Weimar lehnt Theaterfusion mit Erfurt ab


21.02.02 -
Der Weimarer Stadtrat hat die vom Land vorgeschlagene Fusion des Deutschen Nationaltheaters (DNT) in Weimar mit der Bühne in Erfurt abgelehnt. Am Mittwochabend stimmten 37 Stadträte gegen den Plan der Regierung, zwei enthielten sich.
21.02.2002 - Von nmz-red/leipzig, KIZ

Angenommen wurde dagegen ein so genannter Arbeitsauftrag, bis zum 1. Mai alle Unterlagen zusammenzutragen, die zur Gründung einer eigenen Theater-GmbH nötig sind. Dann wird ein von DNT-Generalintendant Stephan Märki vorgestelltes Konzept neben anderen geprüft werden. Zur Gründung einer GmbH würde ein weiterer Beschluss nötig. Der parteilose Weimarer Oberbürgermeister Germer sagte, es werde noch viel Arbeit geben. Am 27. Februar sollen die Erfurter Stadträte über die Theatergemeinschaft entscheiden.

Bereits vor der Abstimmung im Weimarer Stadtrat am gestrigen Abend zeichnet sich ab, dass es für den Grundsatzbeschluss zur Fusion keine Mehrheit gibt. Nicht nur die Fraktionen von PDS, Grünen, Parteilosen und WFU wollten geschlossen gegen die Fusion stimmen, auch alle 10 Stadträte der SPD schlossen sich an. Ebenso wollte die große Mehrheit der CDU-Fraktion die Vorlage des Kunstministeriums durchfallen lassen.

CDU und SPD machten ihr Votum von der Überzeugungskraft eines Modells abhängig, dass der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters, Märki, am Dienstagabend öffentlich vorstellte. Märki, eine Bürgerinitiative und der Berliner Anwalt Hegemann, dessen Kanzlei das “Weimarer Modell” erarbeitete, warben dabei für die Eigenständigkeit des DNT und erläuterten vor 800 Interessierten ihr Modell der privaten Trägerschaft.

Das Drei-Sparten-Haus soll demnach samt Staatskapelle in eine gemeinnützige GmbH überführt werden. Hegemann zufolge bringt v.a. der Ausstieg aus dem bisherigen komplizierten Tarifsystem Einspar-Effekte von 25 Prozent des derzeitigen Etats. Eingeführt würden Haustarife. Angenommen wird, dass die Zahl der Mitarbeiter von 400 auf 360 gekürzt werden müsste. Personalrat und Gewerkschaft bekundeten bereits Verhandlungsbereitschaft. Das “Weimarer Modell” müsste ab 2004 greifen, dann läuft der alte Fördervertrag mit dem Land und der Stadt aus.

Märki argumentierte, dass eine Theaterehe mit Erfurt zu einer Ausplünderung des Weimarer Hauses führte. Das von der Landesregierung vorgestellte Konzept sei eine “Mogelpackung”, da es eine Finanzierungslücke von mindestens 4,2 Millionen Euro nicht berücksichtige. So werde unterschlagen, dass die Betriebskosten für den Theater-Neubau in Erfurt um zwei Millionen Euro höher lägen als geplant. Auch würde sich die Zahl der großen Aufführungen im DNT von 263 auf 133 im Jahr fast halbieren. Laut Märki hat das “Weimarer Modell” sachlich gesehen eine große Chance.

Der Deutsche Bühnenverein nannte Märkis Vorschläge “unseriös”, sie entbehrten einer “sachlichen Grundlage”. Man gaukele Einsparmöglichkeiten nur vor, so Geschäftsführer Bolwin. Einsparungen in Millionenhöhe ließen sich nur durch tief greifende und dauernde Gehaltskürzungen erreichen.

Das Land Thüringen wollte die Bühnen in Weimar und Erfurt zusammenlegen, um angesichts steigender Personalkosten die Ausgaben im Griff zu behalten. Der Lenkungsausschuss des Kunstministeriums war einem Vorschlag des Deutschen Bühnenvereins gefolgt, die Häuser zu fusionieren. Die Städte Weimar, Erfurt und das Land sollten in der geplanten Staatstheater Thüringen GmbH gleichberechtigte Gesellschafter sein. Das Land hatte angeboten, seine Förderung für die Thüringer Theater und Orchester von 2004 bis 2008 wie bisher bei jährlich 60 Millionen Euro zu halten. 40 Prozent der Summe entfallen bisher auf Weimar und Erfurt. Für das Theater Weimar wären das etwa 15 Millionen Euro vom Land, ca. 2,5 Millionen von der Stadt. Für das Erfurter Theater kämen mehr als 11 Millionen Euro von der Stadt und gut 6 Millionen Euro vom Land. Sollten die Städte nicht zustimmen, drohte Kunstministerin Schipanski (CDU) bereits im Dezember, werde das Land anstelle der langfristig zugesagten Finanzen jedes Jahr neu und je nach Haushaltslage über Zuwendungen entscheiden. Auch das “Weimarer Modell” wäre auf weitere Förderung von Seiten des Landes angewiesen.













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