Der Landesmusikrat Berlin (LMR) hat 2026 zum Berliner Jahr der Amateurmusik erklärt, um den Amateurmusikensembles, sowohl instrumental wie vokal, mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu bescheren. Am 18. Februar fand die Auftaktveranstaltung mit zwei Panels mit Vertreter:innen aus der Politik, den diversen Amateurmusikverbänden sowie weiteren Fachkundigen statt. Für die musikalische Unterhaltung sorgte Marilena & Friends.
v.l.n.r.: Hella Dunger-Löper, Präsidentin des LMR Berlin e.V. und Lorenz Maroldt, Mitherausgeber des Tagesspiegels und Schirmherr des Berliner Jahres der Amateurmusik beim Auftakt zum Jahr der Amateurmusik am 18. Februar 2026 im Kabarett-Theater „Die Stachelschweine“. Foto: LMR/Bondarenko
Unverzichtbar für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
Im Panel 1 „Soundcheck Berlin“ stellte zunächst Prof. Dr. Vera Allmanritter, Leiterin des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung, die Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsbefragung „Kulturelle Teilhabe in Berlin 2025“ zu musikbezogenen Interessen und Aktivitäten vor: 38 Prozent der Berliner Bevölkerung gaben an, in ihrer Freizeit zumindest gelegentlich zu singen, ein Instrument zu spielen oder digital Musik zu machen und damit im Vergleich zu einer im April 2025 veröffentlichten Studie des Deutschen Musikinformationszentrums mehr als doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Rund ein Viertel der Berliner:innen, und damit ebenfalls signifikant mehr Personen als in jedem anderen Bundesland, besuchte im letzten Jahr ein oder mehrere klassische Konzerte.
Wer selbst musiziert, so Allmanritter, entwickelt ein nachhaltiges Kulturinteresse und besucht vermehrt kulturelle Veranstaltungen. Der Autor des Buches „Die Macht der Musik“ Ullrich Fichtner forderte auf der Basis seiner Recherchen zur Wirkung von Musik eine „musikalische Zeitenwende“. Andreas Geisel (SPD), MdA und Mitglied im Kulturausschuss, sendete grundsätzlich ein positives Signal der Förderbereitschaft und zur Umsetzung eines Berliner Kulturfördergesetzes. Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats (DMR), verwies auf die im Februar erschienene Publikation „Wie klingt unsere Demokratie? Musik als Gesellschaftskraft“ des DMR, in der die Idee der kulturellen Demokratie erläutert wird.
Im zweiten Panel diskutierten Funktionsträger:innen des Chorverbands Berlin, des Landesverbands Berlin-Brandenburgischer Liebhaberorches-
ter und des Landessportbundes Berlin gemeinsam mit dem Sprecher für Ehrenamtliches Engagement Dennis Haustein (CDU), MdA, und dem Schirmherr des Berliner Jahres der Amateurmusik Lorenz Maroldt (Tagesspiegel) über die Unverzichtbarkeit von Amateurmusik für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die notwendigen und wünschenswerten Bedingungen für den Erhalt und Ausbau der Amateurmusikszene.
Seit 2024 gibt es das Förderprogramm „Instrumentale Amateurmusik“ der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und im LMR wurden eine Projektleitungsstelle für den Bereich Instrumentale Amateurmusik sowie zwei Koordinationsstellen für Proben- und Aufführungsräume neu geschaffen. Dadurch war die Erarbeitung der Online-Tools VIVACE – Berliner Kalender der Instrumentalen Amateurmusik, conTAKT – Börse der Berliner Amateurmusik und amateurMUSIK-ATLAS BERLIN (aMAB) möglich. Erste wichtige Erfolge, die laut dem Panel durch weitere politische Schritte ergänzt werden sollten: eine kostenfreie Nutzung öffentlicher Räume für die Ensembles, eine grundsätzlich eingeplante Mehrfachnutzung beim Neu- beziehungsweise Umbau öffentlicher Gebäude, eine schnellere Umsetzung des Herrenberg-Urteils, bessere Kooperationsmöglichkeiten zwischen Vereinen und Schulen und eine Erhöhung der Fördermittel. Die Verbände selbst wollen für mehr Sichtbarkeit ihrer ehrenamtlichen Arbeit sorgen, mehr Lobbyarbeit betreiben und sich besser miteinander vernetzen und ihre Ziele wie „Musik und Sport für alle“ öffentlich gemeinsam kommunizieren.
Bereits die Auftaktveranstaltung des Berliner Jahres der Amateurmusik zeigte, dass der LMR durch diese Schwerpunktsetzung zur Sichtbarkeit und Vernetzung beiträgt und einen öffentlichen Diskurs über den Wert, die Chancen, aber auch die derzeitigen Probleme der Amateurmusikszene in Berlin angeregt hat. Es bleibt zu hoffen, dass einerseits die bereits neu geschaffenen Strukturen dauerhaft etabliert werden können und andererseits ein öffentlicher Diskurs zu mehr Bewegung in der Politik beitragen kann. Ein grundsätzlicher Erfolg wäre es aber schon, wenn noch mehr Menschen, nicht nur in Berlin, für die Amateurmusik begeistert werden könnten.
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