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Der schönste Geburtstag ihres Lebens: Iris ter Schiphorst. Foto: Astrid Karger

Der schönste Geburtstag ihres Lebens: Iris ter Schiphorst. Foto: Astrid Karger

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Großer Festtag zum Siebzigsten

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Das Zafraan Ensemble veranstaltet Iris-ter-Schiphorst-Festival in Berlin
Vorspann / Teaser

Das Zafraan Ensemble beschenkte die Komponistin Iris ter Schiphorst am 18. Oktober nachträglich zum siebzigsten Geburtstag – mit dem „Eden Cinema“-Festival, ausgetragen im Kulturhaus Alte Münze in Berlin. Konzipiert als Festtag für und mit Iris ter Schiphorst war es die Idee des Zafraan Ensembles, welches alle Konzerte des Tages selbst spielte, gemeinsam mit vielen weiteren Freund:innen und Kolleg:innen tief in die Klangwelt der deutsch-niederländischen Komponistin einzutauchen.

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Ter Schiphorst personifizierte in ihrer Biografie immer wieder plakativ, wie sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte die Grenzen zwischen der Neuen Musik, Improvisationsmusik, klassischen Musik und populären Musik zunehmend auflösten. Das „lustvolle“ musikalische Erkunden und Experimentieren jenseits klarer Genre- und Stilgrenzen zieht sich von Beginn an als roter Faden durch ihren Werdegang und ihr Œuvre. Besonders das Spiel mit verschiedenen Medien – Samplern, Sprache, Tonbandeinspielungen – ist ein häufiges kompositorisches Mittel von ihr, was sich deutlich in dem beim Festival präsentierten Querschnitt ihrer Instrumentalmusik spiegelte.

Den Anfang der Konzertreihe machte die grandios gegensätzliche „Ballade für einen Bulldozer“ (1989) als stampf­endes Duett zwischen Violine und einem Bulldozer-samplenden Synthesizer. Von Bläserduetten oder -trios über Streichquartett bis hin zu großen Orchesterbesetzungen plus E-Gitarre wurden bei den insgesamt drei Konzerten des Festivaltags diverse Instrumentalformationen und Klangsprachen bedient.

Häufig spielte in den Stücken der Umgang mit Sprache und Text eine Rolle – mal vom Band und mal live eingesprochen interagiert die Stimme in Stücken wie „My sweet latin lover“ (2002), „Make him Talk!“ (2016/17) oder „Sei gutes Muts“ (2021) in verschiedener Weise mit der Instrumentalmusik, sorgt in der einen Sekunde für einen Lacher und in der nächsten für ein Schaudern. Die Bezugs- und Kontaktpunkte zu Dieter Schnebel und seinem Maulwerker-Ensemble, von denen sich ebenfalls einige Mitglieder unter den Abendgästen befanden, traten hier besonders deutlich hervor.

Das „Eden Cinema“ (1995), ein düsteres Stück für präpariertes Soloklavier mit Sampler, wurde vom Zafraan Ensemble zum Namensgeber des Festivals auserkoren.

Für weitere mediale Abwechslung sorgte im Nebenraum der Alten Münze die Vorführung des 1928er Stummfilms „La Coquille et le Clergyman“, natürlich mitsamt der von Iris ter Schiphorst nachträglich komponierten Filmmusik, die 2005, anlässlich der großen Restauration des Films auf positives mediales Echo stieß. Immer im Wechsel mit den Konzerten gab es über den Festtag verteilt außerdem zwei Gesprächsrunden, bei denen neben Iris ter Schiphorst einige ihrer Wegbereiter und -begleiter:innen aufs Podium gebeten wurden. So entstand eine durchaus interessante Mischung aus gemeinsamem nostalgischem Schwelgen in alten Zeiten, aber auch handfesten inhaltlichen Diskursen um die Bedeutungen und Hintergründe von ter Schiphorsts musikalischen und kulturwissenschaftlichen Lebensstationen.

So erzählte etwa Christine Daum-Farber, mit der zusammen die Komponistin die sogenannte 3D-Oper „Anna’s Wake“ schuf, dass sie sich mit dieser multimedialen Komposition „gleichzeitig vor und hinter der Zeit“ bewegten – vor der Zeit, da das Werk bereits lange vor dem großen Multimedia-Hype in der Neuen Musik entstand; hinter der Zeit, da sie 16mm-Filmtechnik nutzten, die auch 1993 schon als „retro“ gelten konnte. Man lobte im ersten Gespräch an Iris ter Schiphorsts Musik besonders „die Körperlichkeit, die es so in der Neuen Musik zu dieser Zeit nur selten gab.“

In der zweiten Gesprächsrunde mit der Kulturwissenschaftlerin und Gendertheoretikerin Christina von Braun erörterte ter Schiphorst, dass zur Zeit ihrer künstlerischen Ausbildung keinerlei Frauen im akademischen Musikunterricht anwesend waren – weder Komponistinnen noch Interpretinnen – und es wohl dieser Umstand war, der sie zu den Gender-Vorlesungen Christina von Brauns und der Frage nach weiblichen Ausdrucksformen in der Musik trieb.

Am Schluss des Festivals richtete die sichtlich gerührte Komponistin noch einmal großen Dank an das Zafraan Ensemble für die Organisation und die wunderbar gelungene Interpretation ihrer Werke und beschloss den ihr gewidmeten Ehrentag mit den Worten: „Das war der schönste Geburtstag meines Lebens.“

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