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„Tischtennis“ für Tischtennisschläger und Tamburin. Alle Fotos: Jörg Lohner/nmzMedia

„Tischtennis“ für Tischtennisschläger und Tamburin. Alle Fotos: Jörg Lohner/nmzMedia

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Klangliche Abenteuer im Berliner Musikunterricht

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Mit Amen Feizabadi an der Jane-Goodall-Grundschule
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Neue Musik gilt im Schulkontext noch häufig als schwer vermittelbar. Sie klinge ungewohnt, sei kompliziert und ästhetisch weit entfernt von den Lebenswelten der Schüler:innen.

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Die notorisch geringe Unterrichtszeit, die dem Musikunterricht wöchentlich im Lehrplan zugestanden wird, nutzen die Mu­siklehrer:innen somit häufig lieber für Bach und Beethoven oder für angeleitetes Klassenmusizieren zu einem aktuellen Popsong anstatt für experimentelle Klangkompositionen. Dass letztere allerdings – didaktisch richtig eingesetzt – enormes kreatives Potenzial und besonders intuitive Zugänge zur Musik und Klanglichkeit bergen, versucht die Initiative „Abenteuer Neue Musik“ des Deutschen Musikrats bereits seit 2008 durch ihre Vermittlungsprojekte an deutschen Schulen zu verdeutlichen. Bisher vor allem im süddeutschen Raum aktiv, fand im Mai 2026 nun erstmals ein Vermittlungsprojekt an einer Berliner Schule – der Jane-Goodall-Grundschule in Friedrichshain – statt, organisiert und begleitet von DMR-Projektkoordinatorin Eva Zöllner.

Narrative ­Kompositionen inspiriert von Amen Feizabadi

Gemäß der Idee, jedes Jahr eine Unterrichtsreihe angelehnt an das Werk ausgewählter Komponist:innen der Neuen Musik zu konzipieren, standen dieses Jahr in Kooperation mit Amen Feizabadi narrative Klangstücke im Fokus des gemeinsam erarbeiteten Unterrichtskonzepts. Die Schüler:innen waren angehalten, ihre eigenen Interessen und Hobbies in den Unterricht mitzubringen und zusammen mit dem Projektteam bestehend aus der Musiklehrkraft Anna Eichholz, dem Komponisten Amen Feizabadi und zwei weiteren eingeladenen Musiker:innen aus der freien Szene nach und nach aus einer erdachten Geschichte ein Klangstück zu komponieren. So kam es zustande, dass am Konzerttag unter anderem Stücke über Pilze, Tauben und Tischtennis präsentiert wurden. Die Komposition „Tischtennisspiel“ zweier Jungs gestaltete sich als Duett zwischen zwei Tischtennisschläger-Solisten, die durch verschiedene Auf- und Abpraller der Tischtennisbälle – mal abwechselnd, mal unisono – präzise getaktete rhythmische Cluster erzeugten und dabei mit Tempo, Dynamik und Intensität spielten. Das Klangstück „Taubenrundflug“ einer anderen Schüler:innengruppe nutzte eine Kombination aus Instrumentalklängen und gesprochenem Text. Während eine der Schüler:innen Satz für Satz von dem abenteuerlichen Rundflug einer Stadttaube erzählte, untermalten die anderen Gruppenmitglieder die Situationen lautmalerisch: Kazoos ließen die Tauben schnarren, das Wedeln mit einem Teppich klang wie ein Flügelschlag und ein Kalimba vertonte sanftes Regenprasseln. Besonders bemerkenswert am Konzertprogramm war, dass alle Schülergruppen ihre Klangkompositionen trotz humorvoller Gestaltung mit hoher Konzentration und Ernsthaftigkeit präsentierten. Sie passten ihre Einsätze minutiös aufeinander ab und spielten ihr Instrument – ob Klavier, Kazoo oder Tischtennisschläger – mit großem Eifer und Engagement. Der wochenlange Kompositions- und Übeprozess war den Performances deutlich anzusehen, auch schienen die Schüler:innen insgesamt stolz auf ihre eigenen Kompositionen zu sein.

