das Spielen eines Instruments gehören dazu, bringt die Freude mit sich, in einem Ensemble aufzugehen, sich am eigenen Spiel zu erfreuen. Jeder Mensch verspürt in irgendeinem Moment seines Lebens das Bedürfnis, sich in Tönen auszudrücken. So werden Sie auch begreifen, dass die Komponisten Ihrer Zeit für Sie arbeiten und nicht für Ihre Enkel und deren Kinder. Und dann werden Sie den Grundsatz gelten lassen, den ich an den Anfang stellen möchte: nämlich dass man die musikalische Erziehung mit der Musik unserer Zeit beginnen sollte. Diese Musik ist für Sie geschrieben.“

Musikalische Jugend  XV. Jahrgang 1966, H. 6, S. 7

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