„Wusste gar nicht, dass Situation so schlimm ist“


22.03.02 -
Musikschule: Sondersitzung des Kulturausschusses – Raumsituation und Status des Dozententeams größte Missstände.

22.03.2002 - Von deimling, KIZ

RFELDEN-WALLDORF. Das gute Management der städtischen Musikschule hat über Jahre massive Missstände übertüncht. Zu dieser Einsicht gelangte nun der Kultur-, Sport- und Vereinsausschuss bei einer Sondersitzung im „Goldenen Apfel“.
Einziger Tagesordnungspunkt: das Schicksal der Musikschule, die in diesem Jahr eine Rekordschülerzahl von 720 verbucht. Eine Studie von Stefan Küchler, seit zwei Jahren Leiter der städtischen Musikschule, führte den Stadtverordneten die brenzlige Lage vor Augen. „Ich wusste gar nicht, dass die Situation so schlimm ist“, fasste Stadtverordnetenvorsteherin Edda Bassler (SPD) die Meinung der Parlamentarier zusammen.

Größter Missstand ist die Raumsituation. Es sei kaum noch möglich, das Raumangebot für den Einzelunterricht sicherzustellen, so die Bilanz Stefan Küchlers. Im 30. Jahr der kommunalen Bildungseinrichtung scheint ihm eine „Sanierung“ des Betriebs unabdingbar.

Die Gründe wurden schnell deutlich: Ein Damoklesschwert, nämlich die geplante Einführung der Ganztagsschule, stellt einen Großteil des Unterrichts in Zukunft in Frage. Die Musikschule, die an 17 verschiedenen Orten, häufig jedoch an den vier Grundschulen, unterrichte, müsste sich, so die Prognose, ab 2005 gewaltig umorientieren. Um den Unterrichtsbetrieb aufrechtzuerhalten, müsse ein Musikschulzentralbau her, so das Fazit Küchlers.

Nun sei es an der Zeit, die Frage zu stellen: „Was will die Politik, und was ist sie bereit zu investieren“, leitete Kulturdezernent Hans-Jürgen Vorndran elegant zu einem wesentlichen Punkt über: der Finanzierung dieses Vorhabens. Seine Vision ist ein multifunktionales Haus, das sowohl den Unterricht der Musikschule, aber auch andere Nutzungen sicherstellt, etwa die Belange der Volkshochschule.

Klaus Gohlke nutzte die Chance, um einen alten CDU-Wunsch mit einfließen zu lassen: Die Gründung einer städtischen Jugendkunstschule. „Wenn wir schon tief in die Tasche greifen, können wir auch eine Kunstschule dort unterbringen“, plädierte er.

Stefan Küchler brennt ein weiteres Problem unter den Nägeln. Der berufliche Status seines Dozententeams. Derzeit sind alle 50 Lehrer auf freiberuflicher Honorarbasis tätig. Etwa 25 Prozent der Kräfte seien vom Problem der Scheinselbstständigkeit bedroht. Über kurz oder lang müssten mit den Dozenten Arbeitsverträge geschlossen werden. „Bisher liegen die Personalkosten bei 350 000 Euro jährlich“, ergänzte Hans-Jürgen Vorndran, eine Summe, die sich dann mindestens um die Sozialbeiträge erhöhen würde.

Im Vorjahr lagen die Ausgaben der Musikschule insgesamt bei 750 000 Mark. Etwa 54 Prozent davon wurden über die Teilnehmergebühren gedeckt, 46 Prozent der Ausgaben finanzierte die Stadt als Träger. Angesichts erheblicher Investitionen in der Zukunft äußerte Vorndran: „Die Gebühren für die Schüler sind sehr niedrig. Für notwendige Investitionen müssen wir über Geld nachdenken.“

Bevor die Musikschule Thema des Stadtparlaments wird, wollen die Kommunalpolitiker andere Einrichtungen besuchen. „Wir sollten von ortsfremden Erfahrungen profitieren“, brachte es Dr. Hans-Joachim Borst (FPD) auf den Punkt. Im April soll eine Besichtigungstour organisiert werden. Im Mai wird sich der Ausschuss erneut mit der Zukunft der kommunalen Bildungseinrichtung befassen. Parallel arbeitet eine Verwaltungsarbeitsgruppe an einem detaillierten Konzept. Im Juni soll das Thema im Stadtparlament erörtert werden.

Darmstädter Echo
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