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„Godzilla“ für E-Gitarre, Akkordeon und Percussion. Foto: Jörg Lohner

„Godzilla“ für E-Gitarre, Akkordeon und Percussion. Foto: Jörg Lohner

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Zweimal während der Erprobungsphasen besuchte der Komponist Amen Feizabadi selbst die Projektgruppen an der Schule und beriet die Fünftklässler:innen bei der Planung und Durchführung ihrer Kompositionen, zeigte ihnen einige Tricks beim Timing der Einsätze und bei klanglichen Übergängen. Die Schüler:innen waren sichtlich begeistert, mit einem waschechten Komponisten zusammenarbeiten zu dürfen, wie sie auch in den Interviews mit nmz-Media am Aufführungstag bezeugten. Auch das Gesamturteil der Schüler:innen zu dem Projekt und der längeren Arbeit an ihren Klang­stücken fiel rundum positiv aus. Sie empfahlen das Projekt anderen Schulen und Schüler:innen weiter, wohl aber unter der klugen Einsicht, dass es stets auf die gute Durchmischung und Abwechslung mit anderen musikalischen Genres, Stilistiken und Arbeitsformen im Musikunterricht ankäme.

Neue Musik als ­pädagogische Mission

Ziel des Projektes „Abenteuer Neue Musik“ ist allerdings nicht nur, die Unterrichtskonzepte zu verschiedenen Stilen und Komponisten der Neuen Musik punktuell und einmalig an ausgewählten Schulen durchzuführen, sondern man möchte zudem grundlegend und breiter für die Auseinandersetzung mit Neuer Musik im Schulunterricht werben. Um dies zu befördern, werden die bei den Projekten entstandenen Materialsammlungen und Unterrichtsskizzen, komplementiert durch Interviews mit den Lehrkräften und Schüler:innen, auf der Internetseite von „Abenteuer Neue Musik“ veröffentlicht, um anderen Musiklehrer:innen Anknüpfungspunkte, Ideen und Inspirationen bereitzustellen, ähnliche Unterrichtsreihen, abgestimmt auf die eigenen Klassen, zu realisieren.

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„Ein Schultag“ in der „Jane-Goodall“ für Geige, Keyboard, Percussion und Zuspielung. Foto: Jörg Lohner

„Ein Schultag“ in der „Jane-Goodall“ für Geige, Keyboard, Percussion und Zuspielung. Foto: Jörg Lohner

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Damit eine Implementierung kompositorischer Unterrichtsprojekte zur Neuen Musik gelingen kann, braucht es, so verriet uns Anna Eichholz, allerdings eine grundlegende Offenheit seitens der durchführenden Lehrkraft. Sie muss unbedingt bereit sein, Räume zuzulassen für Spontanität, Experimente, Fehler und eine gewisse Menge an krea­tivem Durcheinander. Nur aus diesem Gehalt des Probierens, des Ergebnisoffenen und des Schöpfens aus der eigenen Kreativität könne ein tatsächlicher kreativer Prozess und die Neugier am klanglichen Entdecken und Produzieren bei den Schüler:innen ausgelöst werden. Am allerwichtigsten sei es aber, gemeinsam und auf Augenhöhe mit den Schüler:innen zu arbeiten, sie aktiv in ihren musikalischen Ideen und Impulsen zu bestärken und dann hinsichtlich der genauen Umsetzung in der Gruppe methodisch zu beraten.

Alle Materialien zum Unterrichtsprojekt mit Amen Feizabadi sind ab August 2026 zusätzlich zu allen vorherigen Unterrichtsprojekten vom „Abenteuer Neue Musik“ online unter www.vermittlung-neue-musik.de/abenteuer-musik zu finden.

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